Schlange

Vermisste Kobra in Herne sorgt für riesiges Medieninteresse

Das Interesse der Journalisten ist groß. Viele Medienvertreter stehen den ganzen Tag über vor dem Wohnhaus Bruchstraße in Herne-Holthausen.

Das Interesse der Journalisten ist groß. Viele Medienvertreter stehen den ganzen Tag über vor dem Wohnhaus Bruchstraße in Herne-Holthausen.

Foto: Rainer Raffalski / Funke Foto Services GmbH

Herne.  Die ausgebüxte Kobra wird noch immer in Herne gesucht. Derweil hält die Giftschlange die Medienwelt in Atem. Und die Anwohner schimpfen.

Annette Paternostro sitzt an diesem heißen Vormittag in einer Garageneinfahrt und macht ihrem Ärger Luft: „Wie kann man es zulassen, dass ein Mann so viele Giftschlangen hält?“, fragt die 63-Jährige. Sie habe wie viele andere Anwohner auf Anordnung der Stadt ihre Wohnung verlassen müssen, berichtet die Frau. Bei ihrem Sohn konnte sie kurzfristig unterkommen. Jetzt will sie aber so nah wie möglich die Suche nach der Schlange verfolgen.

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Vor den Augen vieler Kamerateams trifft am Morgen eine Gruppe mit Vertretern der Stadt ein. „Ob die die Schlange überhaupt finden können?“, fragt die Frau skeptisch. Eine Spezialfirma solle es jetzt richten, heißt es. Derweil sieht die sie, wie der Tross an Journalisten immer größer wird, die vor dem Haus auf Neuigkeiten warten. Zahlreiche Kameras sind direkt auf den Eingang gerichtet. Mehrere Stunden harren die Journalisten aus, zwischenzeitlich kommen einige Feuerwehrleute dazu, die in Windeseile in der Wohnung verschwinden. Die Nachricht von der Herner Schlange geht derweil um die Welt: Sogar die New York Times berichtet darüber.

Nachbarn erzählen, dass sich seit Montag ständig Teams zahlreicher Sender in der Straße aufhalten. „Wir haben einigen auch schon Mineralwasser gegeben, weil es in diesen Tagen so heiß ist“, sagt Anwohnerin Regina Porombka. „Einige Reporter brauchten auch dringend Strom für ihre Laptops. Da haben wir natürlich auch geholfen“.

Während die Nachbarin berichtet, dass sie seit ihrer Geburt „im Haus gegenüber lebt“ und es so einen Medienrummel in der Gegend noch nie gegeben habe, merkt ein Nachbar an, „dass viel zu wenig über die Gesetzeslage berichtet wird, die eine solche Schlangenhaltung überhaupt ermöglicht“.

Nach Ansicht des Baukauers, der seinen Namen nicht in den Medien lesen möchte, sei der Gesetzgeber gefordert. Er befürchte, dass „jetzt wieder viel gefordert wird und am Ende doch nichts passiert“. Ein weiterer Bürger gibt zu bedenken, ob denn bei der Genehmigung für die Reptilien auch gründlich genug geprüft worden sei. Er habe da doch seine Zweifel.

Gartenbesuch für Nachbarin verboten

Zu Annette Paternostro hat sich inzwischen Gundula Fandrei gesellt. Die 64-Jährige lebt gleich nebenan, musste ihre Wohnung zwar nicht verlassen, doch „unser Leben ist doch jetzt total eingeengt“, sagt die 64-Jährige. Mit der Enkelin gehe sie gerne in den Garten, der gleich hinter dem Haus liegt. Das Wetter passe jetzt bestens, wenn da nicht Monokelkobra wäre. Überhaupt solle man Türen und Fenster geschlossen halten, laute die Vorschrift, sagt Gundula Fandrei. „Und das bei dieser Hitze“. Da niemand wisse, wo sich denn die Schlange aufhalte, „haben Familien auch schon ihre Kinder nicht in die Kita geschickt“. Die Einrichtung liege nur wenige Hundert Meter entfernt, ebenso die Grundschule.

Wenn sich die Anwohner über die ausgebüxte Kobra unterhalten, ist immer wieder der Unmut über die Genehmigung für die Reptilienhaltung zu spüren. Vergleiche werden gezogen. „Wie viele Hundebesitzer müssen einen Nachweis erbringen, damit sie den Vierbeiner überhaupt haben dürfen? Und bei solchen gefährlichen Tieren gelten solche Vorschriften dann nicht“, meint Annette Paternostro. Dass einige Mieter, nachdem sie ihre Wohnung räumen mussten, „in Notunterkünften untergebracht wurden“, sei für sie nur schwer verständlich. Man sollte zudem bedenken, dass zwei schwerkranke Bewohner betroffen sind. Den Menschen werde schon ziemlich viel zugemutet.

Nach und nach treffen auch ein paar Schaulustige ein. Jugendliche kommen nach ihrem ersten Schultag vorbei, ein älterer Mann bleibt stehen. „Müsste man nicht Warnschilder aufstellen?“ fragt er. Der Menschenauflauf bietet Inge (68) und Günter Bader (71) Orientierung, um bei ihrer Fahrradtour den Ort des Geschehens zu finden. Das Ehepaar hält sich gern und häufig in Herne auf, wie es erzählt. „Da wollten wir doch wissen, was es mit der Schlange auf sich hat.“ Eine Anwohnerin, die das Spektakel die ganze Zeit beobachtet, flüchtet sich in Ironie: „Wie hieß die Sendung noch? Kobra übernehmen Sie.“

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