Gesundheit

20 Jahre Klinik für Kardiologie in Kleve

Die Herzkatheteruntersuchung macht der Kardiologe – von dem man hier nur die Hände sieht – durchs Handgelenk des Patienten. Das Röntgengerät fährt dabei um dessen Brustkorb herum.

Foto: Astrid Hoyer-Holderberg

Die Herzkatheteruntersuchung macht der Kardiologe – von dem man hier nur die Hände sieht – durchs Handgelenk des Patienten. Das Röntgengerät fährt dabei um dessen Brustkorb herum.

Kleve/Kevelaer.   Die Klinik für Kardiologie am St. Antonius Hospital in Kleve besteht seit 20 Jahren. Mit 5500 Patienten pro Jahr ist sie eine der größten in NRW. Beste Überlebenschancen nach Herzinfarkt.

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Eine Horde Journalisten schleicht in den Kontrollraum neben dem „Linksherzkatheter-Messplatz“. Dort überwacht eine Krankenschwester die Monitore, EKG, Röntgenbild. Durch die Scheibe sieht man ein dreiköpfiges Team an einem OP-Tisch, der Kardiologe hinter durchscheinendem Vorhang, man erkennt nur seine geübten Hände bei der Arbeit: Eingriff übers Handgelenk ins Herz.

Neben ihm agieren Assistenz und Krankenpfleger. Zu hören ist ein gleichmäßiges Klacken der Überwachungsgeräte. Dann ein befreites Lachen. Auch vom Patienten, denn der ist bei dieser Herzkatheteruntersuchung bei vollem Bewusstsein, nur ein wenig sediert wegen der Aufregung. Schmerzhaft ist der Eingriff nicht.

Mit 20 Atü gegen Verkalkung

Zehn oder 15 Minuten dauert er per Standard, 30 bis 45 Minuten die Behandlung der Herzgefäße mit Ballonkatheter. Dann werden darin extrem verhärtete Verkalkungen mit 20 Atü zur Seite gesprengt – „ein Autoreifen hat zwei Atü“, vergleicht Dr. Norbert Bayer. Er ist seit der Gründung der Abteilung (anfangs als Assistenzarzt) dabei und löste im vorigen Jahr Prof. Stefan Schuster als Chefarzt ab.

In diesem Januar besteht die Klinik für Kardiologie 20 Jahre. Bayer war maßgeblich für Entwicklungen und Verbesserungen der kardiologischen Versorgung im Kreis Kleve mit verantwortlich. Mit 1800 Patienten fing man an.„Die Pioniere haben heute 5500 Patienten pro Jahr“, meldet das Klinikum stolz. Und wurde zu einem der größten kardiologischen Abteilungen in Nordrhein-Westfalen. Warum die Zahl stieg? „Ich hoffe, das ist etwas der Qualität unserer Arbeit geschuldet“, sagt Chefarzt Dr. Bayer lächelnd. Und mit dem Immer-älter-Werden. Denn mit zunehmendem Alter schwächeln Herz und Kreislauf.

Besonders schonendes Verfahren

Pro Jahr führen an der Klinik für Kardiologie acht Oberärzte und 15 Assistenzärzte mehr als 2000 Herzkatheteruntersuchungen durch. Das erfolgt nicht mehr wie früher über die Leiste zum Herzen, seit 2012 routinemäßig „aus dem Handgelenk“, vielmehr vom Handgelenk aus. Dieser sogenannte Radialis-Zugang „ist ein besonders schonendes Verfahren mit sehr niedriger Komplikationsrate“, sagt Dr. Norbert Bayer: „Elegant, sicher und angenehm für den Patienten.“

Das Leistungsspektrum ist so breit wie spezialisiert: Im Bereich der Herzrhythmus-Chirurgie implantiert die Klinik für Kardiologie jährlich über 250 Aggregate: etwa 150 Herzschrittmacher werden neu implantiert oder gewechselt. Zur Erfassung selten auftretender Herzrhythmusstörungen setzt das Team implantierbare Langzeit-EKG-Geräte (sogenannte Loop-Recorder) ein. Seit 2007 erbringt die Klinik jährlich etwa 700 Kardio-MRT.

Seit das Katholische Karl-Leisner-Klinikum auch akademisches Lehrkrankenhaus der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf ist (Juni 2016), hat sich für kardiologische Patienten das Versorgungsspektrum erweitert, freut sich Bayer über modernste herzchirurgische Verfahren.

Herzinfarkt-Netzwerk

„Dabei steht der schonende Herzklappenersatz mittels Katheter und minimal-invasiver chirurgischer Techniken im Vordergrund“ – also mit kleinstmöglichen Folgen. Da wird nicht mehr das Brustbein aufgesägt mit großer Wundfläche, sondern werden seitlich die Rippen bloß gespreizt. „Unsere Abteilung wurde ausgezeichnet“, freut sich der Chefarzt. „Sicherheit steht oben, aber Patienten schonend zu behandeln, ist uns genauso wichtig“.

Seit 2005 besteht außerdem das „Herzinfarkt-Netzwerk Niederrhein“ des Katholischen Karl-Leisner-Klinikums mit dem Rettungsdienst des Kreises Kleve. Es bietet Notfall-Hilfe bei Herzinfarkten besonders schnell und effektiv: Vom Eintreffen des Notarztes beim Patienten bis zur Wiedereröffnung der verschlossenen Herzkranzarterie vergeht in der Regel keine Stunde, die Überlebenschance bei akutem Herzinfarkt ist deshalb im Kreis Kleve deutlich besser als im Landesdurchschnitt.

Verzahnung mit den Hausärzten

„Die Verzahnung mit den Hausärzten ist trotz aller personeller Probleme qualitativ gut. Das ist für mich von herausragender Bedeutung“, betont Dr. Bayer, der für die Ärzte jederzeit telefonisch erreichbar ist.

Mit der Eröffnung der Klinik für Kardiologie im Marienhospital Kevelaer 2017 „haben wir auch die Überlebenschancen von Herzinfarktpatienten im Südkreis Kleve noch einmal deutlich verbessert“, so Dr. Norbert Bayer.

Die Herzkatheterlabore des St.-Antonius-Hospitals Kleve und des Marienhospitals Kevelaer garantieren durch Bereitschaftsdienst rund um die Uhr und modernste Technik eine bestmögliche Notfallversorgung.

Ein Aushängeschild

Die Überwachungsbettplätze sind wie eine Intensivstation mit einem hochmodernen Monitoringsystem ausgestattet. Von Kleve aus überblickt Dr. Bayer bei Bedarf auch die Katheterfilme in Kevelaer oder umgekehrt. „Das Team hat die Klinik mit der sicheren und schonenden Versorgung der Menschen im Kreis Kleve zu einem Aushängeschild unseres Klinikums gemacht“, meldet Bernd Ebbers, Geschäftsführer des Katholischen Karl-Leisner-Klinikums.

>>> ZERTIFIKATE FÜR KARDIOLOGIE

Die Krankenkasse AOK bewertet das Klever St.-Antonius-Hospital im Herzkatheterlabor jedes Jahr als Top-Klinik im Rheinland.

Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) zertifiziert: höchste Qualitätsstandards bei der Versorgung von Herzinfarkten.

Die Klinik für Kardiologie ist als zertifizierte Chest-Pain-Unit ist anerkannte Notfallstation bei Patienten mit „unklarem Brustschmerz“.

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