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Hattingen: Ausgangssperre und Stornierungen in Portugal

Kathleen Herdt aus Hattingen arbeitet in Lissabon in Portugal. Die Corona-Zeit bedeutet für sie viel Arbeit.

Kathleen Herdt aus Hattingen arbeitet in Lissabon in Portugal. Die Corona-Zeit bedeutet für sie viel Arbeit.

Foto: Herdt

Hattingen.  Kathleen Herdt aus Hattingen arbeitet in Lissabon für ein Online-Reisebüro. Für sie veränderte die Ausgangssperre plötzlich das Leben in Portugal

„Zu Hause bleiben“ war der Appell des portugiesischen Präsidenten, der Kathleen Herdt aus den Lautsprechern auf dem Autodach entgegen tönte. Mehrmals am Tag, manchmal sogar jede Stunde, fuhr das Auto durch Lissabon und erinnerte Kathleen und alle anderen an die strikte Quarantäne in Portugal. Ansonsten waren die Straßen leer. „Es ist alles so still hier, das ist in der Großstadt Lissabon richtig ungewohnt“, erzählt die Hattingerin.

Belebte Plätze plötzlich abgesperrt

Normalerweise ist der Platz vor ihrem Fenster sehr belebt, sogar überfüllt. Doch auf dem Corona-Höhepunkt sieht sie dort nur das rot-weiß gestreifte Flatterband an den Bänken wehen. Spazieren gehen darf man alleine zwar noch – hinsetzen ist aber verboten. „Es ist ein komischer Anblick.“

Seit Juli 2019 ist Kathleen in der portugiesischen Hauptstadt. Eigentlich hatte sie sich nach ihrem Abitur im vergangenen Jahr schon um ein Studium gekümmert, wollte dann aber nicht von einer Schule zur nächsten. Jetzt arbeitet sie als Reiseberaterin für ein Online-Reisebüro von Lissabon aus. „Es ging für mich eher darum, woanders leben zu können, als um den Job.“

Hinweise zu Verhaltensregeln an jeder Haustür

Doch in den vergangenen Monaten lebt die 19-Jährige im portugiesischen Ausnahmezustand. Soziale Distanz ist das Thema. An ihrer Haustür klebte, wie an jeder Haustür und jedem Laternenpfahl in der Stadt, ein großes Plakat. Auf portugiesisch erinnerte es die Anwohner an Abstand halten und Händewaschen. Wer rausgeht, soll Mundschutz und Handschuhe tragen. Kathleen geht seit Beginn der Quarantäne aber ohnehin fast gar nicht mehr raus. „Die Nachbarn gucken schon komisch aus ihren Fenstern, wenn ich nur den Müll rausbringe“, erzählt sie.

Ernst genommen hat sie das Virus am Anfang nicht. „Ich habe Scherze mit meinen Freunden über die Maßnahmen gemacht.“ Generell sei erst nicht viel passiert in Portugal – bis Präsident Rebelo de Sousa Mitte März die Ausgangssperre ausrief. „Das ging von 0 auf 100, auf einmal war alles abgesperrt und die Leute vorsichtig.“

Schockiert von italienischen Statistiken

Schon vor der Ansprache des Präsidenten hat Kathleen sich mit der Situation in Italien auseinandergesetzt. Denn auf einmal gab es viele Anfragen von Kunden, die ihren Urlaub stornieren wollten. Sie war geschockt von den italienischen Statistiken, erzählt sie. „Ich dachte, das passiert doch jetzt nicht wirklich auf der Welt – eine Woche später war es dann auch bei mir in Portugal.“ Es habe ein bisschen gedauert, bis sie das richtig realisiert habe.

Die Urlaube storniert die 19-Jährige von ihrer Lissaboner Wohnung aus. Der Laptop steht auf dem Schreibtisch direkt am Fußende vom Bett. „Das ist auch extra so ausgerichtet, damit ich mich nur umdrehen brauche“, erzählt sie lachend. Zehn Minuten bevor die Schicht startet, steht sie auf. Um die Anfragen der Kunden kümmert sie sich in Karo-Schlafanzughose und Pulli. Zumindest bis zur Mittagspause – dann wechselt sie zu Sportleggings und T-Shirt. „Ich vermisse aber meinen Arbeitsalltag und das Fertigmachen.“

Stornierungen im Homeoffice

Corona beschert ihr viel Arbeit: „Es ist sehr stressig, weil alle zu Hause bleiben wollen statt in den Urlaub zu fahren.“ Die Leute bekommen Panik und fragen wo ihr Geld bleibt. „Die Atmosphäre zwischen den Kunden und uns ist viel angespannter als vorher“, sagt die Hattingerin.

Trotzdem ist sie ist froh ihren Job zu haben. Die Arbeit lenkt sie immerhin ab. „Homeoffice ist zwar entspannt, aber schön würde ich es nicht nennen.“

Eigentlich wollte Kathleen bis zum Sommer in Portugal bleiben. Schon vor der Coronakrise hat sie sich aber entschieden bis Jahresende zu bleiben – weil es ihr so gut gefällt. Ihre Eltern waren am Anfang noch nicht hundertprozentig von ihrem Auslandstrip überzeugt. Seit Corona sind die Sorgen noch größer geworden, sagt die 19-Jährige. „Sie rufen fast jeden Tag an und fragen, ob alles okay ist.“ Nach Hause fahren will sie aber nicht. „Lissabon ist mein neues Zuhause und ich fühle mich wohl hier.“

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