Kreis Kleve. Auf der Strecke des Niers-Express beginnt die Baustellenzeit. Viele sind auf den RE 10 angewiesen. Der Schienenersatzverkehr ist unbeliebt.

Die große Sperrung der Niers-Express-Strecke ist gestartet. Seit Freitagabend, 24. Juni, fährt zwischen Kleve und Bahnhof nicht mehr der RE 10 wie gewohnt hin und her, sondern die Fahrgäste müssen mit Ersatzbussen ihren Zielort erreichen. Drei Linien wurden dazu seitens der zuständigen Nordwestbahn eingerichtet. Zwei Linien (101 und 102) fahren die Strecke „beschleunigt“ mit nicht allen Zwischenhalten und eine Linie fährt alle Bahnhöfe an.

RE 10: Probleme für Berufspendler durch Schienenersatzverkehr

Für Pendler bedeutet die monatelange Streckensperrung eine Umstellung. Der Weg zur Arbeit, Hochschule oder von Kleve raus in die Metropolregion Ruhr wird länger dauern, wenn man auf den Niers-Express angewiesen ist.

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So wie beispielsweise Dhaval Patil, der jeden Tag von Kleve nach Bedburg-Hau zur Arbeit fahren muss. Bei seiner vorletzten Pendlerfahrt vor der Sperrung am Donnerstagmorgen wusste er noch nicht genau, was seine Alternative ist: „Ich weiß nicht, ich denke ich muss früher aufstehen und mit dem Bus fahren“, erklärt er auf Englisch. Die Möglichkeit aufs Auto auszuweichen habe er nicht, da er keinen Führerschein hat. Für ihn wird sich die Fahrtzeit nicht sonderlich verlängern, da er nur eine Station weiter muss. Für manch andere Pendler sieht das allerdings anders aus.

Schienenersatzverkehr: 15 Minuten länger nach Kevelaer

Oliver van Well fuhr beispielsweise täglich bis nach Kevelaer. Wenn alles glatt lief, brauchte er dafür mit dem Zug knapp eine halbe Stunde. Nun würden es laut Fahrplanauskunft 15 Minuten mehr sein, die er einplanen müsste. Allerdings hat er Glück, da er als Lehrer nach den Sommerferien die Schule wechselt und dann nicht mehr nach Kevelaer muss.

Oliver van Well hat immer sein Fahrrad mit in die Bahn genommen. Mit dem SEV geht das nicht mehr.
Oliver van Well hat immer sein Fahrrad mit in die Bahn genommen. Mit dem SEV geht das nicht mehr. © NRZ | Tobias Harmeling

Trotzdem sagt er: „Die Baustelle wird viele vor signifikante Probleme stellen.“ Es gebe viele, die sich gerade jetzt in der heutigen Situation nicht mal eben ein Auto leisten können und die dann den SEV in Kauf nehmen müssen, den er als eine Zumutung ansieht. „Das wird zu massiven Problemen führen.“ Van Well ist Ratsmitglied in Kleve für die CDU und kennt sich als Mitglied im Verkehrsausschuss mit der Thematik vertraut.

Niers-Express: Manche Pendler steigen auf das Auto um

Bus fahren werde auch für Ramadan Aldaher keine Option sein. Er pendelt immer zwischen Kleve und Goch mit dem RE 10 zur Arbeit und zurück. In Zukunft wird er das Auto nehmen. „Mit dem Bus wird mir das zu lange dauern“, sagt der junge Mann. Laut Fahrplanauskunft wäre er mit dem Bus höchstens zehn Minuten länger unterwegs, wenn alles nach Plan läuft.

Ramadan Aldaher fährt täglich von Kleve nach Goch zur Arbeit und weicht beim SEV auf sein Auto aus.
Ramadan Aldaher fährt täglich von Kleve nach Goch zur Arbeit und weicht beim SEV auf sein Auto aus. © NRZ | Tobias Harmeling

Dass die Strecke des Niers-Express modernisiert werden muss, ist allerdings allen Pendlern klar und das kann auch fast täglich beobachtet werden, wie zum Beispiel am Freitagmittag: „Der RE 10 von Düsseldorf Hbf (ab 13:38) nach Kleve (an 15:05) fällt aus. Grund: Stellwerksstörung“, heißt es auf der Seite der Nordwestbahn.

Durch Verspätungen des RE 10: Geübt in Frust und Toleranz

„Das übt Frust und Toleranz“ sagt Oliver van Well lachend. Er erzählt: „Eine Woche in der ich jeden Tag pünktlich mit dem Zug angekommen bin, hat es nicht gegeben.“ Und das in fünf Jahren.

„Der Zug ist fast jeden zweiten Tag zu spät“, erklärt die Studentin Sarah Teply. Von Kleve nach Geldern pendelnd, graut es ihr schon vor dem SEV, da dieser mitten in die Klausurenphase fällt: „Wenn wir morgens um acht eine Klausur schreiben, muss ich um viertel nach sechs den Zug nehmen, um pünktlich da zu sein.“

Geänderte Fahrtzeiten zum Flughafen Weeze

Die Niag teilte mit, dass sich in der Zeit vom 25. Juli bis 7. August auf Grund des Schienenersatzverkehrs auf der Strecke des Niers-Express auch die Abfahrtszeiten der Buslinie SW1 ändert. Dieser Bus befährt die Strecke zwischen dem Bahnhof in Weeze und dem Flughafen Weeze.

Um die Abfahrtszeiten der Busse mit dem neuen Fahrplan des SEV zu synchronisieren werden die Abfahrten in beide Richtungen um 13 Minuten vorverlegt. Statt immer 20 Minuten nach der vollen Stunde, fährt die Linie SW1 nun immer um 7 Minuten nach am Weezer Bahnhof ab. In der Gegenrichtung startet der Bus dann immer 43 Minuten nach der vollen Stunde.

Für aktuelle Informationen verweist die Niag auf die Fahrpläne in ihrer App und niag-online.de.