Austausch

„Latina-Treff“ seit rund 35 Jahren in Hohenlimburg

Die Frauen kommen aus acht Ländern Lateinamerikas. Zur Gruppe gehört außerdem eine gebürtige Deutsche– weil sie „die Atmosphäre mag“.

Die Frauen kommen aus acht Ländern Lateinamerikas. Zur Gruppe gehört außerdem eine gebürtige Deutsche– weil sie „die Atmosphäre mag“.

Foto: Marcel Krombusch

Hohenlimburg.   Einmal monatlich treffen sich rund 20 Frauen aus vielen Regionen Lateinamerikas regelmäßig in Hohenlimburg. Was ist für sie typisch deutsch?

Um in Deutschland heimisch zu werden, gibt es viele Wege – und einer davon führt durch den Magen. Auf der großen Tafel stehen Wurst und Mehrkornbrötchen neben „Pisto“ und „Arepas“, sprich: einem spanischen Gemüsegericht und kolumbianischen Maisfladen. „Hier bringt jeder Spezialitäten aus seiner Heimat mit“, sagt Theresa Brandt. Die gebürtige Chilenin hat vor rund 35 Jahren gemeinsam mit Dorothea Erkeling eine Gruppe für Frauen aus Lateinamerika gegründet – zum Kennenlernen, Austauschen und gemeinsamen Essen.

Seit Jahrzehnten in Deutschland

Rund 20 Frauen gehören mittlerweile dazu. Sie kamen teils schon vor Jahrzehnten nach Deutschland, aus Ländern wie Kolumbien, Venezuela, Spanien und der Dominikanischen Republik. Sie schätzten die offene Atmosphäre in der Gruppe, sagen die Frauen. Sie verbindet die spanische Sprache und die Tatsache, dass sie einen Deutschen geheiratet haben.

Unterschiede zwischen deutschem und mediterranen Kulturraum zeigen sich an Kleinigkeiten, wie etwa einem belegten Brötchen mit Schinken und Käse. „Ich wollte eins kaufen“, beginnt die gebürtige Spanierin Maria del Carmen Ros López von einem ersten Erlebnis in Deutschland zu erzählen. „In der Bäckerei gab es aber als Belag nur Käse oder Schinken. Beides auf einem Brötchen konnte mir die Verkäuferin nicht geben – weil sie keine Preisangabe dafür hatte.“

Auch Gesten und Gepflogenheiten mussten sie neu lernen. Etwa, dass es hier einen Unterschied zwischen Freunden und Bekannten gibt. Oder dass man sich zur Begrüßung die Hand gibt, statt sich links und rechts auf die Wange zu küssen und zu umarmen. „Ich vergesse noch heute manchmal, die Hand zu geben“, so eine Spanierin aus der Gruppe.

Mit der Zeit seien die Eigenarten aber in die eigene Lebensart gespiegelt worden. Heute sagen alle Frauen der Gruppe, sie seien glücklich, in Deutschland zu leben. „Wir sind angekommen“, lautet das einhellige Echo. Aber wann haben sie das gemerkt?

Kulturen kombiniert

„Die ersten Jahre habe ich mich hin und hergerissen gefühlt“, sagt Fanny Kunstmann, die Ende der 1970er aus Kolumbien kam. „Aber irgendwann wollte ich das nicht mehr.“ Ganz angekommen fühle sie sich seit dem „Sommermärchen“, der Fußball-WM 2006. „Davor habe ich mich geärgert, wenn andere Teams gegen Deutschland verloren haben“, so Kunstmann. „Seit 2006 überwiegt die Freude, wenn Deutschland gewinnt.“

Wann Angelica Brandt diesen Moment hatte, kann die gebürtige Kolumbianerin nicht sagen. Aber: „Wenn ich heute bei meiner Familie in Kolumbien bin, bin ich dort keine Kolumbianerin mehr“, merkt sie. „Ich trenne Müll und ich bin organisiert. Für meine Familie bin ich deutsch.“

Schlimm finde sie das nicht. Im Gegenteil: „Beide Seiten zu kombinieren, finde ich perfekt.“

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