Justiz

18.901 Euro durch Konto-Phishing abgebucht

Foto: Ole Spata / dpa-tmn

Hemer/Iserlohn.  Mit Hilfe Dritter hat ein Hemeraner einen Mann aus Chemnitz bestohlen. Angeklagter war nicht die treibende Kraft.

Ein 28-jähriger Hemeraner musste sich am Mittwoch vor dem Schöffengericht in Iserlohn verantworten. Ihm wird vorgeworfen, gegen das Geldwäschegesetz verstoßen zu haben. Mit Hilfe Dritter soll der Angeklagte einem Mann aus Chemnitz 18.901 Euro durch Konto-Phishing rechtswidrig abgebucht haben.

Gleich zu Beginn der Verhandlung legte der Angeklagte ein umfassendes Geständnis ab. „Ich bin leicht beeinflussbar gewesen“, gestand der 28-Jährige. Zum Zeitpunkt der Tat habe der gelernte Anlagenmechaniker Probleme mit seinem Arbeitgeber gehabt. Ihm sei sein Gehalt nicht ausgezahlt worden, so dass er seinen Lebensunterhalt nicht mehr bezahlen konnte und in Geldnot geriet. Er habe einen Weg gesucht, um seine Schulden zu begleichen.

Einem entfernten Bekannten, den er zwei Monate zuvor kennenlernte, vertraute er seine Geldprobleme an. Daraufhin habe der Bekannte ihm Konto-Phishing vorgeschlagen. (Beim Konto-Phishing verschaffen sich Kriminelle Zugangsdaten, unter anderem durch gefälschte E-Mails und gefälschte Links, die zur Eingabe der persönlichen Passwörter auffordern Anm. d. Red.)

„Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch nicht gewusst, was das ist“, erklärte der Angeklagte. Ihm sei dann aber erklärt worden, dass das Geld von Konten anderer Leute abgebucht werde. Der Hemeraner habe nicht gewollt, dass andere Familien dadurch bestohlen werden. Ihm sei versichert worden, dass das Geld nur von Konten abgebucht werde, deren Besitzer bereits verstorben seien. Darauf ließ sich der Angeklagte ein, und überließ seine Kontozugangsdaten seinem Bekannten, damit dieser das Konto verwalten konnte.

Dritte Person aus dem Darknet wurde kontaktiert

Der Bekannte kontaktierte eine weitere Person aus dem Darknet (versteckter Teil des Internets, der unter anderem auch als Plattform für kriminelle Geschäfte genutzt wird, Anm. d. Red.), die das Geld schließlich von dem Fremdkonto abbuchte und auf dem Konto des Angeklagten „parkte“. Schließlich erhielt der Angeklagte die Aufforderung, Teile des Geldes abzubuchen, was er mit der Abbuchung von 3000 Euro in Hemer tat. Weitere 2100 Euro überwies er dem Bekannten.

Als die seltsamen Kontobewegungen auffielen, buchte die Sparkasse Chemnitz den Betrag von 13.026 Euro zurück. Richter Dr. Michael Ozimek hinterfragte, was mit dem Restbetrag geschehen sei, der nach dieser Rechnung fehlte. Der Hemeraner konnte dies nicht mit Sicherheit beantworten, erklärte jedoch, dass der „Typ aus dem Internet“ einen Teil des Geldes über Bitcoins (weltweit führende Kryptowährung beziehungsweise digitales Zahlungsmittel, Anm. d. Red.) ins Ausland schaffen wollte. Der Angeklagte zeigte sich reuevoll und entschuldigte sich dafür, dem Mann aus Chemnitz durch das Phishing einen hohen Schaden zugefügt zu haben.

Sein Verteidiger, Wolfgang Textor, bat in seinem Plädoyer um ein milderndes Urteil, da der Angeklagte geständig gewesen und aus der Geldnot heraus gehandelt habe. Die Staatsanwaltschaft forderte eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten, was unterhalb der gesetzlichen Strafdrohung eines solchen Delikts liegt. Bei der Urteilsverkündung wurde dem Angeklagten, der noch keine Vorstrafen hat, zugute geschrieben, dass er bereits zu Anfang der Verhandlung das umfangreiche Geständnis abgelegt hat. Der Richter bezeichnete ihn als „nicht treibende Kraft“. Der Angeklagte sei eine Randfigur, die aus akuter Geldnot heraus gehandelt habe. Da er dennoch einen hohen Schadensbetrag verursacht habe, fiel das Urteil auf eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung. Zudem muss der Angeklagte das restliche Geld zurückzahlen.

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