Neanderland Biennale

"König ohne Land": Antiker Odysseus wird zum Flüchtling

Akteure zweier Nationen führen das eigens für die Biennale produzierte „König ohne Land“ auf. Freilichttheater begeistert unter blauem Himmel.

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Atemlose Stille wächst auf dem Schulhof des Immanuel-Kant-Gymnasiums; nur König Alkinoos bleibt auf der Bühne zurück, während alle anderen Figuren mit tosendem Lärm den Schauplatz längst verlassen haben. Dann setzt zögernder Applaus ein, der ruckartig anschwillt zu begeistertem Klatschen und stehenden Ovationen – das Stück „König ohne Land“, das ihm Rahmen der Neanderland Biennale in Heiligenhaus aufgeführt wurde, überzeugte das Publikum am Freitagabend restlos.

„Franche Connexion“ und „Cirque du Bout de Monde“

Die beiden Theatergruppen „Franche Connexion“ aus Carvin und „Cirque du Bout de Monde“ aus Lille ließen die Besucher gemeinsam mit Amateuren aus den beiden französischen Städten sowie aus Ratingen, Velbert und Wülfrath in das kurzweilige Stück mit seiner tiefgreifenden Thematik eintauchen, sogen sie hinein in den Strom der Problematik eines Flüchtlings, eines Königs ohne Land.

Der Fremde wirkt wie ein Störenfried

Denn während König Alkinoos ein rauschendes Fest feiert, taumelt der geflüchtete Odysseus in die Szenerie, getragen von mindestens zwei Dutzend weiteren Darstellern, die tanzen, singen und Akrobatik vorführen – angefeuert vom König, der ohne Unterlass fordert: „Essen,trinken, lachen, tanzen!“ Im Vergleich zu der dekadenten, scheinbar so völlig sorglosen Gesellschaft, wirkt der Fremde in seinen Lumpen geradezu wie ein Störenfried der zurechtgelegten Ordnung.

Die Bühne wird zum tobenden Meer

Sich noch einmal vertreiben lassen, das will Odysseus auf keinen Fall, stattdessen erzählt er seine eigene Geschichte: „In meinem Land bin ich alles“, klagt der Geflohene, „hier bin ich nichts.“ Die Gäste des Festes lauschen dem Fremden, seine Geschichte erwacht zum Leben; während die Bühne mit Wasser geflutet zum tobenden Meer wird, türmen sich die Darsteller zu einem Schiff auf, taumeln wie im Rausch von der einen zur anderen Seite. Ein Flüchtling zu sein, das bedeute, „sich verstecken, um zu überleben“, ruft Odysseus, „seine Identität zu verlieren“.

Die Botschaft kommt beim Publikum an

Durch das von lauter Musik und präsenten Schauspielern lautstark getriebene Spektakel werden immer wieder aus Neue Schaulustige angespült, die hinter den Bänken auf dem IKG-Schulhof im Strudel des Stückes versinken. Denn die Botschaft kommt an, nicht nur bei den Figuren, die sich dem Gestrandeten, dem König ohne Land, anschließen und Alkinoos letztlich als König ohne Volk zurücklassen, sondern auch beim Publikum.

Zuschauer sparen nicht mit Lob

„Kurz und prägnant“, resümiert Bettina Eßer aus Düsseldorf am Ende des knapp fünfzigminütigen Theaterstücks, „sehr zeitgemäß, super modern, das Thema wurde auf den Punkt auf die Bühne gebracht.“

Ausschließlich lobende Worte findet auch Katy Schnee: „Diese Biennale ist das Beste, was das Neanderland zu bieten hat“, findet die Künstlerin aus Erkrath. „Auch dieses Stück war wieder gigantisch. Bewundernswert, was die Darsteller sich auf der Bühne trauen.“

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