Kleve. Ein ADAC-Test zeigt: Autofahrer haben Lücken beim Theoriewissen. Fahrlehrer in Kleve wundert das nicht. So kann das Wissen aufgefrischt werden.

Wann ist das Reißverschlussverfahren anzuwenden? Wann darf man Nebelscheinwerfer benutzen? Und wie darf das Telefon beim Autofahren genutzt werden? Die Führerscheinprüfung liegt häufig Jahre oder Jahrzehnte hinter praktisch sehr erfahrenen Autofahrern – somit auch die letzte Theorieprüfung. Ein repräsentativer ADAC-Wissentests hat nun ergeben, dass bei vielen Autofahrern in der Theorie massive Wissenslücken klaffen. Von 20 gestellten Fragen beantworteten die Befragten im Schnitt nur knapp die Hälfte richtig. 17 richtige Antworten und mehr gaben nur ein Prozent in der bundesweiten Umfrage. Der Wissenstest findet sich auf der Internetseite des ADAC.

„Wenn neue Fahrschüler zu mir kommen, machen die erstmal 20 Fehler in der Theorie“, sagt Paul Steinkamp, Fahrlehrer aus Kleve und spezialisiert auf Lkw-Führerscheine. Seine Schülerinnen und Schüler haben bereits einen Führerschein und eigentlich bereits eine Theorieprüfung abgelegt, nur ist die oft schon Jahre her und das Wissen wurde nie wieder aufgefrischt. „Das dauert dann immer ein paar Wochen, dann gehen die aber auch fehlerfrei durch die Prüfung“, sagt der Steinkamp, der seinen Beruf schon 52 Jahre macht und kurz vor der Rente steht.

Fehler in der Theorie, aber keine schlechten Autofahrer

„Wenn Leute Fehler in der Theorie machen, heißt das aber auch nicht, dass das schlechte Autofahrer sind“, gibt der erfahrene Fahrlehrer zu bedenken, auch wenn man nicht jede Regel der Theorie auswendig im Kopf habe. Sicher im Straßenverkehr unterwegs sein sei die eine Sache, Fragebögen ausfüllen die andere. Falls man sich aber nicht mehr sicher fühle, im Theoretischen aber auch Praktischen, empfiehlt Steinkamp einfach mal zwei oder drei Fahrstunden als Weiterbildung.

Der Fahrlehrer Peter Siegmund hatte schon häufiger ein paar freiwillige Besucher in seiner Fahrschule in Kleve. „Hin und wieder kommen ein paar ältere Leute und fragen, ob sie sich mal mit in eine Unterrichtsstunde setzen können“, erzählt Siegmund. Danach seien die meisten erstmal erstaunt, wie viel sie lernen konnten, obwohl sie schon ihren Führerschein haben. Der Lerneffekt trete ein, da sich die Verkehrsregeln verändert haben oder auch die Führerscheinklassen ganz andere sind als früher.

Über freiwillige Besucher hinaus fände Peter Siegmund es durchaus auch sinnvoll, wenn Autofahrer in gewissen Zeiträumen, von beispielsweise etwa zehn Jahren, mal wieder ein paar Theoriestunden absolvieren müssten. Darüber hinaus sei ebenfalls wichtig, seine Augen regelmäßig untersuchen zu lassen.

Ältere Autofahrer kennen Regeln nicht, oder ignorieren sie

Häufig bekomme Siegmund auch Feedback von den Eltern seiner Fahrschüler, die offensichtliche Verkehrsregeln nicht kennen. Letztens rief ihn beispielsweise ganz verwundert ein Vater an, der erzählte, dass sein Sohn vor einem offenen Bahnübergang ohne rote Ampel abgebremst und rechts und links geschaut habe, um zu schauen ob ein Zug kommt. Er fragte sich, warum sein Sohn das machte, obwohl die Bahn doch offensichtlich frei gewesen sei. Siegmund sagte dem Anrufer: „Genau richtig – so wie er es bei mir gelernt hat!“ Bei Bahnübergängen sollte man nicht blind der Ampelanlage vertrauen.

Auch die Schrittgeschwindigkeit in Spielstraßen habe der Anrufer für sich nicht so streng ausgelegt. Er dachte, da könne man ja 20 bis 30 fahren und nicht wirklich Schritttempo, so wie es sein Sohn machte. Neben mancher Unwissenheit von Älteren gibt es Siegmund zufolge auch genug Leute, die die Verkehrsregeln ganz genau kennen, aber sie einfach ignorieren.

Peter Siegmund sagt aber auch, dass die Ansprüche an den Führerschein gewachsen sind. „Die Schüler müssen ja beinahe kleine Kfz-Mechaniker sein, so viel, wie die über das Auto wissen müssen“, so der Fahrlehrer, der schon fast 40 Jahre im Beruf ist. Deshalb sei die Ausbildung heute auch länger, da der Straßenverkehr insgesamt komplexer geworden sei.

Die Verkehrswacht empfiehlt: Fahrsicherheit testen

Auch die Verkehrswacht im Kreis Kleve kümmert sich darum, ob und wie verkehrstüchtig Autofahrer sind. Geschäftsführer Falk Neutzer empfiehlt dann beispielsweise sogenannte Rückmeldefahrten in Fahrschulen: „Die kann man ohne Gefahr machen, seinen Führerschein zu verlieren, auch wenn man einige Fehler macht“, so Neutzer. So könne man herausfinden, wo man eventuell eine Auffrischung nötig hat, ob in Theorie oder Praxis. Auch ein Fahrsicherheitstraining, beispielsweise in Rheinberg, biete eine gute Möglichkeit, seine Fähigkeiten auf die Probe zu stellen.

Eine gesetzliche Pflicht von Schulungen zur praktischen oder theoretischen Verkehrstüchtigkeit findet Neutzer schwierig. Er appelliert stattdessen auf Freiwilligkeit und die Eigenverantwortung der Verkehrsteilnehmer. Und vor allem ältere Autofahrer sollten häufiger ihre Sehfähigkeit testen lassen. „Generell kann man aber nicht verallgemeinern, ob jüngere oder ältere Menschen besser Auto fahren“, macht er klar.

ADAC-Wissenstest: So sah die Umfrage aus

Der ADAC hat in einer Online-Befragung 3500 Autofahrerinnen und Autofahrer ab 17 Jahren Theoriefragen beantworten lassen. Der Fragebogen umfasste 20 Fragen und war damit nicht ganz so umfangreich wie eine offizielle Theorieprüfung, in der 30 Fragen aus dem amtlichen Katalog mit rund 1150 Fragen gestellt werden.

Von den 20 Fragen beantworteten die meisten (46 Prozent) neun bis zwölf Fragen richtig. 31 Prozent hatten fünf bis acht Fragen richtig und 16 Prozent 13 bis 16 Fragen. Nur etwa zwei Prozent beantworteten 17 Fragen oder mehr richtig. Der ADAC erklärte dazu aber auch, dass etwas schwerere Fragen für den Test ausgewählt wurden, die zudem mit neueren Verkehrsregeln zu tun haben.

Die meisten Befragten hatten Probleme bei den Fragen zum Reißverschlussverfahren, zur Benutzung von Nebelscheinwerfern und dem Telefonieren im Auto. Die meisten wussten dagegen, welche Abstände zu anderen Autos und Radlern eingehalten werden müssen, wie schnell sich Alkohol im Körper abbaut und wer Vorrang beim Abbiegen hat.