Europa

Europa steht in zwei Herner Schulen auf dem Stundenplan

Die spanische Studentin Sandra Carrasco Alvarez bringt den Kindern der Europaschule spanische Begriffe bei.

Die spanische Studentin Sandra Carrasco Alvarez bringt den Kindern der Europaschule spanische Begriffe bei.

Foto: Klaus Pollkläsener / FUNKE Foto Services

Herne.  In Herne heißen zwei Schulen „Europaschule“: die Grundschule an der Königstraße und das Mulvany-Berufskolleg. Wie sie den Europagedanken pflegen.

Die Bilder von schneeverhangenen Bergen in Spanien lassen Lilly, Lara und Sonja staunen. Mit dem Land bringen die drei Grundschülerinnen eigentlich nur Sonne in Verbindung. Weitere Aufnahmen sorgen bei den Kindern für weitere überraschende Momente, bekommen sie doch viele festliche Umzüge zu sehen, wie sie sie hierzulande überhaupt nicht kennen. Mitgebracht hat die Bilder aus ihrem Heimatland Sandra Carrasco Alvarez (22), die an diesem Morgen in der Europaschule Königstraße zu Gast ist.

Die spanische Studentin absolviert ein Auslandsjahr an der Ruhr-Uni Bochum und hat im Zuge des Programms „Europa macht Schule“ ein Projekt aufgelegt, das Kindern den Alltag auf der iberischen Halbinsel näher bringen soll. „Unser Anliegen besteht darin, den Schülern die Vielfalt des europäischen Kontinents zu vermitteln“, sagt Schulleiterin Gabriele Schlemminger, „so wie wir es auch in unseren Zielen formuliert haben“.

„Europaschule“ seit acht Jahren

Seit 2011 trägt die Einrichtung an der Königstraße den Titel „Europaschule“ und sie macht mit ihrem Programm dem Namen alle Ehre. So war die spanische Studentin nicht nur an einem Tag zu Besuch, sondern hat im Laufe einer ganzen Woche mit den Kindern Landesspezialitäten wie Paella oder Tortilla zubereitet, Grundbegriffe aus dem reichen Wortschatz besprochen oder gezeigt, dass die Spanier Ostern und Karneval aufwendig feiern.

Kinder, die an der Königsstraße die Schulbank drücken, haben zudem die Möglichkeit, die Sprach- AGs Französisch und Griechisch zu wählen oder sich an einer „Arbeitsgemeinschaft Europa“ zu beteiligen. „Die Kinder lernen hier Sehenswürdigkeiten des Kontinents ebenso kennen wie die verschiedenen Währungen“, sagt Lehrerin und Europakoordinatorin Sandra Ballard (41).

Unterschiedliche kulturelle Traditionen werden ebenso behandelt wie sportliche Ereignisse, unter anderem geht es auch gerne um den Fußball. In wenigen Wochen heißt es für Schüler der vierten Klassen, Koffer zu packen, denn sie besuchen Hernes französische Partnerstadt Hénin-Beaumont. „Schüleraustausch in der vierten Jahrgangsstufe mit zwei Schulen in Frankreich gehört zum festen Programm“, erläutert die Koordinatorin.

Damit hat die Schule eine wichtige Gemeinsamkeit mit dem Mulvany-Berufskolleg, das seit rund zehn Jahren ebenfalls zu den Europaschulen in NRW gehört. Auch dort machen sich Jahr für Jahr Jugendliche auf den Weg, um Partnerschulen in Tschechien und Polen zu besuchen und zugleich sind auch junge Leute von dort in Herne willkommen.

Das Alltagsleben im Fokus

Der Austausch hat keinen touristischen Charakter, vielmehr befassen sich die jungen Leute mit dem Alltagsleben, aktuellen politischen Themen oder auch der Geschichte Europas, berichtet Abteilungsleiter Christopher Wulff (53). Als sich die Schule am Westring um die Auszeichnung bewarb, „waren wir das erste Berufskolleg in Nordrhein-Westfalen“, so der Pädagoge.

Bis dahin handelte es sich vorwiegend um Gymnasien, die das Prädikat trugen. „Doch gerade im beruflichen Bildungswesen sollten sich Jugendliche mit dem Europagedanken auseinandersetzen“, unterstreicht Wulff, „um den eigenen Horizont zu erweitern“.

Als sich vor kurzem regionale Vertreter von fünf Parteien den Fragen von Schülern zur Europawahl stellten, war der Großteil der Jugendlichen sehr zufrieden, dass ihnen die Diskussion Orientierung für die eigene Wahlentscheidung geliefert habe, berichtet Lehrerin Kathrin Wagner (36). Das habe eine anschließende Umfrage ergeben. Den Schülern sei es gelungen, dass die Vertreter von SPD, CDU, FDP, Grüne und Linke auf manche Floskeln verzichtet und stattdessen sehr konkret über Probleme bei der Digitalisierung, in der Flüchtlingspolitik oder auf dem Arbeitsmarkt gesprochen hätten.

Foren im Kulturcafé

Das schuleigene Kulturcafé setzt indes auf Information, lädt zu Foren mit der Frage ein „Warum EU?“ oder hat Matthias Kneip zu Gast, Autor des hintergründigen Buches „111 Gründe Polen zu lieben“. Jugendliche, die das Fach- oder Vollabi anstreben, können am Berufskolleg einen Europakurs belegen, wenn sie sich eingehend mit den Organen der Europäischen Union oder Grundwerten der Gemeinschaft befassen wollen. Es handele sich um ein Wahlfach, sagt Meike Dickamp, die stellvertretende Schulleiterin.

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