Arbeitsmarkt

„Advance Bildungsakademie“ öffnet am Airport Weeze

Die „Advance Bildungsakademie“ öffnet im Mai am Airport Weeze. Flüchtlinge erhalten Sprachtraining, um in der Pflege und im Sicherheitsbereich tätig zu werden.

Die „Advance Bildungsakademie“ öffnet im Mai am Airport Weeze. Flüchtlinge erhalten Sprachtraining, um in der Pflege und im Sicherheitsbereich tätig zu werden.

Foto: Astrid Hoyer-Holderberg

Kreis Kleve/Weeze.   „Advance Bildungsakademie“ öffnet im Mai in Weeze. Flüchtlinge erhalten Sprachtraining, um in der Pflege und im Sicherheitsbereich zu arbeiten.

Was heißt denn „Zueignungsabsicht“? Man könnte übersetzen: Da versucht einer, zu klauen. Aber das wäre ja zu einfach. Seriöse Berufe pflegen ihre Fachausdrücke. So auch die Branche der Sicherheitsmitarbeiter. Wenn Menschen mit Migrationshintergrund das verstehen wollen und müssen, bietet ihnen die „Advance Bildungsakademie“ neben der Rundum-Ausbildung obendrein eine muttersprachliche Erläuterung an. Flüchtlinge werden qualifizierte Sicherheitskräfte. Auch bei Pflegeberufen setzt das Weiterbildungs-Unternehmen auf Migranten als Kunden in zertifizierten Schulungsmodulen. Ab 7. Mai will das Essener Unternehmen in Weeze am Flughafenring 200 eröffnen. Büro und Schulungsräume liegen im schmuck renovierten Gebäude im Erdgeschoss unter der Flughafenverwaltung.

Gründung in Essen

Die seltsame Kombination „Sicherheitsfachkraft“ und „Pflegekraft mit Behandlungspflege“ erklärt Geschäftsführer Guido Marx ganz pragmatisch: „Weil da Arbeitskräfte gesucht werden.“ Er sammelte 25 Jahre Erfahrung in der Vermittlung, bevor er vor drei Jahren ins Ruhrgebiet zog. Mit einem Kompagnon gründete er „Advance“ in Essen, nun auch in Weeze. Die Ausbildung wird in verschiedenen Qualifizierungsstufen angeboten, von ganz einfach bis anspruchsvoller.

Solche Kurse bietet das Bildungshaus auch für deutsche Teilnehmer. Für Ausländer mit Aufenthaltsgenehmigung sind aber zwei Monate mehr für spezielles Sprachtraining vorgeschaltet. Marx setzt auf „100 Prozent Abschlussquote und ebenso erfolgreiche Übernahme in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis. Wir passen die Maßnahmen den Leuten an. Sie schaffen es, wenn sie ein wenig mehr Zeit haben. Sie sind oft viel motivierter, relativ schnell im Job integriert und zahlen dann Sozialabgaben“.

Dreimonatiges Praktikum

Die Erfolgsquote der Jobcenter/Arbeitsagenturen sei oft „viel zu niedrig, und kostenintensive Fördermaßnahmen, gewährt in Form eines Bildungsgutscheins, verpuffen ungenutzt“, vergleicht der 56-jährige Gesellschafter. Auch die „Advance Bildungsakademie“ bietet ihren Service auf Basis von Bildungsgutscheinen an. Teilnehmer können entscheiden, wo sie den einlösen. Der Kreis Kleve nimmt „Advance“ in die Liste der Träger auf, wenn die Arbeitsagentur zustimmt, bestätigt Kreissprecherin Ruth Keuken.

In der Pflege können sich die Ausländer den Arbeitgebern von stationären und ambulanten Alten- und Krankenpflegediensten im dreimonatigen Praktikum empfehlen: Blutdruck- und Blutzuckermessung, Insulingabe, An- und Ausziehen von Kompressionsstrümpfen und anderes ist gefragt. „Der Pflegekräftemangel in Deutschland lässt sich nur mit einem Personalmix aus Pflegefachkräften und qualifizierten Pflegehilfskräften lösen“, wirbt die „Advance Bildungsakademie“. Erfahrungen in Essen hätten gezeigt, dass die Teilnehmer höflich, pünktlich und zuverlässig seien. Caritas und Awo in den Kommunen des Kreises Kleve stünden der Sache aufgeschlossen gegenüber, erfragte Marx den Bedarf am Markt. „Aufgrund der Unterstützung haben wir uns auch für den Standort Weeze entschieden.“

Tests und persönliche Gespräche

Die persönliche Eignung der Teilnehmer wird vorher durch Tests und persönliche Gespräche beurteilt. Im Unterricht geht es dann nicht nur um fachliche Griffe und Fachbegriffe, sondern auch um Sozialverhalten und -kunde, Umgangs- und Wertenormen. Das ist wichtig sowohl für Pflegehelfer, die mit Kranken oder Senioren umgehen wollen, als auch für Sicherheitsmitarbeiter, die beispielsweise Kaufhausdetektiv, Gebäudeschützer oder Streife-Gänger an Bahngleisanlagen werden wollen. Jene Männer „werden bei der Polizei gemeldet und müssen ein einwandfreies Führungszeugnis vorweisen“, so Marx.

Die Polizei im Kreis Kleve wurde bisher noch nicht informiert, dass Sicherheitskräfte demnächst in Weeze ausgebildet werden, bei denen auch Waffenkunde und Umgang mit dem Schlagstock auf der Agenda stehen, sagt Polizeisprecherin Anna Stammen auf Nachfrage der NRZ. Es sei Sache des Gewerbeaufsichtsamtes der Kommune die Polizei über „Schnittmengen“ zu informieren. Weezes Bürgermeister Ulrich Francken sagt der NRZ, er kenne den Bildungskoordinator von „Advance“, Jakob Slooten, noch von früher ganz persönlich. Geschäftsführer Marx erklärt: „Es geht ja um taktisches Einsatztraining, vor allem Deeskalation.“ Waffenkunde als Vorbereitung auf die IHK-Sachkundeprüfung sei die Grundlage, um Geld- und Werttransporte zu begleiten oder Botschaften zu bewachen.

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