Bündnis Herne

Bündnis Herne will mit langem Atem gegen Rechts kämpfen

Hunderte Menschen protestieren seit August Woche für Woche auf dem Robert-Brauner-Platz (Bild) und vor der Kreuzkirche gegen die „Spaziergänge“ der sogenannten „besorgten Bürger“.

Hunderte Menschen protestieren seit August Woche für Woche auf dem Robert-Brauner-Platz (Bild) und vor der Kreuzkirche gegen die „Spaziergänge“ der sogenannten „besorgten Bürger“.

Foto: Rainer Raffalski / Funke Foto Services GmbH

Herne.  Das „Bündnis Herne“ stellt sich weiter gegen Rechts: Wie die bisherige Bilanz ausfällt, wie es weitergeht und wo es keinen Konsens gibt.

Das Bündnis Herne geht weiter gegen das „Aufmarschieren rechtsextremistischer Gruppierungen“ auf die Straße und besetzt Plätze. An diesem Dienstag, am Dienstag darauf und an allen Tagen, an denen die sogenannten „besorgten Bürger“ durch Herne laufen werden. Diese Ansage machen drei Mitglieder des gesellschaftlichen Bündnisses im Gespräch mit der WAZ. Und warum die bisherige Bilanz durchweg positiv ausfällt.

Hunderte Menschen versammeln sich seit sechs Wochen vor der Kreuzkirche und auf dem Robert-Brauner-Platz, um ein Zeichen gegen Rechts zu setzen. „Die Bandbreite der Teilnehmer ist sehr groß“, sagt Heinz Otlips vom katholischen Dekanat Emschertal. Mitglieder von Parteien, Vereinen, Kirchen und Institutionen sowie Einzelpersonen gehörten dazu, berichten Sandra Grande vom Kulturell-Alternativen Zentrum (KAZ) und der freie Journalist und Autor Wolfgang Berke.

Geschäftsleute hängen aus Angst keine Plakate auf

Gerade in der vergangenen Woche habe es starke Signale gegeben. Die Appelle der Vorsitzenden der großen Sportvereine HTC und Herner EV zählen sie ebenso dazu wie die Beiträge des evangelischen Superintendenten und des katholischen Stadtdechanten beim ökumenischen Gottesdienst vor der Kreuzkirche. Und nicht zuletzt freuen sich die Organisatoren darüber, dass auf Initiative des Integrationsrates zahlreiche Migranten erstmals auf den Robert-Brauner-Platz gekommen sind.

Für das Bündnis Herne stand und steht außer Frage, dass die „besorgten Bürger“ keine besorgten Bürger sind, sondern es sich zum allergrößten Teil um Leute aus der rechten Szene handelt, wie sie auch in anderen Städten zunehmend zu „Spaziergängen“ einladen. Es sei denn auch kein Zufall oder Ausreißer, wenn „besorgte Bürger“ in Herne Unterstützung von vorbestrafte Neonazis und von den vom Verfassungsschutz beobachtete „Steeler Jungs“ erhielten oder wenn „Heil Hitler“ gerufen werde, so das Bündnis. Aussagekräftig sei auch die Reaktion einiger Geschäftsleuten auf der Bahnhofstraße: „Sie wollten aus Angst unsere Plakate nicht im Schaufenster aufhängen“, so Sandra Grande.

Vorwurf: Die Rechten suchen Sündenböcke

Konkrete Argumente würden von den Rechten nicht angeführt. „Sie ignorieren Zahlen und Fakten“, sagt Grande. Stattdessen mit Geflüchteten und Migranten eine Gruppe definiert, so Heinz Otlips, der alle Probleme zugeschoben würden und die als Sündenböcke herhalten müsse. Nach diesem Prinzip hätten auch die Nazis ab 1933 in Deutschland schon einmal Angst und Schrecken verbreitet. Nicht nur durch Präsenz, sondern auch durch Aufklärung will sich das Bündnis Herne dem entgegen stellen. So wurden beim Gegenprotest Flyer zum Thema Ausländerkriminalität oder zum rechtsextremistischen Hintergrund einzelner „besorgter Bürger“ verteilt.

Die „solidarische Gemeinschaft“ (Otlips) ist sich aber nicht in allen Punkten einig. „Es gibt kein geschlossenes Meinungsbild über die Form des Protests“, sagt Wolfgang Berke. Einigen Teilnehmern reicht es nicht, auf dem Robert-Brauner-Platz Flagge – laut Berke der „kleinste gemeinsame Nenner“ - zu zeigen: Sie suchen zunehmend eine Art kreative Konfrontation, um zu stören. So wie in der vergangenen Woche, als „besorgte Bürger“ an mehreren Stellen mit aufgespannten bunten Schirmen und der Anti-Nazi-Hymne „Schrei nach Liebe“ empfangen wurden.

Neben der großen Resonanz verbucht das Bündnis weitere Erfolge für sich. Trafen sich „besorgte Bürger“ zu Beginn noch vor der Kreuzkirche, um von dort öffentlichkeitswirksam durch die Fußgängerzone zu laufen, so seien sie durch den ökumenischen Gottesdienst sowie die Versammlung auf dem Robert-Brauner-Platz an den Rand gedrängt worden. Und in der vergangenen Woche war nach einem Veto von Netto die Filiale an der Von-der-Heydt-Straße nicht mehr Ziel- oder Startpunkt des „Spaziergangs“ gewesen.

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