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Platz erlebte Schützen und ertrug eine Hitler geweihte Eiche

Restaurant Schulenburg mit davorliegendem Schützenplatz um das Jahr 1907. 

Restaurant Schulenburg mit davorliegendem Schützenplatz um das Jahr 1907. 

Foto: Stadtarchiv Hattingen

Hattingen.  Der Schützenplatz ist in Hattingen an der Schulenburg am Schulenberger Wald. Hier versammelten sich einst Schützen. Was er mit Hitler zu tun hat.

Der Schützenplatz liegt zu Füßen der Schulenburg am Schulenberger Wald – und heißt so, weil hier einst die Schützenfeste stattfanden, bei denen auch der Schützenkönig schießend sein Amt errang. Aber auch eine Hitler-Eiche pflanzten hier Hitler-Anhänger einst.

1403 – Pfingsten – gründete sich eine Schützenbruderschaft, Schützengilde genannt, zu Ehren des Stadtpatrons St. Georg. Die Schützen riefen ihre Gemeinschaft ins Leben, weil mit dem Erhalt der Rechte, eine Stadt zu befestigen, die Aufgabe verbunden war, eine verteidigungsfähige Gruppe vorzuhalten. Sie versah nämlich den Wachdienst auf den Wällen. Kurz: Die Schützen mussten im Fall der Fälle die Stadt verteidigen. An die Stadtgründung 1396 erinnert das zur 500-Jahr-Feier 1896 eingeweihte Denkmal.

Auf dem Schützenplatz in Hattingen feiern Schützen, Faschisten pflanzen eine Hitler-Eiche

Gründonnerstags zogen die Schützen nach der Messe mit Fahnen und Trommeln hin zum Platz vor dem Stadtwald, schossen auf den ausgeschnitzten Vogel auf einer Stange. Der Schützenkönig erhielt ein Feuerrohr als Preis und einen silberne Kette mit einem silbernen Vogelanhänger. Der König zog dann mit einem Triumphzug hoch zum Rathaus, um sich feiern zu lassen und dem Magistrat den Vogel zu überreichen – bis zum nächsten Mal.

Als gegen Ende des 16. Jahrhunderts Wall und Palisadenzaun als Befestigung Mauern und Stadttoren wichen, verlor auch die Schützenbruderschaft an Bedeutung für die Verteidigung der Stadt und wandelte sich zu einer sportlichen Verbindung mit Erinnerungscharakter.

Ansprachen über Not, Vaterland und Arbeit erklingen am Tag der nationalen Arbeit

Doch der Schützenplatz hat sich nicht nur als Platz von sich reden gemacht, auf dem Schützen aufliefen, schossen und feierten, sondern war auch in der Hitler-Zeit Versammlungsort, wie der Zeitung vom Dienstag, 2. Mai 1933, auf der Seite „Aus der Heimat“ zu entnehmen ist.

„Der Ehrentag des deutschen Arbeiters – Sieben- bis achttausend Männer marschierten in Hattingen und Welper. Tausende von Frauen bildeten Spalier. – Eindrucksvolle und erhebende Kundgebungen an der Horstschule und auf dem Schützenplatz vor der Schulenburg“ ist der Artikel über die Ereignisse des 1. Mai, dem „Tag der nationalen Arbeit“, betitelt. Minuziös wird geschildert, wie der Festgottesdienst auf dem Schützenplatz ablief, der um 12 Uhr begann, indem alle gemeinsam „Lobe den Herrn, den mächtigen König der Ehren“ sangen. Der evangelische und der katholische Pfarrer hielten Ansprachen über Not, Vaterland, Arbeit.

Deutschlandlied erklingt beim Einpflanzen der Hitler-Eiche

Der Kreisbetriebszellenleiter redete vom „Abgrund“, an den „das deutsche Volk in den letzten zwölf Jahren geführt worden war“. Zudem ist zu lesen, dass er seine weiteren Ausführungen dem „Führer Adolf Hitler“ widmete. Danach gab er das Zeichen zum „Einpflanzen einer jungen, dem Führer geweihten Eiche, das unter den Klängen des Deutschlandliedes vor sich ging“.

Die Hitler-Eiche ist heute nicht mehr auf dem Schützenplatz zu finden

Fazit des über eine Zeitungsseite laufenden Artikels zur Veranstaltung: „Eine Kundgebung von nicht mehr zu überbietender Wucht und Größe ging zu Ende.“ Und damit ein unrühmliches Kapitel der Hattinger Geschichte, an das sich kaum jemand erinnert, wenn er zu einer Feier oder zum Essen in der Schulenburg den Platz überquert – oder gen Stadtwald zum Spaziergang strebt.

Die Hitler-Eiche können die auf dem Schulenberg Erholung Suchenden dabei übrigens nicht mehr entdecken: „Ich habe gehört, dass die Hitler-Eiche gegen Ende des Zweiten Weltkrieges verschwunden sein soll. Bei einer Ortsbegehung habe ich jedenfalls keinen Baum ermitteln können, der aufgrund seiner Größe auf das Jahr 1933 zurückgehen könnte“, erklärt Stadtarchivar Thomas Weiß.

Idee zur Belebung des Schützenplatzes

In Zukunft würde Frank R. Hemmersbach gerne einen Weihnachtsmarkt rund und in der Schulenburg organisieren. Dann würde der Platz wieder ein Versammlungsort.

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