Serie Powerfrauen

Hernerin Martina Dietrich managt Unternehmen und Familie

Martina Dietrich in ihrem Büro. Ihr Unternehmen liegt an der Castroper Straße.

Martina Dietrich in ihrem Büro. Ihr Unternehmen liegt an der Castroper Straße.

Foto: Foto: Toms Mutulis / Funke Foto Services

Herne.  Seit 24 Jahren vermittelt Martina Dietrich Apartments an Berufsreisende. Welche Herausforderung sie als Gründerin und Mutter meistern musste.

Über dem Schreibtisch eingeschlafen, sei Martina Dietrich immer wieder, als sie damals vor 24 Jahren ihre Apartmentvermittlung „Zimmer im Revier“ gründete. Heute hat sie 15 Mitarbeiter. Ihre Idee: Eine Apartmentvermittlung im Ruhrgebiet schaffen, die die persönlichen Wünsche der Kunden und Vermieter berücksichtigt. In einer zwei Quadratmeter großen Kammer, abgetrennt vom heimischen Wohnzimmer in Herne, baute die 52-Jährige das Geschäft langsam aber sicher auf.

Sie inserierte in der Zeitung und fand so ihre ersten Vermieter. „Die ersten zwei Jahre war ich allein, bevor ich meine ersten Angestellten beschäftigen konnte“, sagt Martina Dietrich. Das Geld war knapp. Ihr Mann studierte Medizin und hatte schlicht keine Zeit sie zu unterstützen. In der Gründungsphase hat die Unternehmerin zwei Kinder bekommen, die inzwischen erwachsen sind. „Ohne Tageseltern hätte ich das alles nicht geschafft“, sagt Martina Dietrich heute.

Verabredungen sagte sie jahrelang ab

Dass sie selbstständig sein wollte, stand schon lange fest, denn auch ihre Familie hatte eine eigene Firma. Familie und die Selbstständigkeit unter einen Hut zu kriegen, sei nicht leicht gewesen: „Jahre lang hatte ich kein soziales Leben, habe Verabredungen abgesagt, weil ich einfach zu müde war.“ Dass es so wenige Unternehmerinnen gibt, liege daran, dass Selbstständigkeit und Kindererziehung nur schwer miteinander vereinbar seien. Vor allem wenn das Unternehmen noch nicht auf sicheren Beinen steht. Gleichgesinnte fand Martina Dietrich damals bei Treffen für Gründerinnen und Unternehmerinnen. „Um als Frau erfolgreich zu sein, muss man einfach mehr leisten als ein Mann“, sagt die 52-Jährige. Man müsse kämpfen und dürfe sich nicht klein halten lassen. Mitarbeiter des Finanzamtes hätten sie in die Schublade gesteckt, dass sie ihre Unternehmen nur hobbymäßig aufbauen wolle.

Dabei meinte Martina Dietrich es ernst, wollte es schaffen. Und hat es heute geschafft. Das Team betreut 170 feste Vermieter, 350 Objekte und rund 1000 Betten im Ruhrgebiet und das von inzwischen großzügigen Räumlichkeiten an der Castroper Straße aus. Hinzu kämen rund 80 freie Vermieter unter anderem in Baden-Württemberg und Hessen. Gebucht werden die angebotenen Wohnungen, Zimmer und Apartments überwiegend von Berufsreisenden. „Viele unserer Kunden sind Montagefirmen, auch aus dem Ausland“, so Martina Dietrich. Flexibilität sei in der Baubranche essenziell, genau dies biete auch die Vermittlungsfirma. „Wie viele Leute kommen, brauchen sie Parkplätze, ist ein Schnarcher dabei? Um all diese Dinge kümmern wir uns.“

Vermieter sind oftmals Rentner

Kunden seien aber auch Touristen, Messebesucher sowie Fortbildungsteilnehmer. Die Vermieter seien oftmals Rentner, die sich mit freien Zimmern oder Wohnungen in ihrem Haus ein Zubrot verdienen wollen. „Wir schauen uns alle Wohnungen zu Beginn an und beraten die Vermieter, beispielsweise bezüglich der Einrichtung“, sagt die Unternehmerin. Airbnb sei für sie nur im geringem Maß Konkurrenz: „Wir sind einfach wendiger und haben den persönlichen Kontakt zu Kunden und Vermietern.“

Heute weiß sie, dass das Unternehmen auch eine Zeit lang ohne sie laufen würde. Früher war sie allein für den Aufbau eines Netzwerkes zuständig. Zwischendurch einmal abzuschalten sei kaum möglich gewesen. Und als ihre Kinder noch klein waren, habe sie das Gefühl gehabt, es niemanden Recht machen zu können. „Und wenn das Unternehmen irgendwann gut läuft, hat man als Frau deutlich mehr Neider, als es ein Mann hätte.“

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