Tierschutz

Herner Tierheim warnt vor Kauf von Hunden aus dem Ausland

Ein Straßenhund in Pitesti (Rumänien).

Ein Straßenhund in Pitesti (Rumänien).

Foto: dpa Picture-Alliance / Jens Kalaene

Herne.  Zahlreiche Tierschutzorganisationen vermitteln Hunde aus dem Ausland. Das Herner Tierheim kennt die Gefahren, die mit dem Kauf verbunden sind.

Auf den Bildern im Netz sehen die Hunde so süß, schnuckelig und drollig aus. Der Anblick lässt manches Familienmitglied dahinschmelzen und wenn es dann noch liest, dass für solche Vierbeiner aus dem Ausland eine Pflege gesucht wird, dauert es nicht lange, bis ein Tier gekauft wird. Doch Vorsicht sei geboten, sagt Wolfgang Scheibel, Sprecher des Herner Tierheims, und er weiß, wovon er spricht. Ein oder zwei Mal pro Woche „melden sich bei uns Bürger, die mit dem Hund nicht klarkommen“. Manchmal sind auch Familien darunter, die Leo, Idefix, Bello und Co. direkt aus dem Urlaub mitgebracht haben.

Hunde haben bisher auf der Straße gelebt

Weshalb das, was gut gemeint ist, dann doch scheitert, erklärt Scheibel ganz plastisch: „Man muss sich mal einem Beispiel vor Augen führen, wie es um die Hunde bestellt ist. Die haben in einem Land wie Rumänien oder Portugal bislang nur auf der Straße gelebt, Haus oder Familie sind denen vollkommen fremd.“ Daher sei es enorm schwierig zu erreichen, dass die Vierbeiner stubenrein werden, so der Sprecher. Unter Umständen würden sie auch immer wieder ausbüxen oder das Mobiliar beschädigen. Nach Erfahrungen des Sprechers versuchen die Familien meist über einen längeren Zeitraum, den Hund an das neue Zuhause zu gewöhnen. Doch auch Besitzer, die mit viel Geduld die Aufgabe zu bewältigen suchen, „geben entnervt auf“.

Freude über das Tier schlägt in Angst und Sorge um

Tierärztin Heike Möllmann nennt noch einen weiteren, wichtigen Grund, sich den Kauf eines Hundes aus dem Ausland gut zu überlegen. „Die Tiere haben zwar Papiere, mit denen die Tollwutimpfung nachgewiesen wird, und sind auch im Heimatland gesundheitlich getestet, aber das alles muss noch lange nichts heißen.“ Denn unter Umständen hat sich der Vierbeiner noch kurz vor der Ausreise mit einer der gefährlichen Mittelmeerkrankheiten infiziert. Diese können lebensbedrohlich sein. Möglicherweise leide das Tier auch noch unter anderen Erkrankungen wie Staupe oder Darmparasiten, die bei dem Check vor dem Grenzübertritt überhaupt nicht entdeckt worden seien. Abgesehen davon, dass die Freude über ein Tier dann in Angst und Sorge um dessen Gesundheit umschlage, kommen, so Möllmann, auf Familien enorme finanzielle Kosten für die tiermedizinische Behandlung zu. Darüber hinaus bedenken, wie Möllmann weiter erläutert, die Hundeliebhaber nicht, dass nach dem Kauf des Hundes hierzulande weitere Untersuchungen anstehen, die man ebenso bezahlen müsse.

Tierheim versucht, Ratsuchenden zu helfen

Schalten Familien das Tierheim ein, sei natürlich die erste Frage, ob die Einrichtung in Wanne den Hund nehmen könne, berichtet Sprecher Scheibel. „Aber mit einer Kapazität von 24 Plätzen für Vierbeiner sind unsere Möglichkeiten begrenzt“, erklärt das Vorstandsmitglied, zumal die meisten davon auch schon in Anspruch genommen werden. Natürlich lasse man die Ratsuchenden mit ihren Schicksal nicht allein, sondern versuche, ihnen zu helfen. So werden Kontakte zu anderen Heimen oder Organisationen vermittelt.

Schwierige Suche nach seriösen Organisationen

Der Handel mit Hunden sei ohnehin ein sehr problematisches Feld, betont Tierärztin Möllmann. Es gebe unzählige Tierschutzorganisationen, von denen viele einfach nur Geld machen wollten. Bedauerlich sei es, dass man keine Empfehlungen geben könne, wie sich seriöse von unseriösen unterscheiden lassen, so die Veterinärmedizinerin. Bewertungen im Internet können eine Hilfe sein, erklärt sie. Die Form der Werbung stellt ebenfalls ein Kriterium dar. Vereine, die allzu „aggressiv“ auftreten und massiv auf die Mitleidsschiene setzen, sollten bedenklich stimmen.

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