Sven Eklöh

Vom Chef des Süßwaren-Riesen zum Supermarkt-Besitzer

Sven Eklöh in seinem Markt in der Lindenbergstraße in Elsey: Ein harter Weg sei es gewesen, sagt er. Aber es mache Spaß.

Sven Eklöh in seinem Markt in der Lindenbergstraße in Elsey: Ein harter Weg sei es gewesen, sagt er. Aber es mache Spaß.

Foto: Michael Kleinrensing / WP

Hagen-Hohenlimburg.  Vom Chef des Hagener Süßwaren-Riesen Hussel zum Supermarkt-Besitzer in Hohenlimburg. Sven Eklöh hat den Schritt gewagt. Ist er gelungen?

Es war ein ungewöhnlicher Schritt. Einer, der aufhorchen ließ. Sven Eklöh (56), einst Chef der Süßwarenkette Hussel mit mehr als 200 Filialen in Deutschland, Österreich und Portugal übernimmt den Rewe-Supermarkt in Elsey. Und zwar als selbstständiger Kaufmann, der auch täglich im Geschäft mit anpackt.

Fast genau zwei Jahre ist das nun her. Sven Eklöh, der selbst in Elsey wohnt, kann sich noch ganz genau an den Tag erinnern, als er inklusive seiner Mutter am 1. Juli 2017 alle Familienmitglieder aktivierte, um den Warenbestand zu erfassen. Am Tag darauf öffnete er Rewe Eklöh, der sechs Tage die Woche von 7 bis 22 Uhr geöffnet und 35 Mitarbeiter hat.

Haben Sie den Schritt in stillen Minuten auch mal bereut?

Eklöh: Ja, die Momente gab es schon. Die erste Zeit war schwer. Da muss man schon durch eine lange, tiefe Ebene, bis man die Sonne sieht. Auch finanziell. Ich wusste, dass es nicht einfach wird als Selbstständiger, heute muss ich sogar sagen: Das ist eine Herausforderung, die schwerer ist als sie aussieht. Aber es macht auch unheimlich Spaß. Es ist etwas Eigenes. Und das ist toll.

Sie waren der Geschäftsführer der Süßwarenkette Hussel, waren deutschlandweit und darüber hinaus tätig. Wie hat Ihr Umfeld reagiert, als es erfahren hat, dass Sie Supermarkt-Besitzer werden. Wurde das als Abstieg gewertet? Haben Freunde die Nase gerümpft?

Nein, überhaupt nicht, alle haben den Hut gezogen und mir gesagt: Du hast richtig Mut.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus? Sind Sie auch im weißen Kittel im Geschäft unterwegs?

Nein, nicht im weißen Kittel. Das ist heute anders. Unsere Kleidung ist sportlicher: Hose, Hemd oder Polo Shirt. So, dass man sich auch gut bücken und die Regale einräumen kann. Wenn man, wie ich, 36 Jahre lang im Anzug gearbeitet hat, ist das höchst entspannend. Ansonsten arbeite ich sechs Tage in der Woche in meinem Markt.

Auch hinter der Kasse?

Nein, obwohl ich das auch könnte. Ich habe das Einzelhandels-Geschäft ja von der Pike auf gelernt. Anfang der 80er- Jahre bei Käfer in München. Ich bin heute im Laden unterwegs, begrüße die Kunden, beantworte Fragen, führe sie zu den Regalen. Ich bin auf den Fluren unterwegs, aber natürlich auch in meinem Büro. Auch da gibt es viel Arbeit, im Lebensmitteleinzelhandel müssen Sie sorgfältig bis hinter die Kommastelle rechnen.

Rewe ist kein Discounter. Ist der Preis für Ihre Kunden trotzdem so wichtig?

Ja, das meiste geht über den Preis. Es ist doch so: Viele Menschen sagen, dass man Lebensmittel zu einem so niedrigen Preis doch gar nicht vernünftig herstellen kann. Am Ende greifen sie aber trotzdem zu den günstigsten Produkten. Da müssen auch wir mitmachen. Aber auf der anderen Seite bieten wir in meinem Markt auch die hochwertigen, besonderen Produkte an. Wir haben zum Beispiel eine Top-Fleischtheke. Die gibt es anderswo ja oft gar nicht mehr, sondern nur abgepackte Produkte. Wir müssen auch als Supermarkt die gesamte Bandbreite abdecken. Da verschwimmen heute die Grenzen.

Wird es den Supermarkt auch künftig noch geben? Oder kaufen wir bald alles online?

Nein, dass uns nach der Online-Bestellung auch noch Drohnen aus der Luft beliefern, das glaube ich nicht. Dafür gibt es bei uns gar nicht den Platz. Den stationären Lebensmittel-Einzelhandel wird es weiter geben. Aber die großen werden immer größer werden. Als Selbstständiger müssen Sie da überdurchschnittlichen Einsatz zeigen.

Politikern wird oft die Frage gestellt, ob sie noch wissen, wie viel ein Päckchen Butter kostet, um zu sehen, wie alltagsnah sie sind. Können Sie als Chef auch noch spontan sagen, was das halbe Pfund Butter kostet?

Ja natürlich: 1,69 Euro. Von mehr als 30 Jahren hat es 1,59 gekostet – allerdings D-Mark.

Wie ist denn die Marktsituation ganz speziell in Hohenlimburg und in Elsey?

Das ist eine sehr schwierige Lage mit sehr vielen Mitbewerbern auf engem Raum. Im Moment ist ja der Aldi wegen Neubau geschlossen, das spielt uns ein bisschen was zusätzlich rein. Aber generell ist der schon herausfordernd.

Trotzdem: Hat der frühere Hussel-Chef, der so viele Filialen geführt hat, nicht wieder Lust auf Expansion? Wollen Sie noch mehr Supermärkte übernehmen?

Der eine Markt hier in Elsey fängt jetzt richtig an Spaß zu machen. Aber als Einzel-Geschäftsmann, der ich bin, können Sie höchstens noch einen zweiten Markt übernehmen. Und das wäre dann auch schon eine riesige Investitionen, die man tätigen muss. Und man muss auch vor Ort präsent sein. Mehr ginge nur, wenn Sie etwa auch die Kinder als Nachfolge mit dem Geschäft haben, die sich um die Märkte kümmern. Es wird also keine Eklöh –Kette geben, ab dem zweiten Markt wäre Schluss.

Sie sind jetzt 56 Jahre alt, werden Sie auch als Supermarkt-Leiter in den Ruhestand gehen? Oder kommt noch einmal der große berufliche Wechsel?

Nein, das hier wird meine letzte berufliche Station werden. Hier gehe ich in Ruhestand. Aber wann das sein wird, das werden wir noch sehen.

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