Heimcafés

Heime prüfen Schließung ihrer Cafés für externe Gäste

Miriam Pereira (42), Pflegedienstleitung, sitzt im Seniorencafè im Haus der Diakonie in Hattingen. Hier kommen gern auch Externe und Bewohner zusammen. Das ist wegen des Mehrwertsteuersatzes jetzt ein Problem.

Miriam Pereira (42), Pflegedienstleitung, sitzt im Seniorencafè im Haus der Diakonie in Hattingen. Hier kommen gern auch Externe und Bewohner zusammen. Das ist wegen des Mehrwertsteuersatzes jetzt ein Problem.

Foto: Bastian Haumann / FUNKE Foto Services

Hattingen.  FInanzämter prüfen die Gemeinnützigkeit von Heimcafés in Hattingen. Der Umgang mit externen Gästen steht auf dem Prüfstand.

Das Emmy-Kruppke-Seniorenzentrum der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Welper bezeichnet auf der Homepage sein Opern-Café als „unser Herzstück“. Hier sollen Menschen aus dem Heim und der Umgebung in Austausch treten. Doch auch Externe hier zu bewirten, steht jetzt auf dem Prüfstand.

Denn: Cafés, die gemeinnützigen Einrichtungen angeschlossen sind, können ihre Produkte günstiger anbieten als gewöhnliche Cafés, schlagen oft nur den geminderten Mehrwertsteuersatz von sieben statt 19 Prozent auf.

Die Bewirtung Externer in Heimcafés in Hattingen ist für Finanzämter problematisch

Bewirten sie Externe, treten sie in Konkurrenz zu anderen Betrieben, die dann einen Wettbewerbsnachteil haben. Auch, weil Wohlfahrtseinrichtungen ihre für alle geöffneten Cafés nicht finanziell ausgleichen dürfen, was aktuell aber geschieht. Die Finanzbehörden betrachten diese Einrichtungen als eigenständige Geschäftsbetriebe, sobald sie externen Gästen zur Verfügung stehen.

Die Einrichtungen stehen nun vor einem Dilemma: Erhöhen sie die Preise, können sich die Bewohner Kaffee und Kuchen nicht mehr leisten. Aber nur dann wäre es möglich, die Kosten zu tragen und die Cafés auch weiterhin für externe Besucher geöffnet zu halten.

Heimleitungen sehen Schließung der Cafeterien in Hattingen für Externe skeptisch

Die Sprecherin des AWO-Bezirks, Katrin Mormann, sieht die Lösung, Cafés für auswärtige Gäste zu schließen, skeptisch – eben wegen des Begegnungsgedankens. „Eine Schließung der Cafeterien für externe Besucher ist mit dem Quartiersgedanken schwierig zu vereinen.“

Auch die Einrichtungsleiterin des Altenheims St. Josef, Elisabeth Baier, betont, wie wichtig solch ein Ort des Zusammenkommens ist. „Wenn der Besuch über ein Café auch die Einrichtung kennen lernt, nimmt das die Ängste weg. Sie sehen: Hier ist Leben.“

Werbung für Laufkundschaft machen die Einrichtungen nicht

Träger des Altenheims nahe der Innenstadt ist die Theresia-Albers-Stiftung, sie unterhält in Niederwenigern außerdem das Seniorenzentrum St. Mauritius. Die Cafeterien der Seniorenheime sind jedoch keine offenen, Werbung für Laufkundschaft machen die Einrichtungen nicht. Stiftungsdirektor Meinolf Roth erklärt die Funktion so: „Die Cafeterien dienen der sehr individuellen Möglichkeit, Nahrung aufzunehmen. Unsere Bewohner können sich je nach Mentalität entscheiden, ob sie in der Gemeinschaft essen oder lieber in ihrem Zimmer.“

Das, was dort an Speisen und Getränken ausgegeben wird, ist in den monatlichen Kosten für das Wohnen und die Betreuung schon inbegriffen. Auch Angehörige dürfen hier mit ihren Liebsten sitzen, klönen und ein Stückchen Kuchen essen. Das sei kein Problem. Erst in diesem Jahr habe es eine zweimonatige Betriebsprüfung gegeben, bei der der Umgang mit den Cafeterien nicht beanstandet wurde.

Cafés sind in erster Linie den Bewohnern und deren Angehörigen vorbehalten

Die Diakonie Mark-Ruhr, die in Hattingen zwei Einrichtungen mit Café betreibt, prüft indes ebenfalls. „Die Cafés sind in erster Linie unseren Bewohnern und deren Angehörigen vorbehalten“, erklärt Pressesprecher Fabian Tigges.

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