Lieblingsplatz

Mit zwei Rostkappenpapageien in Breckerfeld auf Tour

Diana Eberhardt mit ihren Papageien auf ihrer Lieblings-Bank oberhalb von Breckerfeld.

Diana Eberhardt mit ihren Papageien auf ihrer Lieblings-Bank oberhalb von Breckerfeld.

Foto: Michael Kleinrensing / WP

An einem besonderen Lieblingsplatz mit besonderen Freunden: Diana Eberhardt (45) besucht mit ihren Papageien eine Aussichtsbank in Breckerfeld.

Breckerfeld. Der Blick schweift über das Tal. Über die Fichten am Hang gegenüber. Über die ersten Häuser der Hansestadt, die sich ein Stückchen weiter rechts abzeichnen. Ruhe, nichts als Ruhe. Zumindest, so lange kein Auto die Prioreier Straße hinauffährt.

Es ist ein ganz besonderer Platz, ein Platz mit Aussicht, ein Platz am Hang, ihr Lieblingsplatz. Es ist ein Platz, den Diana Eberhardt nicht alleine besucht. Gut, der Reporter ist diesmal auch mit von der Partie. Aber auch Erna und Oscar, diese treuen Gefährten, die auf Obst und Gemüse stehen und mit denen sie immer wieder hierher kommt. „Wir sitzen hier oft zusammen. manchmal früh morgens, wenn die Sonne aufgeht oder abends, wenn sie wieder untergeht“, sagt Diana Eberhardt, „hier kann man entspannen, Stress vergessen.“

Furcht vor Raubvögeln am Himmel

Es sind ein paar Minuten zu Fuß bergan bis zu der Bank. Erna und Oscar könnten zwar laufen. Das aber würde dauern.

Fliegen ginge schneller. Dürfen sie aber nicht. Zu viele Bäume, dazu Raubvögel in der Luft, die den beiden Rostkappen-Papageien Angst einjagen könnten. Deshalb hält Diana Eberhardt, Mitarbeiterin in einem Fachverlag für Sittiche und Papageien und Autorin, das Paar an der kurzen Leine.

Ein Paar, dass vor einigen Jahren eingezogen ist und den Alltag der 45-Jährigen durcheinandergewirbelt hat. „Rostkappenpapageien sind extrem schlau. Sie haben die Intelligenz eines drei- bis sechsjährigen Kindes“, sagt Diana Eberhardt, die gerade ihr erstes Buch über diese außergewöhnliche Vogelart veröffentlicht hat. „Sie können zwar nicht sprechen, aber alle möglichen Geräusche nachmachen.“ Zum Beispiel den Enten-Klingelton von Diana Eberhardts Handy – und zwar so echt, dass die Breckerfelderin anfangs immer wieder zu ihrem Mobiltelefon gerannt ist.

Umfangreiches Geräusch-Repertoire

Das ist aber längst nicht das komplette Geräusch-Repertoire ihrer gefiederten Freunde. Erna und Oscar, beide fünf Jahre jung, können einen Schlagbohrer imitieren, seit der Nachbar renoviert hat. Sie haben das Piepen der Hebebühne drauf, die in der Kfz-Werkstatt von Diana Eberhardts Lebensgefährten steht. Und sie können die Melodie von „Smoke on the water“ pfeifen.

Zuhause haben die beiden Papageien, die sich nach Möglichkeit irgendwann mal paaren sollen, eine Voliere für die Nacht und ein eigenes Zimmer, in dem sie sich tagsüber aufhalten. „Aber ich arbeit oft daheim“, sagt Diana Eberhardt, „da sind sie dann in der ganzen Wohnung unterwegs. Im Grunde sind sie wie Kleinkinder auf Speed, von Natur aus aggressiv, was auch durchkommt, wenn sie nicht beschäftigt werden.“ Und: „Rostkappenpapageien können fürchterliche Sturköpfe sein.“ Zum Beispiel, wenn sie sich auf den Filzschreiber eines Reporters setzen und partout nicht mehr locker lassen wollen.

Regelmäßiges Training

Also trainiert Diana Eberhardt ihre beiden gefiederten Freunde. Sie bastelt ihnen Spielzeuge, die sie immer wieder vor neue Herausforderungen stellen, dann aber ihren Weg ins Tierheim finden, sobald Erna und Oscar sie nur noch mit Missachtung strafen.

Und sie nimmt sie mit. Mal in die Werkstatt ihres Freundes, mal zu ihrem Lieblingsplatz am Wanderweg oberhalb der Prioreier Straße, mal auf eine Wiese, wo sie an einer 30 Meter langen elastischen Leine gefahrlos rund um sie herum fliegen können.

Es ist eine Liebe, die ihre Wurzeln in Diana Eberhardts Kindheit hat. „Es gibt Babyfotos von mir, da habe ich kein Haar auf dem Kopf – dafür aber einen Wellensittich“, sagt sie. „Seit ich mich erinnern kann, hatte ich immer Vögel.“

Eine Freundschaft fürs Leben

Diese beiden, diese ganz speziellen Vögel, werden sie noch lange begleiten. Erna und Oscar werden bis zu 30 Jahre alt.

Da bleibt noch viel Zeit für viele weitere Besuche an der Bank, an der dieser wunderbare Sommerwind weht und von der aus man diesen traumhaften Blick hat.

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