Notfallplan

Bei Stromausfall wird die Feuerwehr elektrisch

Andreas Schulte und Markus Heuel nehmen das Notstromaggregat der Feuer- und Rettungswache unter die Lupe. Bei einem Netzausfall springt es innerhalb von Sekundenbruchteilen an und versorgt die Feuerwehr mit elektrischer Energie.

Andreas Schulte und Markus Heuel nehmen das Notstromaggregat der Feuer- und Rettungswache unter die Lupe. Bei einem Netzausfall springt es innerhalb von Sekundenbruchteilen an und versorgt die Feuerwehr mit elektrischer Energie.

Foto: Reinhard Köster

Hemer.   Im Falle eines kleinen oder großen Blackouts suchen viele Menschen auch Hilfe bei den Blauröcken.

Das erste Januar-Wochenende hat Hemers Feuerwehr an zwei aufeinanderfolgenden Tagen in Atem gehalten. Auf den doppelten Wohnungsbrand an der Stephanopeler Straße am Samstag folgten am Sonntag neben zahlreichen Routine-Einsätzen noch der zweieinhalbstündige Stromausfall in großen Teilen der Stadt und parallel der Brand eines Transformators im gleichen Gebäudekomplex, in dem die ausgebrannten Wohnungen liegen.

Wenn der Strom wegbleibt, scheint dies nur auf den ersten Blick keine Angelegenheit der Feuerwehr zu sein. Aber in einem solchen Fall gehen sowohl die hauptamtliche Wache als auch die Freiwilligen Löschgruppen sofort in den Alarm-, beziehungsweise Bereitschaftsmodus über. Als am 6. Januar zwischen Becke und Sundwig schlagartig die Lichter ausgingen, liefen nicht nur bei den Stadtwerken, sondern auch bei der Feuerwehr die Telefone heiß. Allein 70 betroffene Bürger meldeten sich auf der Wache, um zu erfahren, warum der Strom weg sei und wann er wieder liefe.

Rettungswache selbst verfügt über Notstromaggregat

„Wie lange ein Ausfall voraussichtlich dauern wird, ist für uns eine ganz entscheidende Information“, erläutert Andreas Schulte, zuständiger Mann der Feuerwehr Hemer für Vorbeugenden Brandschutz, Einsatzplanung und -vorbereitung. Genau danach richtet die Feuerwehr nämlich ihre Notfallplanung aus. Denn auch wenn die technische Seite eines Blackouts die Feuerwehr im Grunde nichts angeht, so doch unter Umständen dessen Folgen. Und die wachsen mit der Dauer des Ausfalls und der Fläche und damit der Anzahl der Menschen die betroffen sind.

Am 6. Januar war die Feuerwehr- und Rettungswache selbst nicht von dem Stromausfall betroffen. Aber auch für das Gegenteil ist sie gerüstet. In einem speziellen Raum im Erdgeschoss findet sich ein großes Notstromaggregat, dass innerhalb von Sekundenbruchteilen anspringt, wenn die Netzspannung nachlässt oder nur bedrohlich schwankt. Das Aggregat, dessen Herzstück ein dieselbetriebener Lkw-Motor ist, sorgt dafür, dass jede Lampe, jedes elektrische Gerät und jede Steckdose in der Rettungswache funktioniert. Selbst die Computer und Kommunikationstechnik laufen bei einem Stromausfall reibungslos weiter, erläutert Andreas Schulte.

Aus seiner Sicht war der Ausfall am 6. Januar ein noch eher harmloser Zwischenfall. Die Rettung musste lediglich einmal ausrücken, weil in einem privaten Haushalt das Beatmungsgerät eines Pflegebedürftigen nicht lief. Bevor die Atemprobleme aber einen Transport ins Krankenhaus notwendig machten, lief der Strom wieder.

Bei verschiedenen Notlagen wird Hilfe geleistet

Wenn der Ausfall aber länger dauert, nehmen die Probleme schnell zu, gerade auch im Bereich der Krankenversorgung. Auch die heimischen Kliniken sind zwar ebenso wie die Feuerwache mit Notstromaggregaten ausgerüstet, das gilt aber nicht für alle Pflegeeinrichtungen und schon gar nicht für Privathaushalte. Doch auch in anderen Notlagen muss die Feuerwehr eingreifen, wenn der Strom wegbleibt. So kann es passieren, dass beispielsweise Menschen aus steckengebliebenen Aufzügen befreit werden müssen, wenn nicht kurzfristig ein Fachmonteur der Herstellerfirma des Lifts vor Ort sein kann. Ohne Elektrizität funktionieren auch viele Installationen nicht, die bei Feuer Schlimmeres verhüten sollen, so zum Beispiel Brandmeldeanlagen, automatische Schließsysteme und Sprinkleranlagen.

Ohne Strom kann es zum Beispiel auch dazu kommen, dass die Wasserversorgung eingeschränkt ist oder zusammenbricht. So wird zum Beispiel in Ihmert der Leitungsdruck durch elektrische Pumpen aufrecht erhalten. Für die Feuerwehr bedeutet das, bei einem Brand in diesen Bereichen vermehrt Tanklöschfahrzeuge zum Einsatzort zu beordern.

Die Gerätehäuser der Feuerwehr in den Ortsteilen werden bei einem größeren Stromausfall sofort besetzt. Dort liefern zumindest mobile Notstromaggregate Energie für Licht und Funktelefone. „Die Gerätehäuser dienen dann als Anlaufstelle für Bürger, die von dort Kontakt nach außen zu Verwandten und Freunden aufnehmen können“, erläutert Andreas Schulte.

Jeder sollte zuhause gewisse Vorkehrungen treffen

Am 6. Januar war all dies noch nicht nötig. Aber es kann schlimmer kommen. „Wir unterscheiden zwischen örtlichen Ausfällen, wie er jetzt passiert ist, lokalen Ausfällen, die das ganze Stadtgebiet betreffen oder regionalen Ausfällen“, erläutert Andreas Schulte. Einen solchen gewaltigen Blackout gab es Ende November 2005 im Münsterland und angrenzenden Gebieten, nachdem unter der Last von Schnee und Eis riesige Hochspannungsmasten zusammengebrochen waren, und 250.000 Menschen zum Teil tagelang ohne elektrische Energie auskommen mussten.

Mit einem länger andauernden lokalen oder gar regionalen Stromausfall ist die Hemeraner Feuerwehr noch nicht konfrontiert worden. „Und das wünscht sich auch keiner“, sagte Andreas Schulte. „Wir raten allerdings allen Bürgerinnen und Bürgern Vorsorge zumindest für kleine Ausfälle zu treffen.“ Dazu sollte immer ein Vorrat an Trinkwasser, haltbaren Nahrungsmitteln, Kerzen, Streichhölzer, Taschenlampen mit Batterien im Haus sein. Ebenfalls kein großer Kostenfaktor ist es, sich mit einem kleinen Gaskocher und Kartuschen auszurüsten. Hilfreich kann auch ein batteriebetriebenes Radio sein, über das man sich bei größeren Katastrophen informieren kann.

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