Klimawandel

Schlechte Aussichten für den Iserlohner Stadtwald

Der Wald verändert derzeit sein Gesicht. Wo sonst dichte Fichtenwälder standen, klaffen jetzt freie, vertrocknete Flächen. Einige Flächen wurden bereits abgeholzt.

Der Wald verändert derzeit sein Gesicht. Wo sonst dichte Fichtenwälder standen, klaffen jetzt freie, vertrocknete Flächen. Einige Flächen wurden bereits abgeholzt.

Foto: Ralf Tiemann / IKZ

Iserlohn.  Der Klimawandel wird derzeit deutlich sichtbar: Im Stadtwald werden mehr als 200 Hektar toter Wald abgeholzt.

Lukas Gajdal muss erst einmal schmunzeln bei der Feststellung, dass er sich als Waldarbeiter derzeit ja wohl kaum beklagen kann, wo doch ganz Europa abgeholzt wird. „Ja, ganz Europa!“, wiederholt er lachend, wird dann aber doch etwas ernster, als er merkt, dass das gar nicht so weit hergeholt ist. Gajdal kommt aus Polen, steht aber in Diensten des Holländers Gottfried Gijbels, der mit seiner Harvester-Erntemaschine gerade 200 bis 250 Hektar des Iserlohner Stadtwaldes fällt – allein diese Konstellation macht schon die europäische Dimension der diesjährigen Waldarbeiten deutlich. Und ja, er habe alle Hände voll zu tun, und zwar nicht nur hier, sondern in ganz Deutschland und in Holland.

Mehr als 200 Hektar abgestorbene Fichten – das hat Stadtförsterin Julia Borghoff auch noch nicht erlebt. Es steht schlecht um den Wald, so wie wir ihn bisher kannten – nicht nur in Iserlohn, sondern in ganz Deutschland. 400.000 Hektar sollen es bundesweit sein, die der anhaltenden Dürre und dem Borkenkäfer schon zum Opfer gefallen sind. Tendenz steigend. Und auch Buchen und andere Baumarten sind zunehmend angegriffen.

Preisverfall nimmt existenzbedrohende Züge an

Das Holz, das sich nach den Abholzungen der letzten Wochen schon zu hohen Bergen am Wegesrand stapelt, hat im Grunde keine schlechtere Qualität als das von gesunden Bäumen. Allerdings fällt es derzeit in solchen Mengen an, dass es nur noch zu rekordverdächtig schlechten Konditionen zu vermarkten ist. Schon vor über einem Jahr habe der eklatante Preisverfall eingesetzt. Statt 100 Euro wie vor zwei Jahren bekomme man nur noch neun bis 27 Euro für den Festmeter. Für private Waldbauern könne das durchaus existenzbedrohend sein. Und auch in die Stadtkasse, die sonst mit 500.000 bis 600.000 Euro aus dem Holzverkauf rechnen könne, reißt der Preisverfall ein Loch, womit auch zukünftig zu rechnen sei.

Die toten Bäume, die derzeit in allen Wäldern für braune, vertrocknete Flecken sorgen, müssen schnell abgeholzt werden, damit das Holz nicht weiter an Wert verliert. Außerdem, sagt Julia Borghoff, müsse die Stadt im dichten Wegenetz des Stadtwaldes ihrer Sicherungspflicht nachkommen. Denn irgendwann fallen die Bäume einfach um. Der Großteil der anvisierten Fläche muss noch aufgearbeitet werden, einige größere Waldstücke sind aber schon gefallen und haben den Stadtwald schon jetzt nachhaltig verändert. Vormals grüne Hänge, wie etwa oberhalb der Grüner Talstraße, verbreiten derzeit eher den Charme von Großbaustellen. Und auf den Höhenzügen mag sich mancher Spaziergänger über ganz neue Aussichten freuen – etwa ins Grüner Tal auf die Brauerei, oder aus dem Bereich zwischen Danzturm und Literaturhotel rüber zur Fachhochschule.

Für den Wald sind die Aussichten nach zwei Dürrejahren in Folge und zu Beginn eines prognostizierten dritten Dürrejahres hingegen nicht ganz so gut. „Der April war viel zu trocken, der Mai ist jetzt schon zu trocken, und ich wage mir gar nicht auszumalen, was noch kommt,“ sagt Stadtförsterin Julia Borghoff. Die Trocken- und Käferschäden greifen immer mehr um sich. Auch Lärchen, Kiefern und Buchen gehe es zusehends schlecht. Problematisch sei auch, dass die jetzt freien Flächen immer schlechter Feuchtigkeit aufnehmen können, dass sie der Erosion durch Starkregen ausgesetzt sind und auch die anhaltenden trockenen Winde das trockene Erdreich abbauen. Es seien traurige Aussichten.

Bunter Mix wird den Wald der Zukunft bestimmen

Kleinere Flächen überlasse sie nun der Natur, auf größeren Flächen müsse hingegen mit künstlicher Bepflanzung nachgeholfen werden, damit Brombeere und Farn dem neuen Baumwuchs nicht verhindern – vorzugsweise mit Douglasien aber auch mit Lärchen, Buchen und verschiedenen Tannenarten, aber auch mit eher exotischen Arten wie Esskastanien oder Schwarznüssen – einem bunten Mix wird der Stadtwald der Zukunft beheimaten.

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