Stadtleben

Es ist noch Platz in allen Rängen

Zugegeben, diese Szene ist gestellt: Aber es war echt möglich, einen Saal im „filmpalast“ ganz für sich allein (oder zu zweit) zu haben.

Zugegeben, diese Szene ist gestellt: Aber es war echt möglich, einen Saal im „filmpalast“ ganz für sich allein (oder zu zweit) zu haben.

Foto: Stefan Janke

Iserlohn.  Der „filmpalast“ in Iserlohn durfte nach zehn Wochen Zwangspause wieder seinen Betrieb aufnehmen. Wir waren dabei.

Kai Kamp­henkel nimmt’s, wie’s ist: „Natürlich war uns klar, dass es nicht auf Anhieb richtig los geht, aber 25 Online-Vorbestellungen für die Abendvorstellungen in sieben Kinos sind schon echt wenig.“ Ein „bisschen Enttäuschung“ macht sich breit, als der 37-jährige Theaterleiter des „filmpalast“ nach gut zehnwöchiger Zwangspause am Samstagnachmittag das Kino-Center am Kurt-Schumacher-Ring wieder seiner Bestimmung übergibt. Doch einfach so zurück in den gewohnten Alltag geht es dann doch nicht. Auch für die Kino-Branche hat sich vieles verändert in den vergangenen drei Monaten.

Erst im Januar dieses Jahres war der Inhaberwechsel im „filmpalast“ vollzogen (wir berichteten), da traf die Corona-Krise das Kino-Center mit all ihrer Kraft. „Von einem Tag auf den anderen mussten wir im März schließen“, erinnert sich Kai Kamphenkel.

Während der Theaterleiter das Rolltor endlich wieder hochfahren kann, richtet sein zehnköpfiges Team alles für die mit großer Hoffnung erwarteten Kinobesucher her. Trassierbänder, die die Besucher durch die „Einbahnstraße“ vom Entree bis zu Ausgang schleusen und ein bisschen an Flughafen erinnern, werden gespannt, der Desinfektionsmittel-Spender aufgefüllt, das Prozedere, wie die Gäste em­pfangen und in den Kinosaal „weitergeleitet“ werden, ein weiteres Mal besprochen. „Die Verordnungen ändern sich ja fast täglich. Die nötigen Informationen muss ich mir aus dem Netz von den offiziellen Seiten holen“, erklärt Kamp­henkel. Zehn Personen dürfen es also laut aktuellem Stand maximal sein, die zusammen ins Kino gehen können, um maskenlos den Film ihrer Wahl – Abstand haltend zu anderen Einzelpersonen oder Gruppen – genießen zu können. Denn natürlich herrschen für alle im Kino die Abstandsregeln. Und das Personal trägt Mundschutz. Doch an diesem ersten Tag nach Corona redet niemand darüber. Denn Platz ist wirklich genug im „filmpalast“.

Theaterleiter Kai Kamphenkel fasst am Pfingstmontagabend zusammen: Er habe tatsächlich mehr erwartet, das fantastische Wetter aber („Da wäre ich privat auch in der Sonne“) setzte noch einen drauf. „Wir haben höchstens 20 Prozent eines gewohnten Wochenendes erreicht“, sagt er. Rechnen wird sich das nicht, blickt man auf Personal- und laufende Kosten. Aber es ist ein Anfang.

Einer, der für Kai Kamp­henkel und seine Leute nicht gerade leicht daher kommt. Denn Film-Premieren gibt’s bis auf den Kinderfilm „Traumzauberer“ derzeit nicht wirklich. Auch in Hollywood ist alles auf Eis gelegt, Blockbuster-Starts wurden verschoben – die Voraussetzungen sind also im Moment nicht gerade perfekt, für das Team vom „filmpalast“ – aber gerade deshalb auch eine Herausforderung.

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