Kleve. Mitschüler starten Spendenaktion für Kathi und Rosa, die unter Long-Covid leiden. So kann man helfen. So viel Geld kam bisher zusammen.

Eine große Welle der Spendenbereitschaft hat die erschütternde Geschichte der beiden 17- und 18-jährigen Schülerinnen vom Konrad-Adenauer-Gymnasium ausgelöst. Kathi war Anfang 2023 an Long Covid erkrankt, Rosa leidet bereits seit 2020 unter den schlimmen Folgen, die ihr eine Teilhabe am normalen Leben unmöglich machen. Wie berichtet, hat Schülersprecher Phillip Borgmann mit weiteren Schülervertretern und SV-Lehrern eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Therapien und neue Medikamente, die Hoffnung geben, sollen damit finanziert werden. Aktuell kamen bisher 47.779 Euro in 995 Spenden zusammen. Auch wenn es bei manchen nur fünf Euro vom Taschengeld sind, sie helfen – und geben Hoffnung.

„Eine tolle Schulgemeinschaft, die so etwas bewirkt“

„Wir sind unglaublich bewegt und glücklich über die tolle Schulgemeinschaft, die so etwas bewirkt“, sagt Schulleiter des Konrad-Adenauer-Gymnasiums (KAG), Heinz Bernd Westerhoff. Er ist stolz auf die Schülerschaft, auf ihr „bürgerschaftliches Engagement mit Mut. Etwas anfassen, sich zutrauen“, auch wenn man nur geringe Chance auf eine Wirkung erwarte. Tatsächlich löste es hier eine große Wirkung aus. „Die Solidarität merken die Mädchen auch. Es baut sie auf, dass sie nicht vergessen werden“, erzählt Westerhoff nach Gesprächen mit den betroffenen Eltern. „Gerade in der Gesellschaft heute ist das Verbindende so wichtig.“

Die Schule gab den SV-Vertretern den Freiraum, dies als Schulaktion zu initiieren, sieht er den Anteil des KAG. Bei einer Veranstaltung im PZ mit Hunderten Schülern und Eltern gab es Informationen, auch beispielsweise aus dem Fernsehfilm von Eckart von Hirschhausen zum Thema Long Covid.

Das erste Spendenziel übertroffen

Wie berichtet, leiden beide Schülerinnen an Myalgischer Enzephalomyelitis/Chronischem Fatigue-Syndrom (ME/CFS). Beide Mädchen können nur noch sehr eingeschränkt kommunizieren. Aktuell heißt es nun, es gebe Hoffnung auf Therapieformen und neue Medikamente, die entdeckt worden sein sollen. Die Kosten werden jedoch nicht oder nur zum Teil von den Krankenkassen übernommen. Beide Mädchen haben in diesem Jahr eine Immunadsorption machen lassen, von der 70 Prozent der Betroffenen profitieren. Allerdings brauche es viel Zeit, bis eine Verbesserung eintritt, so ist auf der Seite des Spendenaufrufs zu lesen. Bei einer Immunadsorption werden zur Blutreinigung Autoantikörper therapeutisch entfernt – Kosten: mehrere tausend Euro.

Phillip Borgmann und seine Mitschüler hatten als erstes Spendenziel zunächst 15.000 Euro angesetzt. Weil das Schicksal der beiden Mädchen gerade in den ersten Tagen nach dem Spendenaufruf so viele Menschen rührte, erhöhte er das Ziel bald auf 25.000 Euro. Mittlerweile kamen 45.159 Euro zusammen.

So berichtete die NRZ bisher:

Rosa und Kathi beim Skifahren, Radeln und Klettern, beim Wellenreiten, beim Musizieren an einem Flügel, glücklich mit Freunden am Strand. Die beiden Teenager sind lebenslustige, fröhliche Menschen und haben ihr ganzes Leben noch vor sich. Ein kurzer Film zeigt die beiden. Wie sie einmal waren.

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Denn Kathi und Rosa sind nach einer Coronainfektion an einer schweren Form von Long Covid erkrankt. Medizin oder Therapie dagegen gibt es nicht. Die Familien der beiden Mädchen setzen ihre ganze Hoffnung auf die sogenannte Immunadsorption, ein extrakorporales Verfahren zur therapeutischen Entfernung von Autoantikörpern. Diese Blutreinigung wurde in diesem Jahr durchgeführt. Die Kosten, die nur in Teilen übernommen werden, betragen pro Behandlung mehrere tausend Euro und bringen die Eltern finanziell an ihre Grenzen. Mit einer Kampagne sammelt die Schülervertretung des Klever Konrad-Adenauer-Gymnasiums jetzt Geld für die Therapie. Mehrere hundert Spenderinnen und Spender haben sich an der Aktion schon beteiligt.

Ein Leben im Dunklen

Geräusche sind kaum noch zu ertragen: Rosa nach ihrer Erkrankung.
Geräusche sind kaum noch zu ertragen: Rosa nach ihrer Erkrankung. © GoFundMe

Der Film, begleitet von den Klängen des Percussion-Ensembles der Schule, den Konga Quings, stellt die heute 17- und 18-Jährigen vor. Der aktuelle Zustand von Rosa und Kathi ist nur schwer zu ertragen. Beide leiden an Myalgischer Enzephalomyelitis/Chronischem Fatigue-Syndrom (ME/CFS). Beide Mädchen können nur noch sehr eingeschränkt kommunizieren. Kathi kann an guten Tagen im Rollstuhl mit Sonnenbrille nach draußen, Licht verträgt sie nicht. Rosas Leben findet in einem komplett abgedunkelten Raum statt. Sie erträgt Geräusche kaum noch, so dass eine erste Spendenaktion der Schule beim Abiball im Sommer, der auch Rosas Abschlussfeier hätte werden sollen, für die Anschaffung eines geräuscharm verstellbaren Krankenbetts genutzt wurde. Zur Schule kann sie wie auch Kathi schon lange nicht mehr gehen.

