Nahverkehr

Warum das Fahrrad eines Hageners im Zug schwarz fährt

Viel Wirbel rund um ein Fahrradtticket, Peter Paul Blomert hat eigentlich alles richtig gemacht, doch er sollte Strafe zahlen.

Viel Wirbel rund um ein Fahrradtticket, Peter Paul Blomert hat eigentlich alles richtig gemacht, doch er sollte Strafe zahlen.

Foto: Michael Kleinrensing / WP

Hagen.  Der Hagener Peter Paul Blomert hat sich im Tarif-Dschungel des VRR verstrickt. Er muss 60 Euro zahlen, weil sein Fahrrad schwarz gefahren ist.

Während in vielen Städten über die Einführung von simplen 1-Euro-Tagestickets für den Nahverkehr diskutiert wird, hat sich ein Hagener in den Tiefen des Tarifdschungels des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR) verstrickt. Dabei hat Peter Paul Blomert, engagierte Radfahrer und Nutzer des Öffentlichen Nahverkehrs, einen Fehler im System entdeckt und wird für sein Engagement vom VRR ausdrücklich gelobt.

Radfahrer Blomert soll schwarz gefahren sein. Natürlich nicht mit seinem Fahrrad. Sondern in einem Zug des Verkehrsunternehmens Abellio. 60 Euro musste der Besitzer eines „Ticket 2000“ berappen. Der Grund: Er hatte den Geltungsbereich des Dauerfahrscheins verlassen und dann zwar für sich ein entsprechendes Zusatzticket gelöst, aber nicht für sein Fahrrad. Das hätte er aber tun müssen – so zumindest sah es der Schaffner, der ihn zur Kasse bat, und sich auch durch viele gute Worte nicht von seinem Standpunkt abbringen ließ.

Schaffner bezieht sich auf VRR-Broschüre

Dabei bezog sich der Kontrolleur auf die VRR-Broschüre „Der Tarif im Überblick“, die stolze 80 Seiten umfasst. Dort steht auf Seite 41 geschrieben: „Bei Mitnahme eines Fahrrads in den erweiterten Geltungsbereich werktags vor 19 Uhr benötigt der Ticketinhaber ein zweites Zusatz-Ticket für das Rad.“ – „Aber bitte – welcher Kunde studiert denn eine solches Werk und weiß das?“, fragt Peter Paul Blomert.

Ungeachtet der Ausführungen in der Broschüre bleibt Vielfahrer Blomert bei seinem Standpunkt. „Immer wenn für das Ticket 2000 geworben wird, ist davon die Rede, dass man kostenfrei sein Fahrrad mitnehmen soll“, sagt Blomert, „ich habe ja ein gültiges Ticket 2000 plus den Zusatzfahrschein gehabt. Warum soll ich dann plötzlich auch noch für mein Rad bezahlen müssen? Das macht gar keinen Sinn.“

Tarifbestimmungen geben Zugfahrer Recht

Um seine Sicht der Dinge zu untermauern, reist ÖPNV-Nutzer Blomert sogar bis tief in den Tarifdschungel und findet im Paragrafen 4.6 der Bestimmungen Bestätigung. Da heißt es wörtlich: „Im jeweiligen Geltungsbereich des ,Ticket 2000’ kann der Inhaber des ,Ticket 2000’ ein Fahrrad unentgeltlich mitnehmen.“ Und weiter: „Eine Geltungsbereichserweiterung für einzelne Fahrten über den originären Geltungsbereich hinaus auf die Preisstufe B bis D ist für den Inhaber eines ,Ticket 2000’ durch Kauf eines Zusatz-Tickets möglich.“

Blomert beschwert sich bei Abellio und bekommt die 60 Euro zurückerstattet. „Aber ich wette doch, dass es etliche Radfahrer gibt, die in die gleiche Falle wie ich getappt sind, 60 Euro bezahlt haben und das Geld nicht zurückgefordert haben“, so Blomert.

Verkehrsverbund entschuldigt sich bei Hagener

Immerhin: Auch der VRR gibt dem Hagener Recht. „Wir haben Herrn Blomert angeschrieben und uns bei ihm für seine Hinweise bedankt“, sagt VRR-Sprecherin Sabine Tkatzik, „mit Neuauflage zum 1. Oktober werden wir unsere Broschüre anpassen. Richtig ist: Wer den Geltungsbereich seines ,Ticket 2000’ durch ein Zusatz-Ticket erweitert, darf sein Fahrrad kostenlos mitnehmen. Herr Blomert hat also alles richtig gemacht.“

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