Kleve/Nimwegen. Alt-Ministerpräsident Dries van Agt ist am Montag in Nimwegen gestorben. Er bestimmte nach langer Krankheit seinen Todeszeitpunkt selbst.

Er fuhr bis ins hohe Alter Auto und setzte sich bis zuletzt für das Schicksal der Palästinenser ein - lange vor dem aktuellen Krieg. Dries van Agt (93), langjähriger Ministerpräsident der Niederlande, ist am vergangenen Montag gestorben. Zusammen mit seiner Frau Eugenie, wie die niederländische Tageszeitung De Gelderlander berichtet. Van Agt und seine Frau wählten ihren eigenen Todeszeitpunkt und starben Hand in Hand.

Van Agt lebte in seiner alten Studentenstadt Nimwegen. Er war Christdemokrat und regierte das Land von 1977 bis 1982. Eine besondere Beziehung verband ihn mit dem ehemaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt, mit dem er noch lange nach seiner Amtszeit befreundet blieb.

Den Todeszeitpunkt selbst gewählt

Van Agt litt zuletzt an den Folgen eines Schlaganfalls (2019), so The Rights Forum, ein Think Tank, den van Agt gegründet hatte und dessen Ehrenvorsitzender er war. „Er starb Hand in Hand mit seiner geliebten Frau Eugenie van Agt-Krekelberg. Sie war seine Stütze und seine große Liebe, mit der er 70 Jahre zusammen war und die er immer als „mijn meisje“ bezeichnete“, so das Rights Forum. Die Eheleute hatten den Zeitpunkt ihres Todes selbst gewählt: „Sie waren beide sehr krank“, sagte Gerard Jonkmann, Direktor des Rechteforums, dem Gelderlander. Das Paar war seit 1958 verheiratet und hatte drei Kinder.

Dries van Agt, ehemaliger Ministerpräsident der Niederlande, vor dem Huize Heijendaal auf dem Universitäts-Campus.
Dries van Agt, ehemaliger Ministerpräsident der Niederlande, vor dem Huize Heijendaal auf dem Universitäts-Campus. © Andreas Gebbink | Andreas Gebbink

Dries van Agt war einer der beliebtesten Ministerpräsidenten der Niederlande. Von 1977 bis 1982 führte der Christdemokrat in Den Haag drei Kabinette mit Liberalen und Sozialdemokraten. „Aber eigentlich war es nur eine Kabinettsperiode“, sagt er 2018 in einem Interview mit der NRZ bescheiden. Die Regierungen von 1981 bis 1982 seien nur ein Intermezzo gewesen. Seine offene und bescheidene Art zeichnet ihn aus und ist wohl auch der Hauptgrund für seine Beliebtheit in der Bevölkerung.

Ein beliebter Premierminister

In Nimwegen hat für ihn alles begonnen. Geboren und aufgewachsen im brabantischen Städtchen Geldrop, zog es ihn zum Studium nach Nimwegen. „Ich wurde katholisch erzogen“, erzählt er. In Eindhoven besuchte er ein Gymnasium, das von Augustinermönchen geleitet wurde. Und für seine Eltern war klar, dass Sohn Dries auch eine katholische Universität besuchen sollte - und zwar in Nimwegen. Er studierte Jura, wurde Anwalt in Eindhoven und arbeitete später fünf Jahre in Den Haag in der Justizabteilung des Landwirtschaftsministeriums. „Ich hatte die Ehre, an Gesetzestexten mitarbeiten zu dürfen. Das ist für mich die höchste Kunst. Gesetze zu formulieren ist extrem schwierig“, sagt van Agt, der gerne Anekdoten aus seiner Jugend erzählt. 1968 - im Jahr der „Kulturrevolution“ - erhielt er eine Professur an der Universität Nimwegen und wurde Hochschullehrer für Strafrecht: „Seitdem bin ich in Nimwegen geblieben.“

In seine Amtszeit fiel die enge Zusammenarbeit mit Königin Juliana, die zu dieser Zeit nicht die einfachste Person war. So erzählte Juliana, die in den 50er Jahren durch die Affäre Greet Hofmans – eine selbsternannte Wunderheilerin – öffentllich in Verruf geraten war, auch nach ihrer Amtsübergabe an Beatrix, dass auf einer schweizerischen Almwiese Außerirdische gelandet seien. Van Agt musste in solchen Momenten tief durchatmen. Er sagte 2011 in einem Interview: „Meisje, es ist gut, dass Du aufgehört hast.“

Jahrelanger Einsatz für Palästina

Van Agt äußerte sich in den letzten Jahren zunehmend kritisch zur aktuellen niederländischen Außenpolitik in Bezug auf den israelisch-palästinensischen Konflikt. Dies führte schließlich dazu, dass Van Agt aus seiner christdemokratischen Partei CDA austrat. Van Agt war überzeugt, dass der CDA das Leid der Palästinenser ignoriere.

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