Historisches

Feuersäule über der Alexanderhöhe

Vor 50 Jahren brannte die Parkhalle wegen einer Überhitzung verstaubter Heizungsrohre komplett nieder.

Vor 50 Jahren brannte die Parkhalle wegen einer Überhitzung verstaubter Heizungsrohre komplett nieder.

Foto: IKZ-Archiv

Iserlohn.  Vor 50 Jahren brannte die Parkhalle wegen einer Überhitzung verstaubter Heizungsrohre komplett nieder.

Gerade noch wurden die südwestfälischen Boxmeisterschaften ausgetragen, kurze Zeit später war von der Parkhalle im wahrsten Sinne des Wortes nur noch Schutt und Asche übrig. Als die Feuerwehr in der Nacht vom 14. auf den 15. Februar 1970 um 3.23 Uhr über Feuermelder und Notruf alarmiert wurde, waren der Dachstuhl und die Galerien bereits eingestürzt.

Doch der Reihe nach: Der Hausmeister hatte das mehr als 100 Jahre alte Gebäude nach Ende der Boxkämpfe noch kontrolliert und verschlossen. Eine Polizeistreife, die wegen eines Unfalls zur Höhe gerufen worden war, überprüfte die Halle gegen 2 Uhr routinemäßig. Zu diesem Zeitpunkt, so berichtet am Tag danach Kriminalhauptkommissar Schäfer, habe es nicht den geringsten Anhaltspunkt dafür gegeben, dass etwas nicht in Ordnung sein könnte.

Parallel zur Alarmierung der Feuerwehr über den Feuermelder im Bereich Letmather Straße/Ackenbrock hatte sich um 3.23 Uhr auch ein Betrunkener gemeldet. Als die Einsatzkräfte auf der Alexander-höhe eintrafen und das Ausmaß des Brandes sahen, wurden sofort sämtliche Löschzüge alarmiert. Doch sie mussten sich im Wesentlichen darauf beschränken, angrenzende Häuser und das durch die König-Otto-Halle verbundene Parktheater zu schützen. Trotz Einsatzes einer Wasserkanone konnte der Zwischentrakt mit Restaurant, Garderoben, Toiletten und Bundeskegelbahn nicht gerettet werden.

Tausende Iserlohner kamen bis in die späten Nachmittagsstunden, um sich selbst ein Bild von der Katastrophe zu machen. Währenddessen führten Vertreter von Rat und Verwaltung bereits erste Gespräche über die Folgen des Ausfalls der zu diesem Zeitpunkt größten Versammlungshalle Südwestfalens. Schon am Abend sollte der Hauptausschuss in seiner Sitzung über einen Neubau sprechen. Die Stadt teilte mit, dass das Gebäude versichert sei.

3,5 Millionen Mark hoher Schaden

Der Sachschaden wurde auf 3,5 Millionen Mark geschätzt. Die Ursache für das Feuer blieb zunächst unklar. Die ersten Vermutungen, es könne sich um Brandstiftung handeln, bestätigten sich aber nicht. Erst viel später ermittelten Sachverständige eine Überhitzung der verstaubten Heizungskanäle.

Neben der Stadt war der IBSV am meisten vom Feuer betroffen. Das Schützenfest 1970 konnte nicht in der vorgesehenen Form gefeiert werden. Oberst Dr. Heinz von der Horst zeigte sich aber fest entschlossen, es nicht ausfallen zu lassen. Gustav Pütter erklärte noch am Tag der Katastrophe, dass er bereit sei, das Turniergelände nebst Festhalle am Kuhlo zur Verfügung zu stellen. Die Schützen werden nicht müde, auf ihre Verträge hinzuweisen. Von der Horst unterstrich im Gespräch mit der Heimatzeitung: „Darin steht unzweideutig, dass der IBSV für alle Zeiten das Recht hat, jährlich ein Schützenfest in zwei Hallen und auf dem Freigelände zu veranstalten, und dass die Stadt verpflichtet ist, mindestens eine Schützenhalle auf der Höhe zur Verfügung zu stellen.“

Die erste Einschätzung der Verwaltung, die Versicherungssumme wäre eine ausreichende Grundlage für einen Neubau, musste schnell revidiert werden. Die Stadt erklärte sich außerstande, einen Neubau zu finanzieren. Alle Parteien, Vereine und Institutionen forderten ihn dennoch. So entsteht er auf der Grundlage einer vom IBSV-Oberst von der Horst entwickelten Idee, die Halle vom Dortmunder Zeltverleiher Franz Josef Koch bauen und für 20 Jahre betreiben zu lassen. Der Pachtvertrag wurde später von Helmut Schreiber übernommen.

Neubau in Leichtbauweise wird 1972 fertiggestellt

Im April 1972 steht der Neubau. Die Halle, durch die Leichtbauweise eher ein Provisorium mit großem Saal, Restaurant, Püttersaal, Kegelbahnen und einer der „schönsten Diskotheken Westfalens“, wurde schnell zum Mittelpunkt des gesellschaftlichen und sportlichen Lebens. Nach zwei Schützenfesten in Zelten konnte der IBSV 1972 wieder „regulär“ feiern.

Als sich das Feuer zum 25. Mal jährte, schrieb der Chefredakteur der Heimatzeitung, Eduard Grüber, bereits: „Inzwischen ist klar geworden, dass die von Beginn an ,nicht für die Ewigkeit’ gebaute Parkhalle einen den veränderten Zeitbedingungen angepassten Nachfolgebau bekommen muss. Entsprechende Vorstellungen lassen sich aber in diesem Jahrtausend voraussichtlich nicht mehr verwirklichen.“ Davon sei auch der neue Hallen-Generalpächter Ulf Kraney überzeugt.

Am 5. Dezember 2017 dann das Aus: Bei einer turnusmäßigen Überprüfung empfahl ein Gutachter die sofortige Schließung der Parkhalle nebst „Hacienda“, Kegelbahn und Billardcafé, weil sie inzwischen dermaßen marode war, dass unter anderem Fassadenteile herunterstürzen könnten. Im März 2018 wurde das Gebäude entkernt, bevor die Abrissbagger anrollten. Lange blieb der Schutt liegen, der IBSV feierte – wie nach dem Brand – im Zelt. Im Februar 2019 gab es im Rat heftige Kritik, weil erst dann ein Gutachten in Auftrag gegeben wurde. Die Hallen-Reste sind etwa vier Wochen später verschwunden . . .

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