NRZ-Serie

775 Jahre Stadtgeschichte Kleve

Die älteste bekannte Ansicht von Kleve stammt aus dem Städtebuch von Braun und Hogenberg (1576).

Die älteste bekannte Ansicht von Kleve stammt aus dem Städtebuch von Braun und Hogenberg (1576).

Foto: "Städtebuch von Braun und Hogenberg"

Kleve.   Mit dem Jahr 2017 neigt sich auch die Serie „Klever Schlaglichter“ anlässlich des 775-jährigen Stadtjubiläums von Kleve dem Ende zu. Eine Bilanz.

Die Serie wurde von einem Logo begleitet, das neben dem Stadtwappen eine Stadtansicht von Kleve aus der Zeit um 1570 zeigt. Damals wie heute prägten die Schwanenburg und die Stiftskirche die Stadtsilhouette. Man kann die Burg und die Kirche als Zeugen der gesamten Stadtgeschichte bezeichnen: Sie waren bereits zur Zeit der Stadtrechtsverleihung am 25. April 1242 vorhanden und sie existieren bis heute, wenngleich in verändertem Gewand. Ohne sie hätte die Geschichte der Stadt anders ausgesehen. Dies gilt insbesondere für die Schwanenburg, das Wahrzeichen der Stadt Kleve. Die Burg ist Dreh- und Angelpunkt der Stadtgeschichte.

Kleve als Residenzstadt

Die Stadt Kleve ist in Anlehnung an diese Stammburg der Grafen von Kleve entstanden. Das heißt aber, dass die Standortwahl für diese Stadt nicht so sehr von wirtschaftlichen, sondern vielmehr von strategischen Überlegungen bestimmt worden ist. Wenn wir heute noch Ober- und Unterstadt unterscheiden, dann liegt das daran, dass die mittelalterliche Stadt am Rande einer Hochebene lag: relativ sicher auf drei Hügeln (Burgberg, Kirchberg und Heideberg), mit dem Reichswald als ‘Schutzone’ und Energiequelle im Rücken.

Vom Burgberg aus kontrollierte man die Rheinebene, wo die Grafen von Kleve Zoll vom Schiffsverkehr erhoben, aber die Stadt lag im Vergleich zu Wesel, Rees oder Emmerich relativ weit vom befahrbaren Fluss entfernt. Als Notlösung wurde um 1400 der Spoykanal gegraben, der aber im Laufe der Zeit insgesamt gesehen als Schifffahrtsweg ziemlich mangelhaft funktioniert hat. Die heutigen Probleme mit der Spoyschleuse haben eine lange Vorgeschichte!

Klevischer Erbfolgestreit

Kleve hat sich niemals zur Handelsstadt entwickelt. Dem Verbund der Hanse gehörte es um 1550 nur als ‘Beistadt’ von Wesel an. Freilich zahlte Kleve damals eine höhere Kontribution als eine andere ‘Beistadt’, Kalkar, die sich heutzutage gerne als Hansestadt vermarktet.

Dafür entwickelte Kleve sich zur Hof- und Residenzstadt. Ihre größte Blüte erlebte sie im Zeitraum ab ca. 1340, als die Grafen, ab 1417 Herzöge von Kleve, die gleichzeitig Grafen von der Mark waren, hier ihre Hauptresidenz hatten. Dieser Umstand prägte die städtische Gesellschaft und Wirtschaft. Viele Einwohner waren Bedienstete oder Lieferanten des Hofes. Das Straßenbild muss von landesherrlichen Beamten und sonstigem Personal, das in den Hoffarben gekleidet war, geprägt gewesen sein und es gab hier viele Kunsthandwerker, wie etwa Silberschmiede, die für den Hof arbeiteten. Die Verbindung von Kleve-Mark mit Jülich, Berg und Ravensberg ab 1510/1521 hatte zur Folge, dass Kleve künftig nur noch Nebenresidenz neben u.a. Düsseldorf war.

