Kleve. Die Zentralrendantur der Kirchengemeinden in Kleve und Emmerich stellten der NRZ ihre neuen Räumlichkeiten vor - im Kapuzinerkloster in Kleve.

Der Umbau der Zentralrendantur Kleve/Emmerich ist abgeschlossen und die Verwaltungsmitarbeiter sind eingezogen. Hinter dicken Klostermauern wird hier nun über die Finanzen der 17 angeschlossenen Pfarreien der Dekanate Kleve und Emmerich gewacht. Noch sind die weißen Wände etwas karg und hier und da wird noch eingerichtet.

Die katholische Kirche ist eine komplexe Institution mit vielen Aufgaben und allein in den Dekanaten Kleve und Emmerich arbeiten 350 Menschen für sie. Hinzu kommen die 650 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Kindergärten. „Mit rund 1000 Mitarbeitern ist die Kirche einer der größten Arbeitgeber hier in der Region“, sagt Thomas Kolender, „vergleichbar mit einem mittelständischen Unternehmen“. Er leitet gemeinsam mit Marc Groenewald die neue Zentralrendantur mit 21 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. „Wir sind Dienstleister für die Verwaltungsgeschäfte der insgesamt 17 Kirchengemeinden“, so Kolender. In denen immerhin über 80.000 Katholiken leben (Stand 31. Dezember 2021: 38.067 im Dekanat Emmerich und 42.626 im Dekanat Kleve).

Schwerpunkt der Zentralrendantur Emmerich-Kleve sind die Kindergärten

Marc Groenewald ergänzt: „Wir machen das gesamte Buchhaltungsgeschäft der Gemeinden, verwalten die Liegenschaften und Investitionen und auch das Personal, vom Organisten über den Pfarrer bis zum Gärtner. Ein Schwerpunkt ist dabei das Kindergartenpersonal.“ In beiden Dekanaten sind 36 Kindergärten in Trägerschaft der Kirchengemeinden.

Svenja Straatmann und Nadine Krebbers aus der Personalabteilung fühlen sich in der neuen Umgebung schon wohl.
Svenja Straatmann und Nadine Krebbers aus der Personalabteilung fühlen sich in der neuen Umgebung schon wohl. © NRZ | Tobias Harmeling

„Wir sind froh, dass die Zentralrendantur das operative Geschäft übernimmt, da die Aufgaben für die ehrenamtlichen Kirchenvorstände einfach zu komplex geworden sind“, erklärt Pfarrer Christoph Scholten, Vorsitzender des Verbands der Pfarreien der Dekanate Kleve und Emmerich. Zuvor gab es zwei Zentralrendanturen, einmal für das Dekanat Kleve mit Sitz in Kleve und einmal für das Dekanat Emmerich mit Sitz in Kalkar. Diese wurden 2019 zu einer Verwaltung zusammengeschlossen. „Dabei wurde in einem längeren Prozess, mit vielen Vorschlägen und Abwägungen, abgestimmt, dass sich die zukünftige Zentralrendantur in Kleve niederlassen soll“, erklärt der Pfarrer.

Umbau: Nur noch einzelne Arbeiten stehen an

Hierzu wurden die alten Räumlichkeiten der Zentralrendantur Kleve im Kapuzinerkloster, welches etwas versteckt auf dem Rindernschen Deich liegt, genutzt und von Grund auf vom Bistum Münster erneuert. Von November 2020 bis Mai 2022 hat der Umbau gedauert. Die Baustelle ist planmäßig fertig geworden und nur noch einzelne Arbeiten müssen erledigt werden. „Wir haben jetzt wirklich moderne Büroräume hier“, erklärt Marc Groenewald.

