Giftschlange

Kobra macht Kindern Angst: Herne stellt Verhaltensregeln auf

Die Einsatzkräfte dichten vier Häuser an der Bruchstraße ab, damit die Schlange nicht herausschlüpfen kann. Mittlerweile wurde der Straßenabschnitt gesperrt.

Die Einsatzkräfte dichten vier Häuser an der Bruchstraße ab, damit die Schlange nicht herausschlüpfen kann. Mittlerweile wurde der Straßenabschnitt gesperrt.

Foto: Theo Körner

Herne.  Die Kobra in Herne bleibt verschwunden, viele Kinder im Stadtteil haben deshalb Angst. Für Schulen und Kitas gibt es nun Verhaltensregeln.

Die Kobra bleibt auch am Tag vier nach ihrem Ausbruch aus einer Wohnung in einem Herner Mietshaus verschwunden. Unter den Menschen im Stadtteil Holthausen haben sich Sorgen breit gemacht, vor allem unter den Kindern, die nun wieder zur Schule und in die Kita unterwegs sind. Für sie gibt es mittlerweile Verhaltensregeln.

Lisa und Daniel Rak wollten die Einschulung ihres Sohnes Justin am Donnerstag in einem Schrebergarten feiern. Doch der liegt ausgerechnet an der Bruchstraße und damit an dem Ort, an dem am Sonntag die giftige Schlange verschwand. Die Verwandten habe man deshalb kurzerhand in eine Wohnung woanders eingeladen, erzählen die Eltern. Sie gehören zu der großen Schar von Familien, die sich am Donnerstagmorgen vor der Dreifaltigkeitskirche in Holthausen zum Einschulungsgottesdienst einfinden. Thema Nummer eins: die ausgebüxte Monokelkobra.

Kind hat schon von der Schlange geträumt

„Unser Sohn Vito bekommt das alles mit und man spürt schon, dass er überlegt, was das alles zu bedeuten hat“, erzählt Mutter Jennifer Falcone über den Sechsjährigen. Ulrike Holtkamp hat bei ihrem Enkelkind erlebt, „dass es mir plötzlich ängstlich erschien“ – wegen der Schlange, sei dann herausgekommen. Und Jana Hahn berichtet, dass ihre Tochter sogar schon von der Schlange geträumt habe.

„In solchen Situationen muss man versuchen, beruhigend auf Kinder einzuwirken“, sagt Marc Jansen (36). Sein Sohn Max habe viele Fragen zur Schlange gestellt, etwa, wo sie sich aufhalte und was mit ihr passiere. Ein anderer Vater sagt, dass die Grundschule den Kindern Regeln mit auf den Weg gegeben habe. Sie sollen sich von Spielplätzen fernhalten, stattdessen den Schulhof benutzen. Wie ein Sprecher der Stadt bestätigt, haben sich Mitarbeiter der Verwaltung mit der Leitung der Grundschule an der Börsinghauser Straße und des katholischen Kindergartens der Dreifaltigkeits-Gemeinde in Verbindung gesetzt und auf Vorsichtsmaßnahmen hingewiesen.

Stadt: Bürger sollen auf befestigten Wegen bleiben

An der Kirchentür können Besucher die Hinweise nachlesen, denn dort hängt nun einer der Handzettel, den die Stadt verteilt hat. Die Bevölkerung möge auf befestigten Wegen bleiben, heißt es in dem Schreiben von Ordnungsdezernent Johannes Chudziak. Hohes Gras und dichten Bewuchs sollen die Menschen meiden. Und wer die Schlange sehe, solle sich sofort bei der Stadt melden.

Einige Eltern erzählen, ihre Kinder hätten schon nachgefragt, wie man sich denn verhalte, falls die Schlange irgendwo auftauche. Zunächst einmal müsse man Ruhe bewahren und dann auf jeden Fall einen Erwachsenen verständigen, lautet die Antwort von Eltern. Marcel Dymid, Vater des Schulanfängers Oskar, gehört zu den Eltern, die es für falsch gehalten hätten, den Einschulungstermin zu verschieben. Auch diese Stimmen seien laut geworden.

Auch am Tag zuvor, am Mittwochabend, hatten sich viele Nachbarn der Bruchstraße vor dem Haus versammelt, in dem Einsatzkräfte der Feuerwehr, unterstützt von Fachleuten, die Suche nach dem Reptil fortsetzten. Von Anwohnern war zu hören, dass die Feuerwehr jetzt jede Öffnung des Gebäudes verschließe, damit die Monokelkobra aus dem Haus nicht mehr entkommen könne. Mittlerweile trafen auch weitere Feuerwehrfahrzeuge ein, und die Ordnungsbehörde sperrte den Straßenabschnitt für den Autoverkehr.

Offenbar viele Schaulustige unterwegs

Doch vorher waren noch zahlreiche Fahrzeuge unterwegs. „Auffällig viele mit Kennzeichen aus weiter entfernt liegenden Städten“, so mehrere Anwohner. Sie vermuteten, dass es sich um Schaulustige in der ansonsten sehr beschaulichen Siedlung im Osten der Stadt handelt. Ein mulmiges Gefühl überkomme ihn schon, wenn er an die Schlange denke, erzählt ein Nachbar.

Man schaue doch häufiger, ob sich das Reptil irgendwo im Gras aufhalte. Dabei überlegten die Umstehenden auch schon, wie es mit den Bewohnern sowie dem Haus überhaupt weitergehen werde und wann wieder der normale Alltag zurückkehrt.

Unsere weitere Berichterstattung zur ausgebüxten Kobra:

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