ÖPNV

365-Euro-Jahresticket würde Herne 4,4 Millionen Euro kosten

Das 365-Euro-Ticket würde nach Berechnungen der HCR zu herben Verlusten  führen.

Das 365-Euro-Ticket würde nach Berechnungen der HCR zu herben Verlusten führen.

Foto: Rainer Raffalski

Herne.  Die Idee eines 365-Euro-Jahrestickets für den ÖPNV stößt in Herne auf Widerstand. So soll der Umstieg auf Bus und Bahn trotzdem gelingen.

Zu teuer: Die Höhe des Fahrpreises steht laut dem Portal Statista an zweiter Stelle der Gründe, weshalb Bürger den Umstieg auf Bus und Bahn ablehnen. Wie wäre es also mit einem Angebot an die Herner Kunden, dass sie für ein Tagesticket nur einen Euro zahlen müssen?

Wien praktiziert dieses Modell erfolgreich; ein Jahresticket kostet dort 365 Euro. Nun hat der Düsseldorfer Oberbürgermeister die Landeshauptstadt für ein ähnliches Ticket ins Spiel gebracht. Für Herne hält Jürgen Scharmacher, Mitglied der VRR-Verbandsversammlung, die Idee eines 365-Euro-Jahrestickets vom Grundsatz her für „sehr begrüßenswert“. Aber: Finanziell sei sie untragbar. Nach Angaben der örtlichen Verkehrsbetriebe HCR würde ein solcher Tarif eine zusätzliche Deckungslücke von 4,4 Millionen Euro im städtischen Haushalt verursachen.

„Es fehlt an ausreichenden Kapazitäten“

Da die Städte und Gemeinden für den öffentlichen Nahverkehr finanziell geradestehen müssen, „sind insbesondere finanzschwache Kommen wie Herne überhaupt nicht in der Lage, die entstehenden Kosten zu schultern“, so Scharmacher. Und: Würden in der Konsequenz deutlich mehr Fahrgäste Bus und Bahn nutzen, dann fehlten Kapazitäten: Es gebe weder ausreichend Busse noch genügend Personal.

Für den HCR sei es daher wichtig, die richtige Reihenfolge einzuhalten: Man brauche erst einmal einen „gut ausgebauten ÖPNV als eine wichtige Voraussetzung für das Gelingen der Verkehrswende“. Sonst könnte eine an sich gute Idee schnell ins Gegenteil umschlagen. „Also erst der Auf- und Ausbau der erforderlichen Infrastruktur und die dazugehörige Finanzierung des ÖPNV und schließlich die Reduzierung der Ticketpreise“, meint Scharmacher.

VRR: Keine Insellösungen schaffen

Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr, dem neben dem HCR auch die Bogestra gehört, weist darauf hin, dass ein 1-Euro-Ticket eine Preissenkung von rund 80 Prozent bedeuten würde. Beim Wiener Modell habe seinerzeit die Preissenkung nur 20 Prozent ausgemacht. Würde der Verkehrsverbund in seinem gesamten Gebiet einen solchen preiswerten Tarif anbieten, kämen 450 Millionen Euro Verlust auf ihn zu, hat VRR-Vorstand José Luis Castrillo erklärt. Auch Überlegungen, ein solches Ticket nur für eine Kommune anzubieten, seien für den Raum Rhein-Ruhr mit vielen Städten ein fatales Signal und „würden insbesondere für Pendlerverkehre zwischen Stadt und Region falsche Anreize setzen.“

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