Kalkar. Das DRK schlägt Alarm, da es viel zu wenige Blutspender gibt. Gut besuchte Spende-Aktionen, wie in Kalkar, sind keine Selbstverständlichkeit.

Wenn die Konserven in der Vorratskammer zur Neige gehen, ist der nächste Supermarkt nicht weit und das Lager schnell wieder aufgefüllt. Wenn allerdings Konserven mit Blut in Krankenhäusern knapp werden, wird es problematisch. Um diesen Bestand aufrecht zu erhalten, braucht es viele und regelmäßige Spenden.

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Kliniken und das Deutsche Rote Kreuz (DRK) haben kürzlich Alarm geschlagen, dass die Bestände knapp sind und der Bedarf der Kliniken nicht mehr gedeckt werden könne. „Wir haben gerade eine äußerst angespannte Situation“, erklärt Stephan David Küpper, Sprecher vom Deutschen Roten Kreuz Blutspendedienst West. Es brauche dringend mehr regelmäßige Spender, auch wenn laut Küpper „der Niederrhein eine spendenfreudige Region“ sei.

Langjährige Spender werden geehrt

Das kann man unter anderem in Kalkar beobachten. Stefan Kraus ist über sein Engagement in der Freiwilligen Feuerwehr zum Spender geworden. „Ich bin heute zum dritten Mal hier“, sagt der junge Mann, während Stefanie Zelazo seinen Arm für die Spende bereit macht. „Wir haben auch langjährige Spender, die schon 75-mal ihr Blut gelassen haben und die dafür dann natürlich auch geehrt werden“, sagt die DRK-Mitarbeiterin. Zelazo fährt täglich mit einem mobilen DRK-Team aus Breitscheid raus.

Bei einer Blutspende werden 0,5 Liter Blut entnommen.
Bei einer Blutspende werden 0,5 Liter Blut entnommen. © NRZ | Tobias Harmeling

In die Turnhalle in Altkalkar kamen am Donnerstag 104 Menschen zum Blut spenden vorbei. Das DRK-Team baut hier, so wie in den vielen anderen Kommunen im Kreis, regelmäßig ihre Liegen auf und bietet den Menschen vor Ort die Möglichkeit ihren halben Liter Lebenssaft für die Gute Sache zu geben. „Blutspenden ist sehr wichtig, vor allem weil es derzeit so wenige Spender gibt“, weiß der Arzt Burkhard Wittinghofer, der mit den Spendern die obligatorischen Fragebögen durchgeht und auch weitere Fragen klärt.

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In NRW gehen etwa 280.000 Menschen regelmäßig Blut spenden (etwa drei Mal im Jahr.) „Wir hatten aber auch mal die Lage, dass wir etwa 400.000 Spender hatten“, erklärt Stephan David Küpper. „Das war vor etwa acht bis neun Jahren.“ Diese Zeiten seien leider vorbei und auch durch die Corona-Krise geriet die Spendebereitschaft weiter ins Stocken. Noch ein Grund sei das immer höhere Alter der Baby-Boomer, die teils aus gesundheitlichen Gründen als regelmäßige Spender ausfallen, sagt der DRK-Sprecher.

Was passiert, wenn keine Blutkonserven mehr da sind?

„Eine Notfallversorgung sollte immer gewährleistet werden können, wenn zum Beispiel ein Unfall passiert und jemand schnell Blut braucht“, erklärt David Küpper. Allerdings könne es passieren, dass bei zu wenigen Blutvorräten in Kliniken auch operative Eingriffe verschoben werden müssen. Und Küpper wolle keine Angst verbreiten und keine Zustände wie in der Ukraine heraufbeschwören, aber es gebe durchaus Szenarien, wo ad hoc sehr viel mehr Blut gebraucht werde.

„Es bringt aber jetzt auch nichts, wenn morgen alle hoch emotionalisiert in die Blutspendezentren rennen“, erklärt Küpper. Wichtig sei, dass die Spendenbereitschaft nachhaltig sei und Spender regelmäßig kommen, sodass die Bestände langfristig stabil sind. Außerdem brauche es auch 24 Stunden Zeit, bis die Blutspenden so präpariert und untersucht seien, dass sie auch verwendet werden können.

So ist die Situation in den Krankenhäusern in Kleve und Goch

Die Lage in den Karl-Leisner-Krankenhäusern in Kleve und Goch ist laut Sprecher Christian Weßels ebenfalls angespannt und eine Herausforderung, „der wir nur mit großem Aufwand begegnen können.“ Die Notfallversorgung sei aber sichergestellt. Die Kliniken beziehen ihr Blut dabei auch vom DRK, das mit 75 Prozent bundesweit den Großteil des Bedarfs deckt. Darüber hinaus bieten Unikliniken und private Anbieter Möglichkeiten zur Blutspende. Dort wird die Blutspende teils auch honoriert.

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Wäre ein Geldanreiz auch für das DRK eine Möglichkeit, mehr Menschen zum Spenden zu bewegen? Nein, sagt David Küpper, da die Unikliniken, in denen die Spende honoriert wird, ebenso mit geringen Spenderzahlen zu kämpfen haben. Zudem sei die Blutspende ein hoher logistischer Aufwand und mit vielen Kosten verbunden. Die DRK-Teams sind unter anderem auch auf die Hilfe von Ehrenamtlichen angewiesen. „Wir können auch nicht viele Extratermine anbieten, weil auch wir vom Personalmangel betroffen sind“, so Küppers.

In Kalkar ist der Blutspende-Tag um 19.30 Uhr beendet und die Liegen werden wieder eingeklappt. Fast alle Lunch-Pakete sind als Belohnung an die Spender verteilt worden und das DRK hat im Gegenzug über 50 Liter Blut gesammelt. Dies wird nach der Untersuchung und Verarbeitung für Notfälle und Operationen aller Art genutzt, oder beispielsweise auch zur Herstellung von Krebsmedikamenten. Spenden darf fast jeder, alle drei Monte, hingucken, wie die Nadel eingeführt wird und das Blut fließt, muss niemand. Ein praktischer Nebeneffekt: Jede Blutspende ist gleichzeitig auch ein persönlicher Gesundheits-Check.

Blutspendetermine in Kleve, Goch und Umgebung

Am Mittwoch,11.5., ist das DRK von 17 bis 20 Uhr in der Euregio Realschule in Kranenburg. Im Gemeindezentrum in Kalkar Wissel kann man am Dienstag, 17.5., von 16 bis 19.30 Uhr sein Blut lassen. Am Donnerstag, 19.5., 15.30 bis 19 Uhr ist die Blutspende in Kleve Kellen am Konrad-Adenauer-Schulzentrum möglich. In Bedburg-Hau ist das DRK am Dienstag, 21.6., von 15 bis 19:30 im LVR-Gesellschaftshaus. In Goch kann am Freitag, 17.6., von 15 bis 19.30 Uhr im Gymnasium gespendet werden. Weitere Informationen und Termine finden sich auf www.drk-blutspende.de.