Danach sorgte der klevische Erbfolgestreit ab 1609 für einen großen Kontinuitätsbruch. Der Kurfürst von Brandenburg und der preußische König sahen Kleve zwar bis in das 18. Jahrhundert hinein noch als ihre westliche Residenz, aber sie haben hier vor allem nach dem Tod des Großen Kurfürsten (1688) immer seltener residiert.

Wohl blieb Kleve mit Unterbrechungen bis 1821 Regierungssitz. Auch hat Fürst Johann Moritz von Nassau-Siegen hier als kurbrandenburgischer Statthalter (1647-1679) mit der von ihm geschaffenen Residenzlandschaft ein Erbe von bleibendem Wert hinterlassen. Mit seinen Gärten, Alleen, Häusern und Denkmälern sprengte er den Rahmen der mittelalterlichen Stadt, die ab jetzt nach und nach ‘entfestigt’ wurde, und nahm somit den späteren Stadterweiterungen (u.a. 1898) und der Kommunalreform von 1969 bereits einiges vorweg. Außerdem erwiesen sich diese Landschaftselemente schon bald als ein Pfund, mit dem die Stadt wuchern konnte: Der spätere Klever Kurbetrieb wäre ohne sie undenkbar gewesen. Andererseits ist aber auch ein Teil der heutigen Klever Verkehrsproblematik auf sie zurückzuführen.

Kirche und Gesellschaft

Zur Zeit der Stadtrechtsverleihung kannte Kleve lediglich eine einfache Pfarrkirche. Die Übersiedlung der Kanoniker des Stiftes Monterberg nach Kleve ca. 1340 veranlasste deren Ausbau zur Stiftskirche, wie wir sie heute noch kennen, aber diese diente in erster Linie den landesherrlichen Interessen. In Sachen der städtischen Seelsorge spielte das Minoritenkonvent ab dem späten 13. Jahrhundert eine bedeutende Rolle. Im 16. Jahrhundert traten Teile der städtischen Bevölkerung zur Reformation über. Das geschah unter dem Schutz der gemäßigten Religionspolitik der Klever Herzöge, die einen reformatorischen Mittelweg zu gehen versuchten. Zur Zeit des klevischen Erbfolgestreites machten die klevischen Landstände dann die freie Ausübung des katholischen Glaubens zur Bedingung für ihre Anerkennung des reformierten Kurfürsten von Brandenburg als Landesherrn.

Folglich zeichnete Kleve sich in späterer Zeit durch eine gewisse religiöse Toleranz aus. Die städtische Elite war allerdings lange Zeit überwiegend protestantisch (reformiert, evangelisch, wallonisch-reformiert); eine Emanzipation der Katholiken, wie auch der Juden, hat erst im 19. Jahrhundert stattgefunden. Die heutige städtische Gesellschaft weist bei einem überwiegenden römisch-katholischen Anteil eine große religiöse Vielfalt auf, was u.a. der unterschiedlichen Herkunft der Bürger entspricht.

Noch ein Turm

Heute weist die Silhouette von Kleve einen weiteren auffälligen Turm auf: den Schornstein mit dem Elefanten auf dem eoc-Gelände. Er ist ein Denkmal der Großindustrie in Kleve (mit u.a. der Hoffmann/elefanten-Schuhfabrik und dem Margarinewerk Van den Bergh/Unilever), die ab ca. 1890 florierte, aber heute bereits wieder Vergangenheit ist. Die Klever Wirtschaft hat seit den 1970er Jahren einen Strukturwandel durchgemacht. Ihre heutigen Pfeiler sind das mittelständische Gewerbe, der Einzelhandel, die althergebrachte Rolle als Behördensitz und Dienstleistungszentrum, dazu die in jüngster Zeit stark gewachsene Rolle als Schulzentrum, mit der Hochschule Rhein-Waal als Krönung. Gerade hier, aber auch beim Einzelhandel und Gewerbe, zeigt sich die Bedeutung der nahen Grenze zu den Niederlanden und der weitgehenden Öffnung der Grenzen insgesamt. Aus dem Stadtbürgertum hat sich bereits in der Neuzeit ein Staatsbürgertum entwickelt und dieses ist heute zunehmend in ein internationales Beziehungsgeflecht eingebettet.

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