„Da muss man doch was machen“, wollte Phillip Borgmann diese schreckliche Situation nicht hinnehmen. Der Schülersprecher am KAG initiierte die Spendensammlung gemeinsam mit den anderen Schülervertretern und SV-Lehrern. Er entdeckte das Online-Portal GoFundMe, beschrieb dort die Lebenssituation der beiden Schülerinnen und kümmerte sich um die Erstellung des Videos. Unter der Überschrift „Kathi und Rosa brauchen eure Hilfe!“ kann seitdem gespendet werden.

Phillip Borgmann, Christina Piron und Heinz Bernd Westerhoff (von links) unterstützen Kathi und Rosa mit ihrer Spendenaktion.
Phillip Borgmann, Christina Piron und Heinz Bernd Westerhoff (von links) unterstützen Kathi und Rosa mit ihrer Spendenaktion. © Kleve | Claudia Gronewald

Der Schulleiter ist fassungslos

Kathi hätte im kommenden Jahr mit ihm zusammen Abitur machen sollen. Anfang 2023 erkrankte sie an Corona, seitdem geht sie nicht mehr zur Schule. „Wir konnten für sie nur noch das Halbjahreszeugnis ausstellen“, sagt der sichtlich betroffene Schulleiter Heinz Bernd Westerhoff, der die Aktion der Schülerschaft voll unterstützt. Rosa, die bereits im November 2020 erkrankt war, sei eine sehr engagierte, sehr gute Schülerin gewesen, so Westerhoff. „Sie hat sich in der SV, bei unserem Fair Trade Projekt und bei den Konga Quings engagiert.“ Beide Schülerinnen habe man eigentlich nur mögen können, sagt er und ist fassungslos über ihren aktuellen Zustand.

Link zur Spendenaktion

Wer sich an der Spendenaktion beteiligen möchte, kann das über das Portal GoFundMe unkompliziert online machen. Über den Link www.gofundme.com/f/kathi-und-rosa-brauchen-eure-hilfe geht es auf die Seite.

Gespendet werden kann aber auch auf das Konto des Kreises der Förderer des Konrad-Adenauer-Gymnasiums im Schulzentrum Kleve-Kellen bei der Sparkasse Rhein-Maas. Auch das Sekretariat der Schule nimmt Spenden entgegen.

„Das Leben der Familien ist ungeheuer schwierig“, weiß SV-Lehrerin Christina Piron. 24 Stunden am Tag drehe sich alles um die erkrankten Mädchen. „Rosas Mutter hat ihre Arbeit aufgeben müssen, um sich rund um die Uhr um ihre Tochter kümmern zu können“, erzählt Piron. Die Krankenkassen übernehmen nicht alle Kosten, die Einstellung eines Pflegedienstes ist aufgrund des Fachkräftemangels extrem schwierig. Darüber hinaus ist die Pflege durch Außenstehende aufgrund der mit der Krankheit verbundenen Reiz- und Belastungsintolerenz äußerst problematisch.

Auch wenn es das Krankheitsbild schon länger gebe, sei doch sehr wenig darüber bekannt. Kathis und Rosas Eltern seien nicht nur finanziell, sondern längst auch psychisch und physisch erschöpft, sagt Piron. „Wir haben deshalb großen Respekt vor dem Engagement der Schülerschaft“, betont Westerhoff.

Das Ziel sind 25.000 Euro

Kathi vor ihrer Erkrankung.
Kathi vor ihrer Erkrankung. © GoFundMe

„Wir wollten einfach noch mehr tun“, erklärt Phillip Borgmann seinen Einsatz. „Ihr Leben und das ihrer Familien wurde von heute auf morgen aus der Bahn geworfen“, schreibt er im Online-Portal. Und hat mit seiner Idee an der Schule offene Türen eingerannt. „Wenn es irgendwie möglich ist, geben wir immer volle Rückendeckung“, sagt der Schulleiter.

Borgmanns erstes Spendenziel waren zunächst 15.000 Euro. Weil das Schicksal der beiden Mädchen gerade in den ersten Tagen so viele Menschen rührte, erhöhte er das Ziel inzwischen auf 25.000 Euro. Über 400 Menschen haben bis Donnerstagnachmittag, 7. Dezember, bereits mehr als 18.000 Euro für die Behandlung gespendet. Unter ihnen sind viele Eltern, ehemalige und aktuelle Schüler und viele aus Rosas Jahrgangsstufe.

Eltern sind „super dankbar“

Rosa vor ihrer Erkrankung.
Rosa vor ihrer Erkrankung. © GoFundMe

„Man spürt auch bei den Lehrerinnen und Lehrern eine große Verbundenheit“, freut sich Heinz Bernd Westerhoff. Die Eltern von Rosa und Kathi seien „super dankbar“ für dieses Engagement, kann Christina Piron berichten. „Sie haben die Fotos für den Film bereitgestellt und auch das Video abgesegnet.“ Jetzt hoffen alle, dass die Behandlung der beiden zu einer Verbesserung ihres Zustandes führt und sie irgendwann vielleicht wieder ins Leben zurückkehren können.