Poetry Slam

Anonyme Synonymiker geben in Herne gelungenen Einstand

Gastgeber DerBenno (rechts) bei der Veranstaltung „Anonyme Synonymiker“.

Gastgeber DerBenno (rechts) bei der Veranstaltung „Anonyme Synonymiker“.

Foto: Klaus Pollkläsener / FUNKE Foto Services

Herne.  In der Flottmann-Kneipe lernte das Publikum am Sonntag die Anonymen Synonymiker kennen. Was diese wie zu sagen hatten.

Eine bis dato unter dem Radar geflogene Strömung von Dichtern der Jetzt-Zeit hat sich fast unbemerkt in die Reihen hiesiger Slam-Poeten gemischt und spielt feinsinnig mit Bedeutungsgleichheit, um doch anders dasselbe zu sagen. Wer kennt sie, wer hat sie gesehen? Obacht ist geboten beim Zusammentreffen der „Anonymen Synonymiker“ und deren Premiere am vergangenen Sonntag in der Flottmann-Kneipe. Und wo so mancher Abkömmling der Zunft in den Charts als Rapper Welle macht und sein sprachliches Unvermögen von kreischenden Fans zum Maß erheben lässt, geht es hier ruhiger, fast besinnlich zu.

Überschaubares Publikum mit offenen Ohren

Aller Anfang ist schwer und so sehen sich die vornehmlich jungen Poeten in der Flottmann-Kneipe einem zwar überschaubaren, doch einem Publikum mit offenen Ohren gegenüber. Jeder Zuschauer war aufgerufen, ein eigenes Synonym mitzubringen, welches in einen Text eingeflochten werden sollte, erklärt Gastgeber DerBenno die Idee. Was auf dem Papier nach guter Unterhaltung klingt, ist vor Ort dann doch schnell vom Tisch gewischt, da sich die Beteiligung der Besucher in Grenzen hält. Der gemütlichen Wohnzimmer-Atmosphäre, in der Mastermind DerBenno aus seinem Tagebuch mit dem liebevollen Namen Gudrun vorträgt, tut dies kein Abbruch. Der dort vermerkte Rat des Bruders, doch einfach ein Kochrezept vorzutragen, wird zu lyrischer Pamperei aus Wortwitz und lehrreichem Nachgeschmack.

Mit feinem Gestus und erhobenem Papier dirigiert anschließend Vanessa Kersten aus Dortmund ihre Liebesbekundung einer Vegetarierin an den Fisch und erzählt von Erinnerungen aus Kindheitstagen, nahe dem Meer. Justus aus Bochum hat den Kopf überall, nur nicht da, wo er gebraucht wird und so raucht und qualmt es im Oberstübchen des jungen Dichters, der sich in den fünf Phasen einer Schaffenskrise verliert, um doch am Ende einen Etappensieg feiern zu können. Zwischendurch wuselt Hündin Lulu zwischen den angetanen Besuchern und Dichtern umher, scheinbar völlig unbeeindruckt vom einsetzenden Applaus.

Sehnsucht nach mehr Lametta

Mit dem Herzen des Ruhrpotts auf der Zunge sehnt sich Vika Amena aus Gelsenkirchen nach Zeiten voll Lametta zurück, von dem es damals viel mehr gab, und nimmt die beste Freundin bei der Hand. Beide finden sich auf von Bier verklebten Böden abgeranzter Szenekneipen wieder, in denen noch geraucht wurde und Krawall und Remmidemmi durch die stickige Luft schallten.

Zu guter Letzt nimmt Ralph Beyer die Liebe, aber vor allem ihre Schein-Göttinnen aufs Korn, dass das Lachen nur so aus den Besuchern herausbricht. Zügellos lässt der Wuppertaler seinen Mordfantasien während eines beschaulichen Waldspaziergangs freien Lauf und erntet dafür tosenden Applaus. Deutlich schwermütiger zeigen sich die Texte des Quintetts in der zweiten Hälfte, die im Klavierspiel von Justus ausklingen und den Abend als gelungene kleine Melodie enden lassen.

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