Energie

Für digitale Stromzähler fehlen noch wichtige Module

Projektleiter Sven Jankowski zeigt eine digitale Messeinrichtung, wie sie in den Haushalten zum Einsatz kommt.

Projektleiter Sven Jankowski zeigt eine digitale Messeinrichtung, wie sie in den Haushalten zum Einsatz kommt.

Foto: Rainer Raffalski

Herne.  Damit sich mit den Messgeräten Energie regulieren und sparen lässt, sind zusätzliche Bauteile notwendig. Doch da haben sich Probleme aufgetan.

Da springt plötzlich die voll bepackte Spülmaschine an, weil der Strompreis gerade günstig ist. Der smarte Fernseher meldet einen unerwartet erhöhten Stromverbrauch und zudem wird dem Hausbesitzer angezeigt, welche Leistung gerade seine Solaranlage erbringt. Einen umfangreichen Service sollen Stromzähler der neuen Generation dem Kunden liefern, um Kosten zu sparen und die Umwelt zu schonen. Doch wie sieht es mit dem Einbau solcher Geräte in Herner Haushalten aus? Die WAZ fragte bei den Stadtwerken nach.

Behörde fordern hohe Sicherheitsauflagen ein

Momentan können die Zähler solche Leistungen noch nicht vollbringen, erklärt der zuständige Stadtwerke-Experte Sven Jankowski, aber die Branche stehe in den Startlöchern. Wie so oft steckt der Teufel im Detail. Digitale Stromzähler sind zwar längst auf dem Markt und der heimische Energieversorger installiert sie auch nach und nach in Herner Häusern. Doch mit den Apparaturen allein ist nicht getan. Der Kunde kann lediglich Verbrauchsdaten nach Tagen, Monaten oder Jahren abrufen.

Damit man ihnen den Energieverbrauch steuern und genaue Daten über Elektrogeräte abrufen kann, bedarf es eines Zusatzmoduls. Fachleute sprechen hier von Gateway. Diese Bauteile müssen in Zeiten, in denen Hacker Jagd auf Daten machen, strenge Sicherheitsauflagen erfüllen. Bislang habe die zuständige Fachbehörde, das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, aber erst einem Modell ein Zertifikat erteilt. Der Gesetzgeber schreibt aber vor, dass es mindestens drei geben soll, damit auch eine Auswahl besteht.

Module bei den Stadtwerken beantragen

Eigentlich sollen spätestens ab Beginn des kommenden Jahres Fabrikate zur Verfügung stehen. Ob aber die verbleibende Zeit noch für entsprechende Genehmigungen reicht, lasse sich im Moment noch nicht sagen, erklärt Jankowski. Ohnehin hat der Gesetzgeber die schlaue Technik nicht für alle Haushalte vorgesehen, sondern erst einmal für solche, die im Jahr einen Mindestverbrauch von 6.000 Kilowattstunden haben. „Das sind dann beispielsweise Gewerbebetriebe“, erläutert Jankowski. Drei- oder Vier-Personen-Haushalte liegen mit ihrem Verbrauch deutlich darunter. Wer aber gerne intelligente Zähler, sprich die passenden Module, nutzen möchte, kann das dann bei den Stadtwerken beantragen. Wie teuer eine solche Lösung dann für den Kunden werde, stehe im Moment noch nicht fest, so Jankowski. Mehr als 100 Euro pro Jahr dürfen die Stadtwerke aufgrund rechtlicher Vorgaben aber ohnehin nicht nehmen. Die Kosten werden ohnehin über den Grundpreis abgerechnet, erläutert Stadtwerke-Sprecherin Angelika Kurzawa.

Stadtwerke wechseln Geräte nach und nach aus

Die Gründe, weshalb Haushalte mit geringeren Verbräuchen zunächst nicht für die „intelligenten Zähler“ vorgesehen sind, seien wirtschaftlicher Natur, erläutert Fachmann Jankowski. Untersuchungen zufolge ist der gesamte Aufwand, bundesweit nun jede Wohnung, jedes Haus mit den modernen Modulen auszustatten, viel zu hoch und der Nutzwert eines solchen Großprojektes zu gering.

Die Untersuchungen sind im Vorfeld des Gesetzes erfolgt, mit dem die Bundesregierung die Energiewende durch digitale Lösungen voranbringen will, so Jankowski. Deshalb haben die Stadtwerke auch im Februar vergangenen Jahres damit begonnen, digitale Stromzähler einzubauen. Immer dann, wenn bei den bisherigen Zählern die Eichfrist abläuft und sie ihre Gültigkeit verlieren, werden die neuen Modelle eingesetzt. Bis Jahresende sollen 14.500 der etwa 100.000 Haushalte in Herne damit ausgestattet sein. Insgesamt bleibt den Stadtwerken laut Gesetz bis 2030 Zeit, um alle Zähler auszutauschen.

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