Umwelt

Beim Wohnen: Global denken, lokal handeln

Gemeinsam für mehr Nachhaltigkeit:

Gemeinsam für mehr Nachhaltigkeit:

Foto: Tim Gelewski

Drüpplingsen.  Im Rahmen von „Iserlohn 2040“ und vor einer neuen Veranstaltungsreihe möchte Kultur und Natur der Diskussion einen neuen Aspekt zufügen.

Wirtschaft, Klima, Umwelt, Gesellschaft – es ist ein großer Bogen, den zu spannen sich die Initiative Kultur und Natur Drüpplingsen (KuN) mit ihrer am 8. März startenden Vortragsreihe zum Thema Nachhaltigkeit vorgenommen hat. Als neusten Aspekt möchte man nun im Vorfeld zusammen mit einem neuen Mitstreiter, dem Iserlohner Architekten Leo Schwering, auf das Thema nachhaltiges Wohnen aufmerksam machen.

„Planen wir in Iserlohn über unsere Verhältnisse? Wenn ja, treffen die Folgen meist den globalen Süden. Es fehlt an internationaler Solidarität“, sagt Marcus Hiersemann von KuN – und will das Ganze dabei auch als einen Diskussionsbeitrag in Sachen der künftigen Stadtentwicklung im Rahmen von „Iserlohn 2040“ verstanden wissen.

„Wir sollten das Vorhandene besser nutzen“

Schwering, der bereits vor rund 20 Jahren die Holzhäuser-Siedlung in Dröscheder Feld nach Maßstäben der Nachhaltigkeit und Partizipation entworfen hat, kritisiert beim Thema Bauen einerseits den Umgang mit Ressourcen, andererseits das aus seiner Sicht oft nicht notwendige Ausweisen neuer Flächen für Wohnbauten und Gewerbe. Er sagt: „Deutschland ist gebaut. Wir sollten das Vorhandene einfach besser nutzen.“

„Gebäude haben eigentlich eine Lebenszyklus von mindestens 50 Jahren“, sagt Schwering. Weil sie aber wirtschaftlich gesehen nach 30 Jahren abgeschrieben seien, würde oft vorschnell abgerissen, um an einem Neubau wieder Geld verdienen zu können.

Marcus Hiersemann sieht in dieser Hinsicht auch die in den kommenden Jahren anstehende Sanierung und die zwischenzeitlich diskutierte Option eines Abrisses des Iserlohner Rathauses eher kritisch. „40 Jahre alt und marode – man fragt sich schon, wie das zustande kommt.“

„Man kann viel besser bauen“, sagt Schwering. Ein Leerstands- und Baulandkataster wäre aus seiner Warte ein wichtiger erster Schritt in diese Richtung – und ein sinnhafter Teil des Stadtentwicklungskonzepts „Iserlohn 2040“.

Aus Sicht von Schwering wird auch zu viel Energie verschwendet. „Die Betroffenheit der Bürger ist nicht da.“ Energie sei immer noch zu günstig, der Druck zu wahrer Veränderung nicht groß genug. „Die Gebäude, die heute gebaut werden, sollten ihre Energie im Prinzip selber erzeugen.“

„Wir haben eine wachsende statt eine schrumpfende Pro-Kopf-Wohnfläche“, gibt Hiersemann weiter zu bedenken. Das ständige Mehr – das sorge natürlich auch für einen immer üppigeren ökologischen Fußabdruck eines jeden Einzelnen.

Möglichkeiten für nachhaltige Bauweise sind vorhanden

Stichwort Ökologie und Baustoffe: Auch die Verwendung von energielastigem Beton und Sand, der teils vom Meeresboden abgesaugt wird, sehen Hiersemann und Schwering kritisch. Holz und Lehm, Hybrid- und Verbundstoffe – die Möglichkeiten für eine nachhaltige Bauweise sind da, ist Schwering überzeugt.

Die drei Veranstaltungen ab März nun sollen einerseits Beitrag im Rahmen von „Iserlohn 2040“, andererseits auch konkret Forum zum Austausch sein. Für Bürger, Wirtschaft und Politik.

Letztere allerdings ziert sich noch ein wenig. 50 Einladungen hat KuN für den Auftakt mit Prof. Dr. Niko Paech verschickt, der Rücklauf ist eher dürftig. „Das ist schade, wir brauchen einen ganzheitlichen Ansatz“, sagt Marcus Hiersemann.

Drei Vorträge, um eine Diskussion in Gang zu bringen


„All you need is less. Wirtschaften und Leben ohne Wachstum“ lautet der Titel des Vortrags von Prof. Dr. Niko Paech am Freitag, 8. März, um 19 Uhr in der Schützenhalle Drüpplingsen an der Heidestraße. Paech ist einer der Vorreiter der sogenannten Postwachstumsökonomie-Theorie.

Über „Klimawandel. Dimension und Möglichkeiten der regionalen Begegnung“ wird am Donnerstag, 4. April, um 19 Uhr Dr. Ing. Frederic Rudolph vom Wuppertaler Institut für Klima, Umwelt und Energie referieren. In einer Studie zeigt er, wie die Treibhausgasemissionen des Verkehrs in Deutschland bis 2035 auf Null gesenkt werden könnten.

„Die Vision einer solidarischen Gesellschaft – Wege in eine zukunftsfähige Wirtschaft“ wird Norbert Bernholt von der Akademie Solidarische Ökonomie in Lüneburg am Dienstag, 14. Mai, um 19 Uhr vorstellen.

Die beiden letztgenannten Veranstaltungen finden in der Alten Schule in Drüpplingsen statt.

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