Kleve. Das 9-Euro-Ticket ist auch in Kleve beliebt. Viele haben es direkt für drei Monate gekauft. Die Mehrheit ist zufrieden, es gibt aber auch Kritik.

„Das hat jetzt keine zwei Minuten gedauert“, sagt Adem Celig, der gerade zufrieden aus dem Niag-Servicecenter am Bahnhof in Kleve tritt. Er hat sich das 9-Euro-Ticket für den Juni gekauft, direkt am zweiten Tag, an dem es verfügbar ist. „Das ist schon sehr attraktiv“, meint der 41-jährige Klever.

Für den täglichen Weg zur Arbeit aus Goch nach Kleve lohnt sich das Ticket für ihn sehr, denn sonst besorgt er sich jeden Monat aufs neue das „Ticket2000“, welches je nach Reichweite bis zu 200 Euro kosten kann. Den kommenden Schienenersatzverkehr durch die Streckensperrung vom 24. Juni bis 7. August zwischen Kleve und Krefeld werde er wahrscheinlich mit dem Auto umgehen.

Niag: Viele Verkäufe am ersten Tag - auch in Kleve

Wie Adem Celik sind an den ersten Tagen bereits viele Menschen in die Kundencenter der Niag gekommen, um sich das begehrte Ticket zu sichern. Etwa 4400 Ticketkäufe sind laut der Niag bereits am ersten Tag abgewickelt worden, 500 davon mobil über die App. In manchen Verkaufsstellen soll es am Montagmorgen auch längere Schlangen gegeben haben.

Adem Celik vor dem Kundenservice-Center der Niag am Klever Bahnhof.
Adem Celik vor dem Kundenservice-Center der Niag am Klever Bahnhof. © NRZ | Tobias Harmeling

In Kleve soll der Andrang kontinuierlich gewesen sein, aber ohne lange Schlangenbildung, erzählt die Service-Mitarbeiterin am Schalter. Die Abwicklung sei sehr einfach. Die häufigsten Nachfragen drehen sich um die Fahrrad-Mitnahme, die nicht möglich ist, und ob das Ticket auch bis kurz hinter die Grenze in den Niederlanden gültig ist, was es aber nicht ist. Manch ein Kunde dachte ärgerlicherweise wohl, das Ticket sei bereits direkt nach dem Kauf gültig, ein teurer Irrtum, denn erst ab dem 1. Juni gilt der Tarif, ließ die Mitarbeiterin wissen.

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„Insgesamt sind wenige Unklarheiten aufgetreten“, sagt Niag-Sprecher Michael Block. Viele Kunden hätten sich bereits zuvor über die Homepage informiert, die bereits seit einigen Wochen online einzusehen seien. Die Rückerstattung des Differenzbetrags für Abo-Kunden laufe ebenfalls bereits. Zwar sei das verwaltungstechnisch etwas aufwendig, so Block, aber die Vorgänge wurden schon früh vorbereitet.

Mit dem 9-Euro-Ticket von Kleve nach Köln

Am Dienstagvormittag kommen immer wieder Kunden und kaufen sich das 9-Euro-Ticket. Viele holen sich direkt Tickets für alle drei Monate, so wie das Ehepaar Naß aus Kleve: „Wir haben uns für Juni, Juli und August das Ticket besorgt“, sagt Burkhard Naß.

Das 9-Euro-Ticket nutzen Annegret und Burkhard Naß für Städtetrips nach Köln, Düsseldorf oder Krefeld.
Das 9-Euro-Ticket nutzen Annegret und Burkhard Naß für Städtetrips nach Köln, Düsseldorf oder Krefeld. © NRZ | Tobias Harmeling

Er und seine Frau Annegret seien große Köln-Sympathisanten und fahren häufiger mit dem Zug dorthin oder auch nach Krefeld und Düsseldorf. „Für neun Euro kann man nicht mal einen ganzen Tag parken in Köln“, merkt Burkhard Naß an. Während der Streckensperrung auf den SEV ausweichen würde das Rentner-Paar nur, wenn es müsste. Aber die Fahrt ab Emmerich haben sie in jedem Fall schon als Alternative ins Auge gefasst.

Kritik am 9-Euro-Ticket

Das Ehepaar Verbeet-Hildebrandt hat für den Juni auch im Niag-Kundencenter zugeschlagen, „just for fun“, wie Kornelia Verbeet-Hildebrandt sagt und lacht. Für die beiden ist das Ticket in jedem Fall eine Alternative zum Auto und für den Moment sehr schön.

Doch sie üben auch Kritik: „Man hätte das Geld besser komplett in den Ausbau des Nahverkehrs stecken sollen. Diese drei Monate bringen im Prinzip nicht viel.“ Im Grunde sei das Ticket nur ein Reizobjekt und nach der Zeit sei alles wieder teuer, sagt Christian Hildebrandt ernüchtert. Seine Frau und er würden sich auf lange Sicht mehr Strecken, bessere Taktungen und günstigere Preise wünschen.

Das 9-Euro-Ticket wird unter anderem im Niag-Kundencenter am Klever Bahnhof verkauft..
Das 9-Euro-Ticket wird unter anderem im Niag-Kundencenter am Klever Bahnhof verkauft.. © NRZ | Tobias Harmeling

„Meine Schwester wohnt in den Niederlanden, die kann im Jahr für knapp 100 Euro im Gebiet Nimwegen und Arnheim Züge und Busse nutzen“, gibt Kornelia Verbeet-Hildebrandt ein Beispiel. Solche Modelle würden ihrer Meinung die Menschen langfristig vom Auto lösen.

9-Euro-Ticket in Kleve: Autofahrer steigen um auf die Bahn

„Wir müssen die Möglichkeit ja jetzt ausnutzen“, sagt Gerd Kersjes aus Kleve. Der Rentner plane mit seiner Frau Städte-Kurztrips mit dem 9-Euro-Ticket. Sie freuen sich vor allem darüber, dass sie sich dann um das Parken keine Sorgen mehr machen müssen. Zuvor ist das Ehepaar nie mit der Bahn gefahren und hat sich auch erstmal nur ein Ticket für den Juni besorgt: „Wir möchten das erstmal nur ausprobieren“, sagt Gerd Kersjes. Im Prinzip finde er die Regelung gut, der Erfolg hänge aber davon ab, welche Erfahrungen die Leute im Einzelnen mit den Bahnfahrten machen.

Auch für die Niederländer in der Grenzregion ist das 9-Euro-Ticket attraktiv, schreibt die Zeitung „De Gelderlander“ aus Nimwegen. Die beliebte Buslinie SB58 zwischen Nimwegen und Kleve ist allerdings mit dem Ticket nicht abgedeckt und zumindest für die Strecke in den Niederlanden müsse man ein Zusatzticket kaufen. Aber für Ausflüge in Deutschland lohnt sich das 9-Euro-Ticket trotzdem. Auch wenn Städtetrips von Kleve nach Berlin dann zwar fast doppelt so lange dauern würden – dafür wären sie aber auch deutlich günstiger. Und es gibt ja auch noch nähere potenzielle Ziele.