Tafel

85 Ehrenamtler schultern die Tafel Kleve

Klever Tafel, Lebensmittelausgabe, Brot gibt es immer reichlich, Georg Hentrey hilft bei der Verteilung.

Foto: Astrid Hoyer-Holderberg

Klever Tafel, Lebensmittelausgabe, Brot gibt es immer reichlich, Georg Hentrey hilft bei der Verteilung. Foto: Astrid Hoyer-Holderberg

Kleve.   Versorgung deutscher und ausländischer Kunden ist im Verhältnis „zahlenmäßig ähnlich wie in Essen, aber wir haben nicht die Probleme bekommen“.

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„Wir stehen dazu, dass Lebensmittel, die mit großem Aufwand hergestellt sind, nicht unnötig vernichtet werden.“ Das sagte Ludger Wucherpfennig den Mitgliedern des Sozialausschusses. Er gab in der Sitzung am Mittwoch einen aktuellen Bericht über die Arbeit der Tafel Kleve. Die Versorgung von wöchentlich 700 deutschen und ausländischen Kunden sei im Verhältnis „zahlenmäßig ähnlich wie in Essen, aber wir haben nicht die Probleme bekommen“.

Denn frühzeitig warb man Helfer auch aus Kreisen der Flüchtlinge. Neue Kunden lesen Nutzungsbedingungen und Hausordnung auf 20 Sprachen – von Georgisch, Albanisch, Türkisch, Arabisch, Französisch bis Niederländisch. Ruppig würden die Ausländer nicht, „nur früher, als die jungen Männer kaserniert waren, haben sie schon mal geschubst, gab es schon mal Tränen“, so Wucherpfennig. Wenn überhaupt mal, fielen heute eher alkohol- und andere drogensüchtige Deutsche auf. Aber generell läuft es sehr herzlich, wenn auch genau organisiert.

Kundeninfo auf einen Blick

Jeden Dienstag und jeden Donnerstag von 11.30 bis 13 Uhr werden draußen vor der Halle im Xox-Gelände an der Briener Straße Bänke für die jeweils rund 320 Wartenden aufgestellt. Drinnen ruft beispielsweise Ingo Münstermann die Kunden auf. „Es gab schon mal Rangeleien, da haben wir die Reihenfolge von hinten nach vorne aufgerufen“, und schon war Ruhe, lacht Wucherpfennig.

Kundenkarten, farbig nach Wochentag unterschieden, werden gescannt; Studenten einer Hochschule im Emsland hatten für die Tafeln ein Programm entwickelt. Es zeigt auf einen Blick, ob der Kunde / die Kundin berechtigt ist, hier Lebensmittel abzuholen: Hartz IV, erwerbsunfähig, Wohngeldempfänger oder von der Klosterpforte geschickt.

„Manche Behörden sagen den Flüchtlingen: ‘Lebensmittel bekommt ihr bei der Tafel’. Und die glauben dann, wir seien eine staatliche Einrichtung. Dabei sind hier nur Ehrenamtliche. Wir ergänzen nur die Versorgung und lindern“, betont Wucherpfennig.

Die Kundenkarte zeigt, wie viele Familienmitglieder zu versorgen sind. Ein Flüchtling aus dem Irak packt gestern in zweieinhalb Plastiktaschen Ware ein: grüne Bohnen, Brot, Paprika und Salat für seine siebenköpfige Familie. Acht Kinder versorgt der Asylbewerber aus Syrien. Christa van Aarssen legt Tomaten zu Champignons in die Einkaufskiste. Sabine Vondermans kontrolliert auf Wurstverpackungen das Verfallsdatum.

Alles sieht recht frisch aus und ist doch gespendete Ware, die die Supermärkte am Abend zuvor aussortiert hatten. „In zehn Jahren habe ich einige neue Produkte kennen gelernt“, sagt Wucherpfennig. „Wir kaufen nichts dazu“, betont er. Ist mal wenig da, teilt man wenig. Aber Brot bekommt man zurzeit im Überfluss – da gibt die Klever Tafel den Kollegen in Goch einiges ab. Und immer auch der Klosterpforte oder auch an Freizeitlager.

Ein größerer Transporter – ebenfalls gespendet – holt die Waren dreimal wöchentlich in Supermärkten vor Ort oder Molkereien weiter entfernt ab und bringt sie in das Tiefkühlhaus und zwei Kühlhäuser. Für alle Lebensmittel werden Lieferscheine ausgestellt. „Wir übernehmen ja die Verantwortung, dass alles verzehrfähig ist“, so Wucherpfennig.

Lieferung ins Haus für Kranke

Einmal im Monat am „Haushaltswarentag“ werden auch angeschlagene Waschmitteldosen oder verbeulte Zahnpasta ausgegeben. Dank eines Sponsors gibt es für Familien stets eine Packung Windeln dazu.

Früher wurden alle Waren der Klever Tafel den Bedürftigen ins Haus geliefert. „Aber sie bekamen Kisten voll und man wusste nicht, ob sie das überhaupt haben wollten“. Außerdem hatten die Adressaten eigentlich Zeit genug, selbst zu kommen, Kontakt zu knüpfen.

Nun werden nur samstags 54 Personen beliefert. Es sind Alte, Kranke und Gehunfähige. Sie nennen vorher einen Wunschzettel, was sie benötigen.

Für Ältere ist es erst ein schwieriger Gang

„Für Ältere ist es ein schwieriger Gang zur Tafel, aber es spielt sich ein, wenn man zwei, drei mal hier war“, weiß Friedhelm Uffermann, seit zweieinhalb Jahren Helfer im Team. Rainer Heybers ist aktiv und Vertreter der St. Antonius-Bruderschaft. Sie trägt offiziell die Klever Tafel – die übrigens genau wie die Klosterpforte einst von Pfarrer Fritz Leinung (†) ins Leben gerufen wurde.

85 Ehrenamtliche teilen sich an 365 Tagen im Jahr die Arbeit. „Alle sind verbindlich da“, lobt Ludger Wucherpfennig seine Kollegen. „Für unsere Arbeit gibt es eine recht große Akzeptanz in der Bevölkerung. Das ist ein gutes Gefühl“.

>> ENTWICKLUNG BEI DER KLEVER TAFEL

Im Januar 2014 versorgte die Klever Tafel 1830 Menschen, davon 1599 Deutsche, 226 Rentner, 231 Ausländer. Die Zahl der Nutzer stieg bis zum Januar dieses Jahres auf insgesamt 3849, die je Kunden der Tafel Kleve gewesen waren. Davon 2478 Deutsche, 392 Rentner und 1371 Ausländer. 978 Kunden waren unter 18 Jahre alt und 392 über 60 Jahre.

Aktuell bekommen rund 1360 Personen für insgesamt 695 Haushalte kostenlos Lebensmittel von der Tafel Kleve. Die größte Gruppe unter den 53 Nationen stellen die Deutschen mit 420 Personen, 260 kommen aus Syrien, rund 130 aus dem Irak, 50 aus Afghanistan, je rund 20 aus dem Iran, Tadschikistan, Marokko, Nigeria, je 15 Türkei und Niederlande. Kunde sind auch drei Östereicher, zwei Engländer.

Je ein Drittel sind bis 25 Jahre, bis 52 und über 52 Jahre alt. Entgegen dem Bundestrend sei in Kleve der Anteil von Alleinerziehenden mit Kindern steigend hoch.

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