Offener Ganztag

Private Geldgeber retten Sportkurse an Schulen in Hagen

OGS-Kinder am Kuhlerkamp mit Leiterin Isolde Mantai-Esken und Dagmar Halbe von der Caritas.

OGS-Kinder am Kuhlerkamp mit Leiterin Isolde Mantai-Esken und Dagmar Halbe von der Caritas.

Foto: Hubertus Heuel / WP Hagen

Hagen.  40 Sportkursen im Offenen Ganztag an Hagener Schulen drohte das Aus. Dank privater Sponsoren können einige Angebote aufrecht erhalten werden.

37 Kinder aus dem Offenen Ganztag (OGS) der Grundschule Kuhlerkamp besuchen einen Schwimmkursus im nahe gelegenen Lehrschwimmbecken am Weißenstein. „Viele von ihnen sind Nichtschwimmer, zehn haben sogar noch nie ein Schwimmbad von innen gesehen“, berichtet OGS-Leiterin Isolde Mantai-Esken. Es seien vor allem Schüler aus Einwandererfamilien, die nicht schwimmen können „Umso wichtiger ist es, dass sie es bei uns lernen können.“

Dabei sollte der Kursus eigentlich eingestellt werden, gehörte er doch zum Programm „Mittendrin statt nur dabei – in OGS und Sportverein“, mit dem das Land NRW von 2015 an zahlreiche Sportkurse im Offenen Ganztag ermöglichte. Tanz, Yoga, Turnen, Handball, Fußball, Basketball, Tennis, Schach, Fechten und eben Schwimmen wurden auf diese Weise finanziell gefördert. Doch 2019 wurde die Unterstützung von OGS-Vorhaben aus den Richtlinien des Kinder- und Jugendförderplans herausgenommen, das Geld für die Projekte gestrichen. „Dabei ist der Bedarf nach wie vor da, da gerade in Hagen viele Kinder die vorhandenen Bildungsangebote nicht wahrnehmen können“, sagt Dagmar Halbe vom Caritasverband.

Um die Kurse aufrecht erhalten zu können, suchte die Caritas, die zahlreiche der Mittendrin-Projekte in Hagen betreut, nach alternativen Finanzierungsmöglichkeiten. Und fand private Sponsoren wie den Lionsclub Hagen-Mark, der sich bereit erklärte, die Schwimmkurse an fünf Offenen Ganztagsschulen ein Jahr lang zu bezahlen. Neben den 37 Kindern vom Kuhlerkamp kommen so 43 weitere Schüler in Hagen in den Genuss von kostenlosen Schwimmübungen.

Die Förderung ist besonders für Kinder aus sozial benachteiligten Vierteln, die nur selten einem Verein angehören und oft keine Möglichkeit haben, eine Sportstätte überhaupt zu erreichen, sinnvoll. „Viele Eltern sind nicht bereit, ihre Kinder zum Sport zu begleiten“, sagt Isolde Mantai-Esken.

Auch der VfL Eintracht Hagen ist nach dem Wegfall der Landesförderung in die Bresche gesprungen und bietet an zehn Schulen kostenfrei Handball-Arbeitsgemeinschaften an. In wöchentlichen Trainingseinheiten werden physiologische und koordinative Fähigkeiten geschult. „Was natürlich auch dem Bewegungsmangel entgegen tritt“, freut sich Dagmar Halbe: „Im Idealfall finden die Kinder dadurch Anschluss an den Vereinssport.“ Wovon wiederum der Handballverein profitieren würde – eine Win-win-Situation.

Auch Kunst wird gefördert

Die Märkische Bank wiederum sponsert an zahlreichen Schulen die Teilnahme von Kindern aus dem Offenen Ganztag am Jugendwettbewerb „jugend creativ“. Aber auch der Post SV Hagen (Handball), der SV 70 Haspe (Basketball) sowie einige Privatleute unterstützen Mittendrin-Projekte im Rahmen einer kostenfreien Kooperation. „Andere Projekte werden wiederum über Elternspenden oder einen Förderverein finanziert“, sagt Dagmar Halbe.

Nach der Einstellung der Landesförderung im vergangenen Jahr sind aber auch Projekte weggebrochen. Und es ist auch noch keineswegs gesichert, dass alle der oben genannten Sponsoren ihre Förderung im nächsten Schuljahr fortsetzen. „Sponsoren für das nächste Schuljahr sind daher gerne willkommen“, sagt Dagmar Halbe. Schließlich geht es um die so wichtige sportliche Betätigung und damit verbunden um gesellschaftliche Teilhabe. Und wenn die Zahl der Nichtschwimmer reduziert wird, sollte sich das irgendwann auch wieder positiv auf die zuletzt gestiegene Zahl an ertrunkenen Menschen in Deutschland auswirken.

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