Kinderbetreuung

Corona: Kaum Nachfrage nach Betreuung in Wetter und Herdecke

Ein ganzer Kindergarten für ein bis zwei Kinder: Der Nachwuchs bekommt momentan fast eine 1:1-Betreuung. Doch den Kleinen kann, wenn die Eltern in systemrelevanten Berufen arbeiten, auch schon mal langweilig werden, wenn die anderen Kinder zum Spielen fehlen.

Ein ganzer Kindergarten für ein bis zwei Kinder: Der Nachwuchs bekommt momentan fast eine 1:1-Betreuung. Doch den Kleinen kann, wenn die Eltern in systemrelevanten Berufen arbeiten, auch schon mal langweilig werden, wenn die anderen Kinder zum Spielen fehlen.

Foto: Jens Wolf

Wetter/Herdecke.  In den Notfallgruppen der Kindergärten gibt es fast eine 1:1-Betreuung. Den Kleinen wird dann schon mal langweilig, wenn Spielkameraden fehlen.

Beinahe von heute auf morgen mussten fast alle Kindergartenkinder zuhause bleiben. Zugleich haben seit knapp zwei Wochen Eltern ein Recht auf die Betreuung ihrer Kinder, wenn ihre Jobs in der aktuellen Krise besonders bedeutsam sind. In Wetter und Herdecke sind nahezu alle Kindergärten noch geöffnet – mit einer Kinderzahl insgesamt, die sonst in einer einzigen Gruppe zusammen unterzubringen wäre.

Susanne Gebauer vom GVS in Herdecke nennt Zahlen: Am Nacken sind acht Kinder für die Notfallgruppe gemeldet, drei werden tatsächlich betreut, in Ende sind es zwei von sieben gemeldeten Kindern, in Kirchende vier von elf, in Westende von neun und in den Brauckstücken von zweien je keines. Geschlossen ist aber nur die Kita am Vinkenberg. Bei den anderen Trägern bestätigt sich diese Tendenz: Die drei zum evangelischen Kindergartenverbund zählenden Einrichtungen in Herdecke kommen zusammen auf nicht mehr als zehn Kinder, bei der AWO in Wetter sind es in den beiden Kitas und den beiden betreuten Grundschulen ein bis drei Kinder je Einrichtung.

Zunächst konnten nur Eltern einen Betreuungsanspruch anmelden, wenn sie Beide „für die Aufrechterhaltung der kritischen Infrastruktur“ wichtig sind, also Ärzte oder Verkäufer oder bei der Feuerwehr. Nun reicht es auch, wenn nur einer von beiden Elternteilen diese Bedeutsamkeit nachweisen kann. Zu spürbar mehr Kindern in den Betreuungsgruppen hat diese Nachjustierung aber nicht geführt. „Es kam nicht die große Welle“, so Susanne Gebauer. „Einzelne Kinder mehr“ bestätigt auch Andrea Doehring von der Kindergartengemeinschaft im Kirchenkreis Hagen, aber keinen sprunghaften Anstieg.

Beim TSE in Wetter mit sechs Einrichtungen waren es in dieser Woche insgesamt unter zehn Kinder. Auch beim TSE hat es bisher keine Nachfrage für Notfallbetreuung am Wochenende gegeben. Ulrike Lettermann, Leiterin beim TSE, sieht die geringe Nachfrage als Zeichen dafür, „dass die Eltern eher eigene Lösungen, auch um sich und die Kinder zu schützen.“ Auch Ulrike Lettermann ist von ihren Teams ganz begeistert: „Alle, die jetzt in den Einrichtungen sind, haben sich freiwillig gemeldet.“

Eine Anfrage fürs Wochenende

Sie hatte zumindest eine erste Anfrage wegen einer Betreuung am Wochenende. Denn auch da soll laut Vorgabe des Landes den Eltern geholfen werden, wenn sie Beide im Gesundheitswesen arbeiten und zum Dienst eingeteilt sind. Allerdings kam diese Anfrage nicht aus Herdecke. Die Kindergartengemeinschaft zählt die meisten zu ihr gehörenden Einrichtungen in Hagen. Immerhin weiß Susanne Gebauer, dass eine Sonntagsöffnung nicht an der Bereitschaft der GVS-Betreuerinnen scheitern würde: „Wir sind jeden Tag in der Lage, ad hoc zu reagieren.“

Zwei Betreuerinnen vor Ort

Immer zwei Betreuerinnen sind in den Einrichtungen. „Wir haben feste Teams gebildet“, erklärt Andrea Doehring. Auf diese Weise müssen sich die Kinder nicht unentwegt an andere Gesichter gewöhnen. Und die Öffnung der Kita ist auch dann gewährleistet, wenn in einem Betreuerteam plötzlich ein Coronaverdacht auftauchen würde. Wer beim Kindergartenverbund in der direkten Betreuung nicht gebraucht wird, macht Homeoffice. Für die Eltern waren Infobriefe zu schreiben, Dokumentationen über die Kinder müssen auch sonst erstellt werden, Qualitätsmanagement lässt sich ebenso von zuhause aus betreiben. In der Einrichtung wird allerdings erfasst, wie viele Kinder an jedem einzelnen Tag in der Notfallbetreuung abgegeben werden. Das gehört zu der Verfügung.

Trösten ist schwierig

Die Erzieherinnen hätten Ängste wegen des Virus wie die Allgemeinheit auch, sagt Ulla Wacker. Und manche haben ein paar Ängste mehr, die mit ihrem Beruf zusammenhängen. Schließlich sei das mit dem Abstandhalten so eine Sache, weiß Andrea Doehring. „Wenn ein Kind getröstet werden muss, lässt sich das nicht machen.“ Susanne Gebauer ist jedenfalls voller „Hochachtung und Lob“ für die Mitarbeitenden, auch weil sich die Empfehlungen und Vorgaben zeitweise überschlagen hätten. „Sehr viel Disziplin und Solidarität“ bescheinigt Susanne Gebauer aber auch den Eltern. Wenn sie selbst zuhause sind, versuchten viele Mütter und Väter, auch ihre Kinder daheim zu behalten. Die Botschaft, so wenig Sozialkontakte außerhalb der Familie zu riskieren wie möglich, sei offenkundig angekommen. Auch privat tauschten die Eltern sich untereinander eher am Telefon oder per Nachrichtendiensten aus.

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