Zum Vergleich die beiden Flure im Gebäude: Rechts, umgebaut, und links im Ursprung belassen.
Zum Vergleich die beiden Flure im Gebäude: Rechts, umgebaut, und links im Ursprung belassen. © NRZ | Tobias Harmeling

Zuvor wurde nur das Obergeschoss des Klosters von der ehemaligen Klever Rendantur genutzt. Nun wurden auch zwei Drittel der unteren Etage zu Büroflächen umgestaltet, in der früher das Pfarrheim der ehemaligen Kirchenpfarrei St. Maria Empfängnis war. Ein Gebäudeteil mit angeschlossener Klosterkirche und Bibliothek wurde noch im alten Zustand belassen. Die angeschlossene Kirche wird aber nur noch für Trauungen und Taufen genutzt, dort finden keine offiziellen Messen mehr statt.

Bis in die 70er-Jahre lebten im Kloster noch Kapuzinermönche

Bis in die 70er-Jahre haben hier noch Mönche und Novizen des Kapuzinerordens gelebt. Das gesamte Areal steht unter Denkmalschutz und konnte nur unter Bewahrung dessen umgebaut werden. So sind beispielsweise die alten Fenster erhalten geblieben, dahinter aber neue Fenster eingebaut worden – aus energetischen Gründen. „Von außen hat es den historischen Anblick behalten, von innen sind wir nun aber eine moderne Verwaltung“, so Thomas Kolender. 930 Quadratmeter Fläche stehen der Rendantur zur Verfügung. Das Gebäude ist darüber hinaus komplett barrierefrei durch einen Aufzug im Inneren und vor dem Eingang.

Die Arbeit in der Zentralrendantur ist mit den Jahren auch digitaler geworden. „Corona hat uns da einen großen Schub gegeben“, erklärt Kolender. Konferenzen mit dem Bistum werden nun teilweise über das Internet abgehalten, so dass die Mitarbeiter nicht immer den weiten Weg nach Münster antreten müssen. Als eine von 17 Zentralrendanturen im Bistum habe man schon länger für digitale Prozesse geworben. Angeschlossen ans Glasfasernetz und mit W-LAN im ganzen Gebäude besteht in Kleve in jedem Fall nun die Infrastruktur für modernes Arbeiten.

Pfarrer Christoph Scholten, Verbandsvorsitzender der Pfarreien der Dekanate Emmerich und Kleve, steht mit den beiden Leitern Marc Groenewald und Thomas Kolander im Flur der neuen Rendantur. (von links)
Pfarrer Christoph Scholten, Verbandsvorsitzender der Pfarreien der Dekanate Emmerich und Kleve, steht mit den beiden Leitern Marc Groenewald und Thomas Kolander im Flur der neuen Rendantur. (von links) © NRZ | Tobias Harmeling

Und wie geht es der katholischen Kirche in Kleve und Emmerich in kriselnden Zeiten? „Der Sparprozess wird auch an uns nicht vorbeigehen“, so Marc Groenewald. Die Mitgliederzahlen gehen zurück, die Kirchensteuereinnahmen dementsprechend mit und darauf müsse man sich in Zukunft einstellen.

2023/24 erstmals keine Priesterweihen im Bistum Münster

Pfarrer Christoph Scholten macht noch deutlicher, wie die Aussichten für die katholische Kirche sind: „Bis 2060 soll es laut Prognosen nur noch die Hälfte an gläubigen Christen geben.“ Und das könne durch Skandale noch deutlich schneller gehen. Speziell für seinen Berufsstand sehe es mit der nachkommenden Generation ebenfalls kritisch aus: „2023 und 2024 wird es erstmals keine Priesterweihe im Bistum Münster geben.“ An Pfingsten werden in diesem Jahr noch drei Diakone zu Priestern geweiht. Dann verbleiben im Bistum noch zwei Priesteramtskandidaten.

Man darf also gespannt sein, wie sich die Strukturen der katholischen Kirche entwickeln. Im ehemaligen Kapuzinerkloster wird die Entwicklung für die Dekanate Kleve und Emmerich aber zumindest in neuer und moderner Arbeitsatmosphäre geschehen.