Bildung

Drei Monate Schule im Lockdown-Modus

Der Arbeitsplatz der Lehrer der Gesamtschule und auch der anderen weiterführenden Schulen hat sich durch die Corona-Krise verändert. Die Lehrer nehmen digital Kontakt zu den Schülern auf.

Der Arbeitsplatz der Lehrer der Gesamtschule und auch der anderen weiterführenden Schulen hat sich durch die Corona-Krise verändert. Die Lehrer nehmen digital Kontakt zu den Schülern auf.

Foto: Hendrik Schulze Zumhülsen

Hemer.  Die Schulleiter der weiterführenden Schulen schildern ihre Erfahrungen zum veränderten Lernen in der Krise.

Für die längste Zeit des vergangenen Schulhalbjahres hat sich das Lernen im Schulbetrieb radikal geändert. Von einem Tag auf den anderen, ab dem 13. März, mussten sich die Bildungseinrichtungen der Felsenmeerstadt komplett umstellen. Die Schüler durften die Klassen nicht mehr betreten, die Lehrer mussten ihre Schützlinge von der Ferne aus unterrichten. Dies hat manchmal besser, manchmal schlechter geklappt. Die Schulleiter der drei weiterführenden Schulen blicken auf die Zeit zurück.

Was Kai Hartmann, Schulleiter der Europaschule am Friedenspark, vor allem in der ersten Zeit nach dem Lockdown bemerkt hat, waren die unterschiedlichen technischen Voraussetzungen in den Haushalten. „Nur die wenigsten haben einen Heimarbeitsplatz mit einem funktionierenden Drucker“, erklärt Hartmann. Es habe eine Verschiebung gegeben vom Heim-PC hin zum Handy oder Tablet.

Päckchen mit Lernmaterial war am Anfang zu üppig

Auch die für das Lernen auf Distanz notwendige E-Mail-Adresse sei bei einigen Eltern und Schülern nicht vorhanden gewesen. „Einige Schüler mussten erst einmal ihre E-Mail einrichten“, schildert der Schulleiter der Gesamtschule. Jede Woche haben die Lehrer ein „Päckchen“ mit neuen Aufgaben verschickt, die von den Schülern bearbeitet werden sollten. Das Material konnten die Schüler auch ausgedruckt in der Schule abholen, in Einzelfällen wurden die Arbeitsblätter mit der Post geschickt.

Nach einer Erprobung der Möglichkeiten hat die Gesamtschule das Lernen auf Distanz nach den Osterferien systematisiert. Über Google-Classroom, E-Mails und der digitalen Pinnwand-Plattform Padlet fand vor allem die Kommunikation mit den Schülern statt. Die Plattform Logineo des Schulministeriums hat die Schule nicht benutzt, da das eigene System schon etabliert war.

Auch die Materialfülle wurde auf die Corona-Zeit angepasst. Heimarbeiten für 10 bis 20 Minuten sollten als „Päckchen“ an die Schüler gehen und nicht erschlagende 30-Seiten-Wochenarbeiten. „Irgendwann ist es auch gut“, sagt Hartmann. Der Rücklauf von den Schülern fiel unterschiedlich aus. Manche schickten nach kurzer Zeit ihre Aufgaben zurück, manche drückten sich vor den Aufgaben. „Den Kindern kann man das nicht ankreiden“, erklärt der Schulleiter. Oft sorge die Kontrolle durch die Eltern dafür, dass die Schüler ihre Aufgaben erledigen. Allerdings sind Eltern keine Lehrpersonen. Während des Lockdowns und auch während des nachfolgenden rollierenden Unterrichts in Kleingruppen erfolgten immer wieder Gespräche mit Eltern und Schüler – über E-Mail, Telefon oder anderer Kommunikationsmittel.

Technik kann authentische Erlebnisse nicht ersetzen

Auch die Lehrer des Woeste-Gymnasiums mussten den Lern- und Lehrbetrieb vom einen auf den anderen Tag umstellen. „Der Unterricht lief fortan ausschließlich digital über das schuleigene passwortgeschützte Materialdepot ,Woeste-Fundus’, über virtuelle Klassenzimmer wie Google Classroom oder Lo-Net sowie über Videokonferenzen“, erklärt Schulleiter Prof. Dr. Jörg Trelenberg.

Erste Rückmeldungen hatten ergeben, dass die technischen Voraussetzungen in vielen Haushalten vorhanden seien, viele Schüler und Eltern klagten vor allem zu Beginn über die zu große Menge an Aufgaben, in manchen Haushalten habe das Lernen auf Distanz zu häuslichen Stress geführt. Insgesamt bewerteten die Teilnehmer einer internen Online-Umfrage die Wirkung des E-Learning als „gar nicht mal so gering“, wie es Trelenberg in einer Mitteilung schreibt.

Während der Präsenzphasen gegen Ende des Schuljahres habe die mit vielen Regeln behaftete Situation bei den Schülern zu einer gedrückten Stimmung geführt. „Das ständige Beachten der Regeln, insbesondere das Einhalten der Abstandsregel, ist für Kinder, die sich frei bewegen möchten, unnatürlich“, so Trelenberg. Die Schüler haben sich an die Regeln des Infektionsschutz gehalten, durch das fehlende Toben in den Pausen sei es im Schulalltag wesentlich ruhiger gewesen.

Gelitten hat zudem die Kommunikation mit den Mitwirkungsgremien, Elternversammlungen fielen aus, Abstimmungsprozesse mussten digital geregelt werden. Ausflüge und Klassenfahrten fielen gänzlich aus, was, so Trelenberg, das Schulleben ärmer gemacht habe. Insgesamt sagt Trelenberg: „Bei der fachlichen Ausbildung konnte sehr viel durch digitalen Fernunterricht kompensiert werden. Vieles wird man auch noch nachholen können. Kaum nachholbar sind emotionale, psychische und soziale Reifeprozesse: Das Smartphone und der Laptop können authentische Erlebnisse und Gemeinschaftserfahrungen nicht ansatzweise ersetzen.“

Belastung der Eltern war während des Lockdowns hoch

Anne Beck, Schulleiterin der Realschule, beschreibt die Vorgänge an ihrer Schule ähnlich wie die anderen beiden Schulleiter – die Kommunikation mit Eltern und Schülern verlief über E-Mail, Telefon und andere Systeme, der Rücklauf der Schüleraufgaben verhielt sich je nach Einzelfall unterschiedlich. Für die Kommunikation genutzt hat die Schule auch den Messenger Schoolfox. Wichtig findet Beck: „Bindung ist besser als Bildung, denn Lernen kann man auch über Wikipedia.“

Sie sieht auch die Belastung der Eltern, die sich nicht nur um die Betreuung, sondern auch um die Lernprozesse ihrer Kinder kümmern mussten. Als normale Klassensituation mit modernem Unterricht bezeichnet sie auch die Zeit des Präsenzunterrichts nicht. Insgesamt sagt sie: „Die Schulgemeinde hat das gut geleistet, so dass wir ohne Blessuren durch die Zeit gekommen sind“.

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