Kirche

Versuchen, die Stille auszuhalten

Die Kirchen bleiben geschlossen, sollen aber dennoch mit ihrer Botschaft in die Dunkelheit strahlen.

Die Kirchen bleiben geschlossen, sollen aber dennoch mit ihrer Botschaft in die Dunkelheit strahlen.

Foto: Michael May

Iserlohn  Der Evangelische Kirchenkreis verzichtet bis Ende Januar auf Präsenzgottesdienste.

Als eine Wüstenzeit beschreibt Martina Espelöer den gegenwärtigen Corona-Lockdown. Eine Zeit des Stillhaltens. Und genau das sei sehr schwer auszuhalten – in einer Gesellschaft, die sonst so sehr auf Mobilität und Aktivität baue. Gestern hat sich die Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Iserlohn mit den Gemeinden in einem digitalen Pfarrkonvent über das weitere Vorgehen abgestimmt. Und auch wenn es sich dabei nicht um ein Gremium handelt, das Beschlüsse fassen kann, sondern die letzte Entscheidungsgewalt über die Öffnung oder die Schließung der einzelnen Kirchen immer bei den Presbyterien der Gemeinden liegt, haben sich diese hier bereits einhellig für einen weiteren freiwilligen Verzicht auf Präsenzgottesdienste bis zum 31. Januar ausgesprochen. Einen Zwang dazu seitens des Gesetzgebers gibt es ja bekanntlich nicht.

In der gegenwärtigen Lage mit einer Gesamtbedrohungssituation aus andauernd hohen Todeszahlen und einer drohenden Mutation des Virus sei es einfach angesagt, den bisherigen Weg nicht zu unterbrechen. „Wir sind uns bewusst, dass das auch kritisch gesehen wird“, sagt Espelöer im Gespräch mit unserer Zeitung. „Wir wollen aber dieses Signal der Solidarität senden.“ Außerdem hätten die Kirchen über Weihnachten andere Wege und Kanäle gefunden, um präsent zu bleiben. Auch die Seelsorge in den Altenheimen soll aufrecht erhalten bleiben. Und der Kirchenkreis möchte die Kitas stärker in den Blick nehmen. Fast alle Gemeinden seien Träger von Kindertagesstätten, und die Situation für die Erzieherinnen sei derzeit sehr herausfordernd. „Da wollen wir mithelfen, um für Stabilität zu sorgen.“

Neue Wege, um präsent zu sein, hat die Kirche in der Tat gefunden. Erst am 14. Dezember hatte sich die ganze Landeskirche darauf verständigt, alle Weihnachtsgottesdienste abzusagen. Dem waren auch die Iserlohner Gemeinden gefolgt, hatten dann aber in der Kürze der Zeit eine Fülle an Online-Angeboten produziert und auch viele andere Möglichkeiten entdeckt, um die Menschen zu erreichen und mit den aktiven Christen in Kontakt zu bleiben. Die Folgen der Pandemie, so Martina Espelöer, hätten daher durchaus einen eigenen Wert, der auch über Corona hinaus strahlen und die virenfreie Normalität nach der Pandemie verändern könne. „Wir wollen das ernstnehmen“, sagt sie. „Wir wollen den Lockdown als eine Zeit wahrnehmen, in der Kreativität neu wächst und diese Zeit nicht vorschnell überspringen.“ Den Austausch über diese Gedanken habe sie gestern als sehr bewegend empfunden.

Gleichwohl geht der Blick über den Lockdown hinaus auf eine Zeit nach Corona. Dazu hat der Kirchenkreis gestern eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die Kriterien für die Zeit danach formulieren soll, wenn die Kirche ihre Aktivitäten wieder aufnimmt. Nachdem die Kanzlerin weitere harte Wochen in Aussicht gestellt hat und bereits jetzt von einem Lockdown bis Ostern gesprochen wird, soll auch in der Kirche das Osterfest schon ganz konkret und frühzeitig in den Blick genommen werden. Der Arbeitskreis soll verschiedene Szenarien entwickeln vom weiter bestehenden Komplett-Verzicht auf Präsenzgottesdienste bis zur Wiederaufnahme der Gottesdienste unter bestimmten Hygiene-Bedingungen. „Wir wollen handlungsfähig bleiben“, sagt Martina Espelöer. Zu Weihnachten mussten die Kirchen noch sehr kurzfristig auf die sich zuspitzende zweite Welle reagieren.

Gleichwohl, so die Superintendentin, habe Weihnachten die Gemeinschaft und das gemeinschaftliche Vorgehen im Kirchenkreis gestärkt. „Das haben wir gut geschafft. Wir freuen uns aber auch auf eine Zeit, in der alles wieder anders wird.“ Am 28. Januar trifft sich der Pfarrkonvent erneut, um mit den Ergebnissen der neuen Arbeitsgruppe auf Ostern zu schauen.

Wie bereits berichtet, hat sich auch der katholische Pastoralverbund Iserlohn dazu entschlossen, bis Ende Januar nicht zu Gottesdiensten einzuladen. „Stattdessen werden wir aber unsere Online-Präsenz ausweiten“, sagt Kantor Tobias Leschke, der die Aktivitäten im Internet für den Pastoralverbund koordiniert. Unter dem Motto „Da sein...“ ist das Pastoralteam im Pastoralverbund Iserlohn also auch weiterhin und verstärkt für die Gemeinden da. In unregelmäßigen Abständen erscheinen auf der Homepage des Pastoralverbundes unter www.pviserlohn.de Videos, Audios, Newsletter oder Gebete zu den Texten der Tage im Januar. Den Anfang auf der Homepage hat Dechant Johannes Hammer zum Hochfest der Taufe des Herrn bereits gemacht.

Außerdem sind die Kirchen trotz der Gottesdienstabsagen nicht geschlossen. Verschiedene Mitglieder des Pastoralteams werden während der Öffnungszeiten der Kirchen präsent sein. Zu den Gottesdienstzeiten erklingt auch Orgelmusik und es wird Lesungen geben. Zudem besteht immer auch die Möglichkeit zu Gesprächen. „Wir machen, was möglich ist“, sagt Tobias Leschke. Nur Gottesdienste wird es bis zum 31. Januar nicht geben.

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