Comedy

Comedian Torsten Sträter rockt in Herne das Kulturzentrum

Torsten Sträter im Kulturzentrum bei der Vorpremiere zu „Schnee, der auf Ceran fällt“.

Torsten Sträter im Kulturzentrum bei der Vorpremiere zu „Schnee, der auf Ceran fällt“.

Foto: Klaus Pollkläsener / FUNKE Foto Services

„Schnee, der auf Ceran fällt“ heißt sein neues Programm. Und wer die Vorpremiere im Kuz gesehen hat, weiß: Torsten Sträter kann es einfach.

Selbst ist der bärtige Mann mit Beanie auf dem Kopf und zwar so sehr, dass von einer Bühnenfigur „Torsten Sträter“ kaum die Rede sein kann. Mit seinem neuen Programm „Schnee, der auf Ceran fällt“ steht der Dortmunder Kabarettist zwischen den Fronten. Als liebevoller Vater und aufmüpfiger Gegner des Systems, zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt.

Was Torsten Sträter am Sonntag im Kulturzentrum als Wanderer zwischen den Welten ablieferte, war ganz großes Kino. Und hier bleibt es nicht beim „was“, sondern das „wie“ ist mitunter entscheidend für das eigentlich permanente Lachen, das im ausverkauften Saal schwingt und sich nur schwer unter Kontrolle bringen lässt. Es sind die Worte eines Mannes, der weiß, was Maloche bedeutet, mit dem Feinsinn eines Dichters in Stellung gebracht.

Kein Thema ist ihm zu heikel

Ob Jahre der schweren Depression und Unmengen bitterer Pillen oder das langsame Entschwinden seines Sohnes ins Erwachsenenalter: Kein Thema ist ihm zu heikel oder zu ernst, um nicht mit einem lachenden und weinenden Auge zugleich betrachtet zu werden. Der Mann spricht, als sei das Leben das normalste auf der Welt, klar und frei von jeglicher Affektiertheit, was im Publikum begeisterten Applaus hervorruft.

So erlebt selbst die scheinbar biedere Wurst, die in Sudkesseln abgelegener Tankstellen vor sich hin schwimmt, einen Leberhaken, der es in sich hat, ehe die Frage im Raum steht, was wir eigentlich über uns selbst wissen. Anfangs bodenständige Gedankenexperimente lösen sich in Torsten Sträters Redefluss immer weiter von der Realität und formen herrlich absurde Szenarien, in denen plötzlich die Welt Kopf steht und ein Entrinnen aussichtslos erscheint.

Die Rolle des tragischen Helden steht Sträter

Da tut einem die Dame von der Versicherung fast Leid, der am anderen Ende der Leitung ihre Wahrheiten mit neckischer Konfrontationslust entlockt werden wollen. Das letzte Wort ist hier noch nicht gesprochen, doch das Ende vom Lied spielt im Gerichtssaal, wo der vermeintlich geschädigte Sträter den Takt angibt und zu einem Plädoyer der Extraklasse ausholt, welches jedoch schon im Ansatz zum Scheitern verurteilt ist. Die Rolle des tragischen Helden steht diesem Künstler perfekt, ist sie doch keine aufgetragene Fassade, vielmehr einzige Konsequenz, wenn das Herz nun mal auf der Zunge liegt.

Doch ein Held wäre keiner, wenn nicht zum Schluss wenigstens ein kleiner Sieg gegen die Mächte des Bösen davongetragen werden könnte. In der Tat kommen die Pointen seiner Geschichten so unverhofft und entpuppen sich doch als Zünglein an der Waage, die den Frieden in Torsten Sträters Welt wieder herstellen, ehe das nächste Fettnäpfchen übersehen wird.

Am neuen Programm wird noch gefeilt

Der Abend sei als Testlauf für sein neues Programm zu sehen, an welchem noch gefeilt würde, versichert Torsten Sträter und gibt Einblicke in seinen Schaffensprozess, an dem er seine Gäste nur allzu gerne teilhaben lässt. Erst spät am Abend verhallt hier der letzte Lacher über ein Stück Wahrheit, die wirklich nicht immer mit lähmender Ernsthaftigkeit ertragen werden muss.

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