Handwerk

Herner Handwerk begrüßt 200 Auszubildende mit Feier

Azubis der Gewerke Maler, Sanitär, Metall und Tischler mit ihren Meistern in der Künstlerzeche beim „Tag des Handwerks“.

Azubis der Gewerke Maler, Sanitär, Metall und Tischler mit ihren Meistern in der Künstlerzeche beim „Tag des Handwerks“.

Foto: Klaus Pollkläsener / FUNKE Foto Services

Die Kreishandwerkerschaft Herne hat rund 200 Auszubildende mit einer Feier begrüßt. Deshalb entscheiden sich Jugendliche fürs Handwerk.

Die Kreishandwerkerschaft hat am Samstag zum fast schon traditionellen „Tag des Handwerks“ zur Künstlerzeche Unser Fritz geladen. Im Mittelpunkt stand erneut die Begrüßung der rund 200 neuen Auszubildenden. Unter ihnen war auch Leon Thermann.

Der 20-Jährige absolviert eine Ausbildung zum Elektroniker mit dem Schwerpunkt Energie- und Gebäudetechnik. „Ich habe zur Probe gearbeitet, und mir hat es Spaß gemacht“, sagt Thermann im Gespräch mit der WAZ-Redaktion. „Das Handwerk liegt mir, glaube ich. Und die Chancen auf eine Übernahme steht nach bestandener Ausbildung nicht schlecht“, so der junge Azubi. Er habe auch andere Zusagen für eine Ausbildung gehabt, diese aber abgesagt, weil ihm der Beruf des Elektronikers Spaß macht. Ein Studium sei für ihn nicht in Frage gekommen.

Auch mit Handwerksausbildung kann man später studieren

Doch auch mit einer abgeschlossenen Ausbildung, beispielsweise als Elektriker, und anschließendem Meisterlehrgang könne man noch studieren. „Der Meister ist vom Stellenwert her genauso anzusehen, wie das Fachabitur“, so Kreishandwerksmeister Hans-Joachim Drath. Dazu seien Akademiker nach ihrem Studium oftmals arbeitslos. „Das kann man vom Handwerk nicht behaupten. Und genau das haben die Jugendlichen verstanden“, schätzt Drath die aktuelle Situation ein. „Dieses Umdenken in den Köpfen der neuen Auszubildenden führt dazu, dass sich der Fachkräftemangel langfristig revidieren wird. Das Handwerk ist besser als sein Ruf.“

Diese Erfahrung hat auch Jonas Hartwig gemacht. Er macht eine Ausbildung zum Maurer im Betrieb seines Onkels. „Schon während meines Studiums habe ich in den Semesterferien im Betrieb mitgearbeitet. Irgendwann habe ich das Studium geschmissen und mache nun eine Ausbildung“, erklärt der angehende Maurer. Denn bei einer Ausbildung im Handwerk habe sich einiges in Sachen Gehalt einiges getan. Die Gehälter sind angeglichen worden. So verdient ein angehender Dachdecker tariflich zugesichert im letzten Lehrjahr etwa 1000 Euro brutto. „Denn die Auszubildenden sind die Gesellen von morgen“, meint Drath, der selbst einen eigenen Dachdeckerbetrieb führt.

In jedem Handwerksberuf gibt es noch unbesetzte Stellen

Doch nicht nur um harte, körperliche Arbeit ist es an diesem Samstagabend gegangen. So hat sich Angelique Piontkowski für eine Ausbildung zur Malerin und Lackiererin entschieden. „Es ist ein schöner Beruf, bei dem man sieht, was man macht. Hinterher ist die Wohnung bunt“, sagt die 20-Jährige grinsend. Sie habe ihren Traumberuf gefunden und könne sich vorstellen, später einmal den Meister zu machen.

Doch es ist nicht einfach, einen geeigneten Auszubilden zu finden. Das weiß Matthias Hartwig, der ein Bauunternehmen leitet. „Wir nehmen alle. Ob es nun Hauptschüler oder Abiturienten sind, ist egal. Aber es ist mir wichtig, dass die potenziellen Auszubilden vernünftiges Deutsch können. Dazu sind die vier Grundrechenarten sowie Dreisatz notwendig, um einen Platz bei uns zu bekommen“, so Hartwig weiter. Dazu sei Teamfähigkeit wichtig. „Denn die Abbrecherquote ist hoch und die Ausbildung hart“, so Hartwig weiter. Ihm sei bewusst, dass es sich bei diesem Beruf um einen körperlich anstrengenden handelt, auch wenn inzwischen Bagger oder Kräne das Graben oder Schleppen von Mörtel erleichtern. Sein Geselle, Jörg Siedat, der seit 1977 im Betrieb arbeitet, spaßt: „Jetzt muss man ja bis zur Rente.“ Denn in jedem Handwerksberuf sind laut Drath noch unbesetzte Stellen.

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