Bildung

Kinder bekommen fürs Vorlesen in Hagen die Haare geschnitten

Friseur Beuerbach mit Berkin.

Friseur Beuerbach mit Berkin.

Foto: N`gouan

18 Kinder aus Hagen fanden sich in der Stadtbücherei zusammen, um Danny Beuerbach etwas vorzulesen. Der Friseur schnitt ihnen dafür die Haare.

Am Eingang der Stadtbücherei auf der Springe waren leise Kinderstimmen zu hören. 18 Jungen und Mädchen im Alter von 6 bis 14 Jahren hatten sich am Samstag in der Bibliothek zusammengefunden, um beim Vorlesen eines Buches ihrer Wahl die Haare geschnitten zu bekommen. Stattfinden konnte die Aktion im Rahmen der Veranstaltung „Waschen, Schneiden, Lesen“, die schon vielerorts bekannt ist und in Hagen erstmalig den Auftakt für den „Sommer-Leseclub“ darstellte.

„Dann leg mal los“, forderte Danny Beuerbach (34) den sechsjährigen Berkin lächelnd auf. Der Hairstylist schneidet Jungen und Mädchen nun schon seit mehr als einem Jahr die Haare. Die geforderte Gegenleistung: Die jungen Lesebegeisterten müssen ihm eine Passage aus einem beliebigen Buch vorlesen.

Fähigkeiten fördern

Die Idee kam dem Freelancer aus München, als er sich vornahm, selbst mehr zu lesen, daran jedoch kläglich scheiterte. Anstatt also selbst zu lesen, überließ er diese Aufgabe schließlich den Kunden in seinem Friseursalon – gegen einen Rabatt. Zunächst waren es Erwachsene, später kamen Kinder hinzu. „Wenn Kinder vorlesen, passiert etwas so Ernsthaftes“, sagt Beuerbach. Neben dem Ziel, die Lesefähigkeiten der Kinder zu fördern, schenkt er den Jungen und Mädchen ebenso einen kleinen Auftritt. Und das scheint gut anzukommen.

„Mein Sohn wollte unbedingt teilnehmen“, gab Nüket Elibüyük, Mutter von Berkin, preis. Gemeinsam mit einigen anderen Müttern, Vätern und Großeltern hörte sie ihrem Sohn beim Lesen zu. Das Buch hatten sie am Tag zuvor gekauft, Berkin las somit zum ersten Mal daraus.

Unter den Vorlesern war auch Sophie Zielinski. Die 11-Jährige besucht nach den Sommerferien die 6. Klasse und ist bereits zum zweiten Mal Teil des Sommer-Leseclubs der Stadtbücherei. Um den Haarschnitt zu bekommen, hatte sie sich eine spannende Szene herausgesucht. Sie wollte Danny Beuerbach nämlich nicht langweilen.

Nicht selbstverständlich

„Lesen ist nicht mehr selbstverständlich“, stellt Anja Kiel fest. Die Autorin von Kinderbüchern findet, dass die Veranstaltung „Waschen, Schneiden, Lesen“ in Kombination mit dem Sommer-Leseclub einen gelungenen Auftakt biete. Vor allem der vermittelte Bildungsauftrag zur Leseförderung liege ihr persönlich am Herzen. Die Lesepraxis sei für das Lesen und Schreiben enorm hilfreich, konnte auch Bibliothekarin Verena Lückel bestätigen.

Aus demselben Grund sieht Beuerbach es als seine Aufgabe, mehr Friseure von der Aktion „Waschen, Schneiden und Lesen“ zu begeistern und sie dazu zu inspirieren, seinem Vorbild zu folgen. So möchte und kann er seinen Beitrag zur gesellschaftlichen Bildung leisten und den jungen Lesern nebenbei mit einer schönen Frisur ein Lächeln aufs Gesicht zaubern.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben