Entwicklungshilfe

Hagenerin will in Ghana Bäume gegen die Landflucht pflanzen

Tausende Bäume sollen im Norden von Ghana gepflanzt werden. Der Verein Madamfo Ghana von Bettina Landgrafe aus Hagen will so die Landflucht stoppen.

Tausende Bäume sollen im Norden von Ghana gepflanzt werden. Der Verein Madamfo Ghana von Bettina Landgrafe aus Hagen will so die Landflucht stoppen.

Foto: Madamfo Ghana

Hagen/Ghana.  Tausende Bäume sollen Menschen im verödeten Norden Ghanas eine Perspektive schenken. So funktioniert das Projekt der Hagenerin Bettina Landgrafe.

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Keine Hütte. Nicht eine einzige Hütte. Nur ein Verschlag unter einer Betonbrücke, über den der Verkehr der Großstadt Kumasi einfach hinwegdonnert. Ein paar Bretter, eine Plastikfolie, Dunkelheit. Die Lampe des Handys, das Bettina Landgrafe in der Hand hält, spendet ein wenig Licht. Gerade genug, um all das Elend zu sehen. Eine junge Mutter mit ihren beiden Kindern lebt hier, wenn denn das Wort „leben“ das richtige ist.

Die Hagenerin Bettina Landgrafe und ihr Entwicklungshilfeverein „Madamfo Ghana“ wollen ihr und all den anderen Frauen aus diesem Elendsviertel in Kumasi mit einem ungewöhnlichen Projekt helfen: mit einem Sozialarbeiter vor Ort und mit tausenden Bäumen im Norden, die Menschen eine Perspektive schaffen. Am Donnerstag, 5. Dezember, 17.30 Uhr, stellt sie das Projekt und ihre Arbeit im Sparlassen-Karree Hagen, Sparkassen-Karree 1, ihre Arbeit vor.

Frauen und Mädchen hausen in erbärmlichen Verschlägen

Die Frauen und Mädchen von Kumasi, sie leben nicht, sie hausen, sie vegetieren. Im Schlamm, im Dreck. Einige schlafen immerhin auf Holzpaletten, was in dem Elendsviertel, das selbst Bettina Landgrafe nur mit Begleitung betritt, schon ein Luxus ist. Es ist eine eigene Welt, in der tausende Kayayei leben.

Madamfo Ghana
Madamfo Ghana

Die Kayayei sind Trägerinnen, junge Frauen und Mädchen aus dem Norden Ghanas, die ihre Heimat verlassen haben, in Städte wie Kumasi wandern. Gewalt, Vergewaltigung und Prostitution spielen eine Rolle. Bettina Landgrafe erzählt von einem jungen Mädchen, das plötzlich ein Kind zur Welt brachte, ohne je zuvor gehört zu haben, was eine Schwangerschaft überhaupt ist. „Sie dachte, sie hätte Durchfall. Auf einmal hatte sie ein Kind auf die Welt gebracht.“

Islamisten und Wüste breiten sich im Norden aus

Bettina Landgrafe, selbst Mutter, die vom Stamm der Ashanti einst zur Königin gewählt und mit vielen Preisen ausgezeichnet wurde, hat viel Elend gesehen. Kinder, die auf einem See als Sklaven von Fischern arbeiten mussten, Kinder mit schweren Behinderungen, die auf sich allein gestellt sind, leprakranke Menschen, die niemand unterstützt. „Die Bedingungen aber, unter denen diese Frauen leben, sind unbeschreiblich. Sie sind fester Bestandteil des Straßenbildes. Jeder weiß, wie es ihnen ergeht, aber keiner nimmt sich ihrer an“, sagt sie. Jetzt will sie sich mit ihrem Entwicklungshilfeverein „Madamfo Ghana“ dafür einsetzen, diesen Frauen ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen.

Vor Ort, in den Elendsvierteln. Aber auch darüber hinaus. Denn ein wichtiger Ansatz für die Lösung liegt nicht in Kumasi und in den anderen großen Städten. Er liegt im Norden des Landes – in jener Region, die den Frauen keine Perspektive bietet, weil sich die Sahara ebenso schnell breit macht wie Islamisten, die vor allem versuchen, die Männer für ihre Sache zu vereinnahmen. In einer Gegend, die verödet, weil chinesische Konzerne ganze Wälder abholzen.

Madamfo Ghana will Perspektive vor Ort bieten

„Wir müssen den Frauen, ihren Kindern, ihren Familien vor Ort eine Perspektive geben“, sagt Bettina Landgrafe, „verhindern, dass sie ihre Heimat verlassen. Wir müssen ganz aktiv die Ausbreitung der Wüste stoppen, vor Ort einen Beitrag gegen den Klimawandel leisten, den man in Ghana bei Temperaturen von bis zu 60 Grad noch ganz anders spürt als in einem trockenen Sommer in Europa.“

Die Idee: schnellwachsende Bäume, 50.000 für jeweils einen Euro in einem ersten Schritt, sollen in den Dörfern auf öffentlichen Grundstücken gepflanzt werden. „Wir wollen 97 Schulen, die Kinder und die Menschen vor Ort einbinden“, sagt Bettina Landgrafe, die einst Comedian Atze Schröder als Paten gewonnen hat, „damit eben nicht irgendein Konzern herkommt und die Bäume wieder fällt. Wir können an dieser Stelle mit relativ wenig Geld unglaublich vielen Menschen helfen. Und das völlig unbürokratisch.“

Bewirtschaftung im Einklang mit der Natur

Die Bewohner selbst sollen in einigen Jahren Teakholz-, Palisander- und Mahagoni-Bäume entnehmen. In einem Maß, wie es die Natur verträgt. Und nur so, wie neue Setzlinge nachgepflanzt werden können. „Aus diesem Holz können die Einheimischen Waren herstellen und diese selbst vermarkten“, sagt Bettina Landgrafe, „so verbessern wir das Klima und sichern den Menschen gleichzeitig eine Einnahmequelle. Wenn sich das in den Städten herumspricht, kann das dazu führen, dass die Kayayei wieder zurückkehren.“

Wer den Verein unterstützen möchte: Madamfo-Ghana, Sparkasse Hagen, IBAN: DE 77450500010101900090.

Ein Video sowie ein Fotostrecke finden sich unter www.wp.de/hagen

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