Natur

Schüler aus Herne säen und ernten im Kleingarten Op de Horst

Ab ins Beet: In der Kleingartenanlage „Op de Horst“ empfängt Franz Mikulski (hinten) seit zehn Jahren jede Woche Erstklässler der Horstschule.

Ab ins Beet: In der Kleingartenanlage „Op de Horst“ empfängt Franz Mikulski (hinten) seit zehn Jahren jede Woche Erstklässler der Horstschule.

Foto: Kerstin Buchwieser / FUNKE Foto Services

Herne.  Donnerstags bekommt Franz Mikulski in seinem Kleingarten Besuch. Kinder der Horstschule lernen bei ihm das Gärtnern. Jeder hat ein eigenes Beet.

Es kann gut sein, dass Franz Mikulski an einem Sommerabend kein Ende findet. Sagt sein Gartennachbar. Dann sei er noch um halb elf mit irgendwas beschäftigt. „Das ist ein Wahnsinnsgärtner“, sagt Claus Kalthoff. Das würden die Grundschulkinder vielleicht nicht so ausdrücken, die heute wieder im Kleingartenverein „Op de Horst“ zu Besuch sind. Doch sie spüren es auch: Franz Mikulski liebt seine 300-Quadratmeter-Scholle in Holsterhausen, und alles was darauf wächst, von der Möhre bis zum Birnbaum, vom Lollo Rosso bis zur Kirsche. Jeden Donnerstag während der Gartensaison gibt der 82-jährige etwas von seinem Wissen und seinem Enthusiasmus an die Kinder der Horstschule weiter. Einmal ist es die 1a, die nächste Woche die 1b.

Kontakt zur Schule seit zehn Jahren

„Vor zehn Jahren hat mich Frau Kampkötter angesprochen“, erinnert sich Franz Mikulski, damals noch Vorsitzender des Kleingartenvereins. „Die Lehrerin war mit einer Klasse auf dem Spielplatz. Da hab ich sie eingeladen und sie waren begeistert.“ Seitdem gehören die Schülerbesuche zum Gartenjahr wie das Säen und das Ernten.

Apropos: Bei Franz Mikulski bekommt im Garten Nr. 21 jeder Schüler und jede Schülerin ein eigenes Beet mit einem Namensschild, Anna neben Alessio, Luis neben Luke. 23 sind sie heute, plus Andrea Watza und Suzan Ufak, die Lehrerin und die Sozialpädagogin der 1B. Bevor es an die Beete geht, wird am runden Tisch vor der Laube besprochen, was ansteht. Mikulski zieht eine Pflanze aus der Erde. „Radieschen!“ „Die müsst ihr ein bisschen abklopfen, und rein in die Schale.“ Heute wird geerntet, damit wieder ein Stück Erde frei wird, für Salat und Kohlrabi. Und - Überraschung! „Vier Kinder dürfen in die Erdbeeren.“

Tipps für den Umgang mit Erdbeeren

Was dabei zu beachten ist, gibt der Gärtner der erstaunlich aufmerksamen Schar auch gleich mit. „Am Stiel abreißen, und nicht die Erdbeere abziehen, sonst blutet sie aus. Und nur die roten!“ Kurz wird wiederholt, was so alles schon gesät worden ist - Zwiebeln, Möhren, Kartoffeln, Bohnen - und was noch folgen soll - Zinnien - und los geht’s im Gänsemarsch. „Wir rennen nicht zu den Beeten“, ermahnt Franz Mikulski, der in der kommenden Stunde alles im Blick behält, erklärt und Fragen beantwortet. „Herr Mikulski, darf ich eine Erdbeere essen?“ Ist natürlich erlaubt.

Andrea Watza und Suzan Ufak, die Begleiterinnen, wissen: Hier passiert jedesmal so viel mehr als jeder Naturkunde-Unterricht vermitteln könnte. „Es wird ja auch gesprochen und erzählt.“ Das soziale Lernen werde gefördert, und vor allem: „Das macht wirklich Spaß.“ Dass der Gastgeber sich auch der „Gärtnersprache“ bedient, findet Andrea Watza gut. Selbst Regen schreckt die Schüler nicht ab, dann sitzen sie bei Mikulskis Nachbar Kalthoff in der Laube.

Dankesbriefe und Bilder

Franz Mikulski macht nicht viel Aufhebens von seinem Engagement. „Ich habe vier Kinder, die sind hier groß geworden“, sagt der frühere Oberpolier bei Heitkamp, der auch gerne wandert und singt. „Das macht einfach Spaß mit den Kindern.“ Ein dicker Aktenordner enthält Dankesbriefe und Zeichnungen ehemaliger Gartenklassen. Mikulski selbst hält jeden Besuchstag in einem Tagebuch fest („Gartenrundgang. Kartoffeln ausgemacht.“). Zum Erntedankfest im Herbst backt seine Frau für alle Reibekuchen.

Die Zinnien auszusäen, haben sie jetzt ganz vergessen. Das wird beim nächsten Mal nachgeholt. „Und dann sehen wir, wie weit die Möhren und die Zwiebeln sind, und die Kartoffeln und die Bohnen.“

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