Handwerk

Handwerk in Hattingen begrüßt Rückkehr zum Meisterzwang

Auch die Fliesenleger kehren jetzt zum Meisterzwang zurück.

Auch die Fliesenleger kehren jetzt zum Meisterzwang zurück.

Foto: IG BAU

Hattingen.  Innungen in Hattingen freuen sich über die Rückkehr der Meisterpflicht in mehren Gewerken, in denen sie 2004 gekippt wurde. Das sind die Gründe.

Das Aufatmen im Handwerk ist nicht zu überhören. Nachdem am Montag beim „Handwerk-Spitzentreffen“ mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier die Wiedereinführung der Meisterpflicht für viele Gewerke beschlossen wurde, ist die Freude wirklich riesengroß.

„Was für ein positives Signal“, sagt Carsten Schaldach. Er ist Innungsobermeister für Elektrotechnik Ennepe-Ruhr, und Handwerkbotschafter für Hattingen. Die Fehlentwicklung seit der Abschaffung des Meisterzwanges 2004 in 53 Gewerken sei katastrophal gewesen. „So wie wir das vorausgesagt haben. Schön, dass nach 15 Jahren die Politik das endlich revidiert hat.“

Sicherheitsrelevante Gewerke waren ausgenommen

Denn die Auswirkungen seien bis heute sichtbar und wirklich schlimm für die Gesellschaft. Die damalige rot-grüne Bundesregierung wollte fördern, dass sich mehr Menschen selbstständig machen können. „Herausgekommen ist dabei, dass in vielen Bereichen die Qualität der handwerklichen Leistung abgenommen hat“, sagt Schaldach.

Aus dem politischen Bereich habe es damals immer geheißen, dass der Geselle ja der verlängerte Arm des Meisters sei. Der Meister würde meistens gar nicht mehr selbst vor Ort sein. „Aber der Meister hat für seinen Betrieb immer einen hohen Qualitätsanspruch gehabt, hat die Arbeiten kontrolliert und beste Standards gesetzt.“

Als dann der Meisterzwang für die nicht sicherheitsrelevanten Gewerke – ausgenommen waren zum Beispiel immer Elektroinstallateure oder Dachdecker – fiel, seien vor allem Meisterbetriebe mit 20 bis 25 Mitarbeitern in Schwierigkeiten geraten. Denn viele aus einem solchen Betrieb hätten sich selbstständig gemacht und Leistungen zu viel niedrigeren Preisen angeboten.

„Es hat ganze Berufsstände heruntergerissen. Vor allem haben alle, die plötzlich einen eigenen Betrieb eröffnen konnten, nicht ausgebildet. Sie durften es ja auch nicht, weil sie keinen Ausbilderschein hatten“, erklärt der Innungsmeister. Aber die Meisterbetriebe, die ausbilden, hätten natürlich auch höhere Kosten, müssten also auch aus dem Grund höhere Preise nehmen.

„Die gesamte Infrastruktur dahinter ist zusammengebrochen“

So gab es über die Jahre immer weniger Auszubildende, aber das sei nicht nur das einzige Dilemma gewesen, das entstanden sei. „Die gesamte Infrastruktur dahinter ist zusammengebrochen.“

So genehmigt der Regierungspräsident in Arnsberg nur Berufsschulklassen, die mindestens 15 Auszubildende haben. Durch das duale System in Deutschland – Ausbildung und Schule – seien solche Fachklassen dringend notwendig, um die jungen Menschen auf den zukünftigen Beruf vorzubereiten.

Von ortsnaher Ausbildung konnte keine Rede sein

„Da es aber längst nicht mehr genügend Auszubildende gab, wurde vor Jahren die Hattinger Schule für Elektriker dichtgemacht“, erklärt der Innungsmeister die Hintergründe.

Im Jahr 2017 traf es dann auch das Berufskolleg für Elektroinstallateure in Ennepetal. Auch das musste schließen. Schaldach: „Jetzt gibt es nur noch eine Schule in Witten, die Fahrten für die Auszubildenden sind unglaublich lang geworden. Viele jungen Leute haben ja noch keinen Führerschein. Von ortsnaher Ausbildung, wie wir es immer wollten, kann keine Rede mehr sein. Das Handwerk hat unglaublich gelitten.“

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