Justiz

Juwelier aus Hagen täuscht Raubüberfall auf Geschäft vor

Vor Gericht gestand der Juwelier den fingierten Überfall.

Vor Gericht gestand der Juwelier den fingierten Überfall.

Hagen.   Überraschung vor Gericht: In der Berufungsverhandlung gestand ein Juwelier, dass der Raubüberfall auf sein Geschäft 2014 vorgetäuscht war.

Eines ist sicher: Er ist der Hagener Juwelier, der in die meisten Kriminalfälle verwickelt wurde. Doch gestern legte der Schmuckhändler vor dem Landgericht ein überraschendes Geständnis ab: Zumindest der letzte Raubüberfall im September 2014 war nur vorgetäuscht. Bewahrt ihn diese Einlassung noch vor dem Gefängnis?

„Aus tausendundeiner Nacht“

Das Schöffengericht hatte den Kaufmann, der zeitweise mehrere Goldgeschäfte, darunter auch zwei in der Hagener City, betrieb, im vergangenen Jahr wegen Vortäuschung einer Straftat zu drei Jahren und einem Monat Haft verurteilt. Bis zuletzt hatte der Mann vollmundig seine Unschuld beteuert.

Doch Richter Manfred Kleeschulte bescheinigte ihm damals, dem Gericht „Märchen aus tausendundeiner Nacht“ aufgetischt zu haben und sollte mit dieser Einschätzung jetzt Recht behalten: Der letzte Raubüberfall sei von ihm lediglich konstruiert worden, ließ der angeklagte Juwelier in der Berufungsverhandlung durch Verteidiger Bernd Röhr ins Protokoll diktieren.

Vom Unglück verfolgt

Und auf Nachfrage des Gerichts bestätigte der Schmuckhändler selbst noch einmal ausdrücklich: „Es wird klargestellt, dass kein Überfall stattgefunden hat“, übersetzte der Dolmetscher wörtlich.

Die vom Juwelier behauptete Pechsträhne begann 2011. Da will er Opfer von Trickdieben geworden sein (angeblich 16 000 Euro Schaden). 2012 sollen Kriminelle sein Schaufenster zertrümmert und die Goldauslagen leergeräumt haben (30 000 Euro angemeldeter Schaden). Dann gab es noch drei weitere Einbrüche in die Schmuckgeschäfte. Auch mit seinem City-Restaurant ist er offenbar vom Unglück verfolgt: Der Grillbetrieb brannte aus.

Koffer voll Goldbarren und Münzen

Beim vorgetäuschten Überfall war ein Koffer voll Goldbarren und Krügerrand-Münzen abhanden gekommen. Der Juwelier hatte morgens um 8.07 Uhr Alarm ausgelöst, sich vorher von einem Mittäter leicht am Kopf verletzen lassen, um alles echter aussehen zu lassen und dann gegenüber der Polizei dreist behauptet, er sei von zwei Räubern niedergeschlagen und ausgeraubt worden.

Gut zwei Wochen vor dem fingierten Überfall hatte ein Handwerker (57) einen Alukoffer bei dem Juwelier abgegeben. Darin sollen sich 22,9 Kilo Gold befunden haben – im damaligen Wert von 630 000 Euro. Der Koffer sollte im Tresor aufbewahrt werden. Das Gold ist seit dem vorgetäuschten Überfall verschwunden. Der geschädigte Kunde hat seine Lebensersparnisse verloren.

Hoch verschuldet

Der Juwelier behauptet, im Koffer seien höchstens drei Kilo Gold gewesen und sein gewiefter Zweitverteidiger Thorsten Merz hofft, dass ihm das Gericht das glaubt und am Ende noch eine Bewährungsstrafe für den hoch verschuldeten Juwelier herauskommen könnte.

Am 7. Juli geht der Prozess weiter. An diesem Tag soll auch noch das Urteil fallen.

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