Einsatz

Herne will verschwundene Kobra notfalls mit Gas töten

Rettungs- und Notarztwagen stehen an der Bruchstraße für den Fall der Fälle bereit. Noch immer ist die ausgebrochene Kobra verschwunden.

Rettungs- und Notarztwagen stehen an der Bruchstraße für den Fall der Fälle bereit. Noch immer ist die ausgebrochene Kobra verschwunden.

Foto: Rainer Raffalski / Funke Foto Services GmbH

Herne.  Die ausgebrochene Kobra ist weiter in Freiheit. Um sie aufzustöbern, will die Stadt Herne notfalls Gas in den evakuierten Wohnhäusern einsetzen.

Die Kobra, die am Sonntag aus einer Mietwohnung in Herne-Holthausen verschwand, haben Feuerwehrleute noch nicht finden können. „Sie haben beim Durchkämmen der einzelnen Räume vom Keller bis zum Dach gute Fortschritte gemacht – allerdings ohne die Schlange zu finden“, sagte ein Stadtsprecher am Donnerstag.

Auch Experten einer Spezialfirma und der Feuerwehr Düsseldorf war es am Mittwoch nicht gelungen, das hochgiftige Tier aus ihrem Versteck zu locken. Am Freitag teilte die Stadt mit, dass die Experten aus Düsseldorf die Suche beenden.

Die Stadt prüft nun weitere Methoden, um die Schlange zu finden.

Die Stadt geht nach Worten von Stadtrat Johannes Chudziak ganz fest davon aus, dass sich die Kobra im Gebäude und mit großer Wahrscheinlichkeit im Keller des Wohnhauses an der Bruchstraße versteckt - oder in einem der Nachbarhäuser verschwunden ist; vier Gebäude sind im Untergeschoss miteinander verbunden. Nachdem die Nachbarin am Sonntag das Foto von der Schlange im Treppenhaus aufgenommen hatte, habe das Tier eigentlich keine andere Wahl gehabt, als in den Keller zu verschwinden.

Bei einer Pressekonferenz am Mittwochnachmittag im Herner Rathaus gingen Chudziak sowie der stellvertretende Feuerwehrchef Marco Diesing auf den Einsatz im Gebäude ein: Herner Feuerwehrleute und auf Reptilien spezialisierte Kollegen aus Düsseldorf suchten weiterhin die Kellerräume ab. Darüber hinaus habe sich eine Spezialfirma in dem Gebäude umgeschaut und will in den nächsten beiden Tagen Vorschläge für das weitere Vorgehen unterbreiten.

Zunächst sollen Köder ausgelegt werden

Zu den möglichen Maßnahmen werden wahrscheinlich das Auslegen von Ködern oder das Anlocken mit Hilfe von Wärmemitteln gehören, so der Stadtrat. Sollte man nicht erfolgreich sein, bleibe als letzte Möglichkeit, das Gebäude komplett einzugasen, so Chudziak. Dabei würde das Haus in Folie verpackt und 24 Stunden lang mit Gas vollgepumpt. Um aber alle Vorbereitungen zu treffen, brauche das Unternehmen rund 14 Tage. Die Firma habe aber versichert, dass eine Schlange einen solchen Gaseinsatz nicht überlebe.

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Unsere weitere Berichterstattung:

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Zur Sicherheit der Bevölkerung hat die Feuerwehr, so Diesing, sich darum gekümmert, ein Antiserum zu besorgen. Nach Recherchen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Weißrussland wisse man nun, dass ein solches Serum in der Uni-Klinik Düsseldorf vorrätig und auch vor Ort in kürzester Zeit verfügbar sein.

Aus der Wohnung in Holthausen haben Mitarbeiter der Stadt laut Chudziak zu Wochenbeginn insgesamt 22 Schlangen geholt, 20 giftige und zwei ungiftige, fünf fielen unter internationale Artenschutzabkommen und seien anzeigepflichtig. Der Eigentümer habe die Tiere freiwillig an die Stadt übergeben, so der Stadtrat. Die Schlangen befänden sich jetzt in Obhut von drei Reptilienhaltern.

Deutlich mehr Schlangen als angegeben

Als sich Mitarbeiter des Fachbereichs Ordnung am 13. Juni die Haltung der Schlangen angesehen haben, stellten sie nach Chudziaks Worten fest, dass der Eigentümer deutlich mehr Schlangen hatte als zu dem Zeitpunkt der Verwaltung bekannt. Ihr hatte er laut Verwaltung nur 13 gemeldet. Daraufhin habe der Besitzer eine Liste nachgereicht, allerdings passten die Angaben am Ende nicht mit den Anfang der Woche aufgefundenen Schlangen zusammen. Zudem habe der Holthausener offensichtlich auch Handel mit Schlangen betrieben, erklärte Chudziak.

Oberbürgermeister Frank Dudda mahnte die Bevölkerung weiterhin zu großer Wachsamkeit. Die Stadt unternehme alles, um die Schlange zu finden.

Die Sicherheit der Menschen sei derzeit das Allerwichtigste. Zugleich sprach er aber auch an, dass die gesamten Maßnahmen eine Menge Kosten verursachten. Im Gespräch mit der Umweltministerin, das er am Mittwoch führte, habe er auch angesprochen, dass eine „erhebliche Rechnung“ zu erwarten sei. Wer für die Kosten aufkomme, werde man aber erst klären, wenn das Problem beseitigt sei. Dudda forderte zudem rechtliche Änderungen. Man brauche dringend „ein Gefahrtiergesetz“. Denn es sei derzeit schwieriger einen Hund als eine Schlange zu halten.

Die Mieter des Hauses in der Bruchstraße dürfen in Kürze zurück in ihre Wohnung, um beispielsweise Kleidung oder Lebensmitteln zu holen. Wann sie endgültig wieder zurückkehren können, ist nach Auskunft der Stadt derzeit noch nicht absehbar. (mit dpa)

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