Bahnhof Hattingen

Hattingen: Zum Jubiläum wehen Fahnen am alten Bahnhof

Geradezu großstädtisch mutet der alte Bahnhof in Hattingen auf dieser Postkarte an. Verbindungen im Personenverkehr gab es einst auch nach Hagen und Wuppertal.

Geradezu großstädtisch mutet der alte Bahnhof in Hattingen auf dieser Postkarte an. Verbindungen im Personenverkehr gab es einst auch nach Hagen und Wuppertal.

Foto: Stadtarchiv Hattingen

Hattingen.  Das alte Bahnhofsgebäude in Hattingen wird 150 Jahre alt. Gegen Einschusslöcher in der Sandstein-Fassade kamen einst Fleischklopfer zum Einsatz.

Großer Bahnhof am alten Bahnhof: Das Sandstein-Gebäude wird 150 Jahre alt. Und wie zur Eröffnung der Bahnstrecke soll der Bahnhof ab dem morgigen Samstag wieder mit Fahnen geschmückt werden. Außerdem wird eine neue Infotafel eingeweiht.

Fahnen und Festmahl zur Eröffnung der Bahnstrecke

Am 15. Februar 1870 wurde das Empfangsgebäude eröffnet – die Zugstrecke gab es da schon seit drei Monaten. Als die ersten Züge Hattingen erreichten, wurden die Bürger gebeten, „die Häuser mit dem entsprechenden Fahnenschmuck zu versehen“. So verlautbarte der damalige Bürgermeister Friedrich Wilhelm Schumacher.

Zur Eröffnung gab es auch ein Festmahl im „Westphälischen Hofe“. Dabei wurde ordentlich geschlemmt. Auf dem Speiseplan standen unter anderem Austern, Mock-Turtle Pastete, „Häringssalat mit Meerettig und Capern-Sauce“ sowie „Puter in gelee mit Sauce à la diable“, Rehbraten, Ente, „Aal en gelée“ und vieles mehr.

Neue Infotafel und Schmuck zum Jubiläum

Mit Fahnenschmuck wird nun auch wieder der 150. Geburtstag des Bahnhofsgebäudes gefeiert. Lothar G. Stalter, der das Haus im Jahr 2000 kaufte, will es jetzt 14 Tage lang mit Hattinger Stadtfahnen schmücken und eine Infotafel am Eingangsbereich einweihen. Sein Immobilien-Büro und die Stargo Stahlhandel GmbH sind ebenso Nutzer der alten Bahnhofsräume wie die Gastronomie „Gleis 79“: „Wir lieben es einfach, hier zu sein“, sagt Stalter.

Aufwändig hatte Stalter das denkmalgeschützte Gebäude wieder in Schuss gebracht. Dabei verband er zahlreiche Erinnerungen an das Haus – von damals, als hier noch Reisende auf ihren Zug warteten. Am Stuck erkennt man noch heute die Unterschiede zwischen den Sälen für die erste und die zweite Klasse. „Die Saaldecke der ersten Klasse schmückte man aufwändig mit Stuck, den der zweiten Klasse nur mit halbrunden Verzierungen“, erklärt Stalter. Nichts mehr zu sehen ist von der Kofferaufgabe und der Eilguthalle.

Personen- und Güterverkehr über Hattingen

1874 wurde mit der mittleren Ruhrtalbahn Hattingen-Herdecke auch eine durchgehende Strecke geschaffen. 1885 folgte die Verbindung nach Wuppertal über Sprockhövel. Der Güterverkehr, einst Ursprung für die Eröffnung einer Bahnstrecke, die die Henrichshütte und zahlreiche Hattinger Zechen mit der Umgebung verband, verlor mit dem Zechensterben seine Bedeutung. Der Personenverkehr zwischen Hattingen und Hagen wurde 1971 eingestellt, nach Wuppertal acht Jahre später. Elektrisch fuhr die Ruhrtalbahn nach Essen seit 1974. Seitdem verkehrt auch die S 3 von Hattingen nach Oberhausen.

120 Jahre hatte das Sandsteinhaus als Bahnhofsgebäude gedient – zuletzt blieb die Bahnhofsgaststätte. Schon 1987 wanderte erst die Fahrkartenausgabe zur neuen Haltestelle Reschop. Dann wurde auch die Dienststelle ausgelagert. 1990 stand schließlich der Beschluss, das Gebäude zu verkaufen. Stalter schlug zehn Jahre später zu und sanierte es anderthalb Jahre lang.

Spuren der Bahnhofsgeschichte

Dabei entdeckte er die Wohnung zur ehemaligen Bahnmeisterei und im Erdgeschoss ein verstecktes Zimmer. Hinter einer Wand verborgen befand sich aber nicht mehr als ein Waschbecken mit einem tropfenden Wasserhahn.

Heute muss man ganz genau hinschauen, um die Zeugnisse der Geschichte an der Fassade zu entdecken. Einschusslöcher aus Kriegszeiten wurden zugeschmiert. Für die passende Musterung im Kitt sorgte ein Fleischklopfer, berichtet der Immobilienmakler.

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