Weltverbrauchertag

Gratis-Spiele für Smartphones können in Kostenfalle enden

Gratis-Spiele-Apps sind bei Jugendlichen völlig normal: Auch Celina Lauth, Samira Tarnowski und Anna Mensing nutzen sie.

Foto: Ralph Bodemer

Gratis-Spiele-Apps sind bei Jugendlichen völlig normal: Auch Celina Lauth, Samira Tarnowski und Anna Mensing nutzen sie. Foto: Ralph Bodemer

Herne.   Die Verbraucherzentrale Herne rückt zum Weltverbrauchertag die Tücken von Gratis-Spielen für Handys in den Fokus. Die Gefahr: eine Kostenfalle.

Smartphones - das sind längst auch ausgefeilte Spielgeräte. Gerade Jugendliche haben verschiedene Spiele-Apps installiert - bei „Hay Day“ mutieren Nutzer in der virtuellen Welt zu Farmern, die Äcker bewirtschaften oder Ställe bauen, bei „Candy Crush“ kann man Süßigkeiten sammeln. Doch die vermeintlich kostenlosen Downloads - sogenannte Free to Play-Spiele - können für die Nutzer schnell in einer Kostenfalle enden.

Darauf machen die Verbraucherzentrale und Kadesch, die Fachstelle für Suchtprävention, aus Anlass des Weltverbrauchertages an diesem Mittwoch aufmerksam. Die Tücke: Irgendwann haben die Spieler einen Punkt erreicht, an dem sie echtes Geld zahlen müssen, um schneller weiterzukommen oder ihre Spielfigur mit neuen Fähigkeiten auszustatten. Die Spanne liegt laut Verbraucherzentrale zwischen 99 Cent und happigen 99 Euro.

Spielemacher agieren äußerst geschickt

Ob und ab wann eine vermeintlich kostenlose Spiele-App ins reale Geld gehen kann, hat die Verbraucherzentrale an umsatzstarken Free to Play-Games für Android-Geräte überprüft, die im Google Play Store angeboten werden. „Unterm Strich animieren Spielemacher die Nutzer äußerst geschickt, den kostenlosen Sektor zu verlassen und den Spieleverlauf durch den Zukauf von vielerlei Elementen voranzutreiben“, so das Fazit von Veronika Hensing.

Sie warnt: „Wer sich ein Free to Play-Game auf sein Handy lädt, kommt durch geschickte Programmierungen erst richtig auf den Spieletrip und kann leicht die Kostenkontrolle verlieren.“ Hinzu komme, dass die Anbieter die Online-Statuten nicht einhalten. Nirgendwo blinke der vorgeschriebene Kaufen-Knopf auf, wenn man Elemente dazukaufen möchte.

Vom Genuss zum Rausch

Auch das Widerrufsrecht werde nicht transparent dargestellt. Darüber hinaus werde auf eine Einwilligung der Eltern beim Kauf verzichtet. Für ebenso bedenklich hält Hensing es, dass die Daten der Spiele mit sozialen Netzwerken wie Facebook oder Instagram vernetzt werden können.

Marty Werdeker vom Verein Kadesch kennt die verschiedenen Stadien, die Spieler durchleben, bis sich am Ende eine Suchterkrankung entwickelt hat. Am Anfang stehe der Genuss, der zur Gewöhnung werde, zum Rausch anwachse und in der Abhängigkeit ende. Werdeker kennt den Fall von zwei Mädchen, wie wegen ihrer exzessiven Handynutzung von ihrer Schule geflogen sind.

Kadesch nutzt verschiedene Instrumente, um Schüler und Eltern aufzuklären, doch das scheint kein einfaches Unterfangen zu sein. Werdeker berichtet von Jugendlichen, die selbst wissen, dass sie süchtig sind - es ihnen aber egal ist. Hinzu komme, dass teilweise auch Eltern süchtig nach Spiele-Apps sind.

>> WEITERE INFORMATIONEN: Tipps der Verbraucherzentrale

Die Verbraucherzentrale hat einige Tipps, um bei vermeintlichen Gratisspielen nicht in Kostenfallen zu tappen:

Vorsorgliche Voreinstellungen auf dem Handy: Damit im Eifer eines Spiels nicht spontan ein sogenannter In-App-Kauf auf dem Handy in Gang gesetzt wird, sollten kostenpflichtige App-Posten im Google Play- oder im Apple App Store mit einem Passwortschutz versehen werden. Dazu muss man im Google Play Store unter Einstellungen den Button „Authentifizierung für Käufe erforderlich“ anklicken oder im Apple App Store dem Pfad „Einstellungen“ – „Allgemein“ – „Einschränkungen“ folgen. Im Store von Apple können In-App-Käufe auf diese Weise komplett deaktiviert werden. Dies ist im Play Store nicht möglich.

Zahlung mit Prepaid-Karten: Im Handel gibt es für die Stores von Apple- und Android-Geräten Guthabenkarten, die für begrenzte Zahlungen mit einem Geldguthaben etwa in Höhe von 15 oder 25 Euro aufgeladen werden können

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