100 Jahre VHS

Sprachkurse der VHS Herne machen fit für fremde Länder

Im Sprachlabor: In den 70er-Jahren der aktuelle Trend in der Sprachenvermittlung.

Im Sprachlabor: In den 70er-Jahren der aktuelle Trend in der Sprachenvermittlung.

Foto: Stadt Herne

Herne.  Fremdsprachenkurse sind ein Herzstück der Volkshochschul-Arbeit. Zwei langjährige Dozentinnen der Herner VHS blicken zurück auf ihre Anfänge.

Mal eben ein Video von Franzosen auf Youtube ansehen oder italienische Süßigkeiten für den Kurs besorgen? Das ist heute kein Problem mehr. Als Katharina Peskes Wagner und Ricarda Erler anfingen, in der Herner Volkshochschule Sprachen zu unterrichten, sah das noch ganz anders aus.

Sendungen für Gastarbeiter genutzt

„Das höchste der Gefühle war, wenn man mal einen Film in O-Ton bekam“, erinnert sich Katharina Peskes Wagner, die anfangs Russisch und Französisch unterrichtete. Eine französische Freundin habe ihr einen Film auf Video aufgenommen. „Beim Abspielen musste ich feststellen, dass er hier nur in Schwarz-Weiß ausgegeben wurde.“ Untertitel gab es natürlich auch nicht. „Ich habe mir damals viel mit dem Radio beholfen“, erklärt Ricarda Erler, die Italienisch und Deutsch als Fremdsprache unterrichtet. „Da gab es Sendungen für Gastarbeiter, unter anderem auch auf Italienisch.“

Heute gebe es viel bessere Bücher als Unterrichtsgrundlage sowie CDs, DVDs und natürlich das Internet. „Das hat vieles leichter gemacht“, sind sich beide einig. „Für Russisch war das anfangs wirklich eine Katastrophe“, sagt Katharina Peskes Wagner. Schließlich sei es entscheidend, dass Lernende die Originalsprache hören könnten. Sie hat deshalb häufig die Sprachlabore genutzt – allerdings an der VHS in Mülheim, wo sie 1983 startete. Seit 1992 ist sie in Herne. Ricarda Erler hält der VHS in Herne seit 1989 die Treue. Beide haben lange in verschiedenen Städten unterrichtet, sind jetzt aber fast ausschließlich in Herne. „Die Bedingungen hier sind einfach super.“

Klientel der Kurse hat sich sehr verändert

Das Klientel in ihren Kursen habe sich stark verändert. So war anfangs Italienisch für viele Teilnehmer von Ricarda Erler die erste Fremdsprache. „Man musste schon genau schauen, wie man Grammatik vermittelt, wenn in der Schule nicht viel Grammatik gelernt wurde“, sagt Katharina Peskes Wagner. Viele hätten auch schlechte Erfahrungen in der Schule gemacht, wo jeder Fehler korrigiert wurde. „Man muss nicht alles Wort für Wort übersetzen und darf ruhig Fehler machen.“ Wichtig sei, dass man sich im Land verständigen kann: „Jeder Italiener grinst wie ein Honigkuchenpferd, wenn man es versucht“, weiß Ricarda Erler. Auch in Frankreich komme dies gut an. „Bei vielen ist es mit dem Deutschen nicht weit her und Englisch haben gerade die Älteren nicht so gerne“, sagt Peskes Wagner. Man dürfe sein Gegenüber auch ruhig bitten, Fehler zu korrigieren.

Fast niemand lerne Französisch für den Beruf, eher für den Urlaub oder falls man Verwandte und Freunde dort habe oder aus Interesse für das Land. Bei Ricarda Erler kommt eine weitere Gruppe dazu: „Ich habe viele Teilnehmer, von denen ein Elternteil Italiener ist oder die mit einem Italiener liiert sind.“ Diese lernen die Sprache, um mit ihren Verwandten zu sprechen oder weil sie ihre Kinder zweisprachig erziehen wollen.

Kursteilnehmer berichten von Erfolgserlebnissen im Land

Prüfungen gibt es nicht. Es gehe darum, in fremdsprachlichen Situationen klarzukommen. In lockerer Atmosphäre sollen möglichst viele Kanäle wie Rollenspiele, Interaktion und Bewegung genutzt werden. Am schönsten ist es für Ricarda Erler, „wenn Teilnehmer im Urlaub waren und berichten, dass sie etwas anwenden konnten oder für ihre Aussprache gelobt wurden“.

Auch Katharina Peskes Wagner kennt solche Erfolgserlebnisse: „Viele trauen sich zu wenig zu. Eine hat mal an einem mündlichen Test teilgenommen und gut abgeschnitten. Sie war ganz überrascht.“ Beide wollen noch lange unterrichten: „Sprachen halten fit. Es ist sehr bereichernd mit Erwachsenen zu arbeiten, denn das einzige, was wir ihnen voraushaben, ist Sprache. Den Rest bringen sie mit.“

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