Amtsgericht

Angestellte und Betreiberin des FKK van Goch verurteilt

Nach der erneuten Razzia im Saunaclub „FKK van Goch“ interessierte der Prozess zum Vorwurf der Körperverletzung gleich zwei Staatsanwälte.

Nach der erneuten Razzia im Saunaclub „FKK van Goch“ interessierte der Prozess zum Vorwurf der Körperverletzung gleich zwei Staatsanwälte.

Foto: Kristin Dowe

Goch/Kleve.   Weil sie einen Randalierer verprügelten, verurteilte das Amtsgericht Kleve zwei Angestellte und die Betreiberin des Saunaclubs FKK van Goch.

Der Saunaclub FKK van Goch wirbt damit, auf „ca. 3500 qm Entspannung und Erotik pur“ zu bieten. Das weitläufige Areal an der Benzstraße sei „die absolute Top-Adresse für den Herrn mit Stil und Klasse“. Der Club habe „Maßstäbe gesetzt“ und sei sogar mit einem „Qualitätssiegel“ ausgezeichnet worden. Die Vorgänge, die nun vor dem Klever Amtsgericht verhandelt wurden, passen allerdings so gar nicht in dieses exklusive Bild eines niveauvollen Etablissements, das sich der Triebbefriedigung verschrieben hat.

Razzia vor einem Monat

Angeklagt waren die Betreiberin Ulla O. (56), die sich im Privatfernsehen als „Bordell-Testerin“ einen gewissen Ruf erarbeitet hat, sowie der Koch Klaus K. (61) und das für die Sicherheit zuständige Muskelpaket Marco P. (42). Der Vorwurf: schwere Körperverletzung und Freiheitsberaubung.

Gleich zwei Staatsanwälte erschienen im Schöffengerichtssaal der Schwanenburg: Neben dem Juristen, der sich mit den Handgreiflichkeiten beschäftigte, auch Hendrik Timmer, der in einem anderen Verfahren wegen Steuervergehen gegen die Betreiber ermittelt und der erst vor vier Wochen bei einer Razzia kistenweise Wertgegenstände aus dem Bordell beschlagnahmen ließ.

Das Geschehen, über das Richter Bernhard Reekers jetzt zu urteilen hatte, war allerdings weit profaner als die üblicherweise langwierigen und diffizilen Steuerermittlungen – gleichwohl kann ausgerechnet diese Schlägerei vom 28. Februar des vergangenen Jahres dazu führen, dass dem Gewerbe in der Benzstraße der Boden unter den Füßen weggezogen wird.

Mit dem Taxi 60 Kilometer weit nach Goch

Was aber war geschehen? An dem fraglichen Sonntagnachmittag erschien Chemiearbeiter Sebastian W., damals 32 Jahre alt, im Eingangsbereich des Clubs und verlangte, seine dort arbeitende Freundin zu sprechen. Vor Gericht sagte er, er habe tags zuvor „Stress“ mit ihr gehabt, den er zu klären gedachte. Also habe er eine Flasche Wodka getrunken und sich per Taxi in das 60 Kilometer von seinem Wohnort entfernte Bordell chauffieren lassen. Zur Sicherheit steckte er sich noch einen Teleskop-Totschläger in die Hosentasche.

Das klärende Gespräch kam nicht zu Stande, stattdessen sorgten zunächst der herbeigerufene Koch und dann der Türsteher dafür, dass die Situation nicht eskalierte und der Mann mehr oder minder sanft wieder nach draußen befördert wurde.

An der frischen Luft krakeelte der Mann, sicherlich kein Vertreter der Kategorie „mit Stil und Klasse“, weiter. Das führte dazu, dass auch die beiden Mitarbeiter sowie später die Chefin und deren Mann (gegen ihn läuft ein gesondertes Verfahren) vor die Tür traten und für Ruhe sorgten. Wie genau dies geschah, blieb etwas diffus.

Gemeinschaftliche Körperverletzung

Am wahrscheinlichsten erschien es, dass der Mann der Bordellbetreiberin dem Opfer mit einem Baseballschläger auf die Beine schlug, das Muskelpaket und der Koch sich auf ihn warfen und noch ein bisschen hinterher schlugen, und schließlich die Betreiberin Pfefferspray einsetzte und half, den am Boden liegenden Chemiearbeiter mit Kabelbinder zu fixieren, bis die Polizei eintraf.

Der Staatsanwalt wertete das robuste Vorgehen als gemeinschaftliche gefährliche Körperverletzung, die drei Angeklagten hingegen erschienen ob der Vorwürfe geradezu fassungslos. „Ich bin Koch von Beruf – und kein Schläger“, sagte K., der zudem wortreich auf eine schwere Erkrankung hinwies, die seine Lebenserwartung stark einschränke. „Ich finde es eine Dreistigkeit, mir so was vorzuhalten. Ich habe einen Blutdruck von 200.“ Dann musste die Verhandlung unterbrochen werden, damit der Angeklagte seinen Blutzuckerwert messen konnte.

Für Marco P., den Sicherheitsmitarbeiter, stellte sich die Situation als eine „kleine Rangelei“ dar – „er mit dem Totschläger, ich mit der Stabtaschenlampe“. Das Gericht allerdings wertete nach der Vernehmung einiger Zeugen die „kleine Rangelei“ als Körperverletzung und verurteilte alle drei wegen Körperverletzung, blieb bei dem Strafmaß allerdings unter den Anträgen der Ankläger. Der Türsteher erhielt eine Freiheitsstrafe von einem Jahr, der Koch eine von neun Monaten, die beide zur Bewährung ausgesetzt wurden.

Konzession ist gefährdet

Ulla O., die sich selbst vor Gericht nur als „kaufmännische Angestellte“ des Betriebs bezeichnete und ihr Monatsgehalt mit 1235 Euro bezifferte (das nahm ihr das Gericht allerdings nicht ab), wurde zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 100 Euro verurteilt.

Das könnte die Unternehmerin angesichts ihres über lange Jahre boomenden Betriebs verschmerzen. Erst vor drei Jahren hatte die Unternehmerin die Betriebsfläche des FKK van Goch mehr als verdoppelt, nachdem sie die angrenzende Immobilie des Gocher CDU-Politikers Josef Thonnet erworben hatte.

Allerdings könnte die Verurteilung das Ende ihrer Karriere als Bordellwirtin bedeuten: Das Prostituiertenschutzgesetz verlangt von Bordellbetreibern eine „Zuverlässigkeit“ – und die ist laut Gesetz nicht gegeben, wenn eine Verurteilung wegen Körperverletzung vorliegt.

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